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Träumen erwünscht 3,25 Zinsen auf dem Sparbuch

09.11.2017, 13:34  |  3788   |   |   

Vor 28 Jahren fiel die Berliner Mauer. Von 1971 bis 1989 gab es in der DDR einen Einheitszinssatz von 3,25 Prozent auf Spareinlagen. Die Möglichkeiten zur Geldanlage waren sehr überschaubar, denn es gab nur ein Spargirokonto. 

André Steiner sagte gegenüber der WirtschaftsWoche: "Aktien gab es in der DDR natürlich nicht, das war ja der Inbegriff des Kapitalismus und damit Teufelszeug." Auch anderen Anlageformen wurde 1970 eine Absage erteilt, denn bis dahin gab es festverzinsliche Wertpapiere wie Hypothekenpfandbriefe der DDR-Investitionsbank oder Schuldverschreibungen kommunaler Wohnungsverwalltungen, wie die WirtschaftsWoche berichtete. Somit war das Sparkonto für viele Bürger die einzige Möglichkeit ihr Geld zu vermehren. Thorsten Wehber sagte: "Ab 1971 gab es für alle Spareinlagen einen Einheitszinssatz von 3,25 Prozent. Der blieb unverändert." Somit musste sich der DDR-Bürger kaum um seine Ersparnisse kümmern. 

Bei den Geldscheinen beschränkte man sich in der DDR darauf, dass Bürger nur Banknoten bis zum Hundertmarkschein zu Gesicht bekamen. Es gab aber noch den 200 und 500 Mark Schein. Laut der Welt wurden diese aber nur in den Tresoren der DDR-Staatsbank aufbewahrt. Beliebt bei den DDR-Bürgern war die D-Mark als Wertaufbewahrungsmittel. 

Das Bank- und Finanzwesen der DDR war auf die Planwirtschaft ausgerichtet und weniger auf gewinnbringende Geldanlagen für die Bürger. Als Zentral- und Staatsbank der DDR fungierte die Deutsche Notenbank, die Direktionen und Filialen auf Bezirks und Kreisebene sowie in größeren Städten unterhielt (seit 1967: Staatsbank der DDR), schreibt Dr. Thorsten Wehber. Daneben existierte eine Reihe von Instituten mit genau abgegrenzten Funktionen: Sparkasse für die breite Bevölkerung, die Deutsche Bauernbank, die Deutsche Außenhandelsbank (Export, Import, Transithandel) und die Deutsche Investitionsbank (ab 1974 in die Staatsbank der DDR integriert), so Wehber.

Auch vor dem Hintergrund das es keinen freien Immobilienmarkt gab, kam Wolfgang Tischner zu dem Fazit, dass in DDR privates Vermögen deutlich anders strukturiert war, als in der Bundesrepublik. Das Sparbuch war über Jahrzehnte die wichtigste und einzige Form der Geldanlage. Dies ist ein Grund, warum das Sparbuch noch immer sehr bliebt ist, trotz historisch niedriger Zinsen. Im Jahr 2016 lag der Sparbuchzins im Durchschnitt bei etwa 0,3 Prozent. 2016 stieg das Geldvermögen hierzulande erneut um fast fünf Prozent, wie die Welt schrieb. Rund zwei Fünftel der 5,7 Billionen Euro liegen auf Sparbüchern, Tagesgeldkonten oder bar zu Hause. Mit einem DDR-Zins von 3,25 Prozent würde das Vermögen erheblich wachsen.

Quellen:

Wehber, Thorsten: Die historische Überlieferung von Banken und Sparkassen, 01.08.2006, PDF online verfügbar.

Tischner, Wolfgang: Wohlstand für wen? Die Entwicklung des bürgerlichen Vermögens in Deutschland aus historischer Perspektive, Mai/Juni 2015, PDF online verfügbar.

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