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5 Themen aus der Siemens-Telefonkonferenz zum 4. Quartal, die dir vielleicht entgangen sind

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
10.11.2017, 08:35  |  321   |   |   

Auf der Analystenkonferenz zum 4. Quartal des unterjährigen Geschäftsjahres präsentierten die Vorstände Joe Kaeser und Ralf Thomas die aktuelle Lage und gaben auch einen detaillierten Ausblick auf die erwartete Entwicklung des Siemens (WKN:723610)-Konzerns. Ich habe in die eineinhalbstündige Veranstaltung reingehört und hier ist, was mir aufgefallen ist.

Alles digital

Joe Kaeser gab sich im Eingangsvortrag begeistert. Die versprochenen Ziele seien erreicht worden und der Konzernumbau schreite weiterhin mit großen Schritten voran. Man profitiere nicht nur von kurzfristigem Rückenwind, sondern gewinne nachhaltig Marktanteile. Er unterstreicht das mit dem beeindruckenden Anstieg des Auftragseingangs in Höhe von 16 % im abgelaufenen Quartal.

Besondere Freude macht ihm das Thema Digitalisierung. Dort konnte gegenüber dem Vorjahr der Umsatz um 20 % gesteigert werden. Selbst ohne die Einrechnung von Mentor Graphics waren es immer noch 9 %. In Verbindung mit Elektrifizierung und Automatisierung habe man die „winning formula in the marketplace“ gefunden. Folglich sollen zusätzliche Forschungsaufwendungen fast ausschließlich in die Bereiche Software und digitale Anwendungen über alle Sparten hinweg fließen.

In dem Zusammenhang erwähnte er auch, dass es Siemens immer besser gelinge, wichtige Forschungsergebnisse in erfolgreiche Innovationen zu konvertieren. Ein Beispiel dafür ist die Additive Fertigung, wo nichts ohne passende Software geht. Siemens hat sich dort stark positioniert, sodass sich das Geschäft zu einem wichtigen Standbein entwickeln soll.

Die Alstom-Fusion wirft ihre Schatten voraus

Die Kombination mit Alstom (WKN:A0F7BK) wird das Management das gesamte Geschäftsjahr über intensiv beschäftigen. Das entsprechende Segment Mobility lieferte schon mal starke Zahlen ab und auch das laufende Quartal laufe ausgezeichnet.

Siemens wird auch nach dem vollzogenen Zusammenschluss der Digitalisierungspartner bleiben, denn das ist die große Stärke der Münchener. Joe Kaeser nannte eine Zahl von über 50 implementierten Kundenprojekten und gab sich überzeugt, dass dies nur der Anfang sei.

Erhöhte Kosten in der Zentrale

Die ganze Begeisterung über die Erfolge im Digitalbereich wird etwas getrübt durch recht hohe Firmenwertabschreibungen, auch Kaufpreisallokation genannt. Für den Zukauf von Mentor Graphics und die Gamesa-Transaktion werden im laufenden Geschäftsjahr rund 1,2 Mrd. Euro anfallen. Vor allem für Mentor wurde ein Preis bezahlt, der weit über dem Buchwert oder auch den fair bewerteten Vermögenswerten lag, in der Hoffnung, dass zukünftige Synergien den Verlust wettmachen.

Wie das immer so ist, treten zunächst erstmal hohe Integrationskosten auf, weil Heerscharen von Beratern, Rechtsanwälten und Banker die Hand aufhalten sowie Organisationsstrukturen angepasst werden müssen. Außerdem steigt der Schuldendienst trotz der günstigen Finanzierungsbedingungen an. Folglich drückt Mentor derzeit noch auf dreierlei Weise auf den Gewinn, was sich aber schon bald ändern sollte, wenn der Plan des Managements einigermaßen aufgeht.

Hohe Unsicherheit herrsche hingegen bezüglich der zentral gemanagten Beteiligungen. Da man mit der Veräußerung von Osram (WKN:LED400)-Aktien bereits einen schönen Gewinn eingesackt hat, geht der Finanzchef davon aus, dass zumindest ein leicht positives Ergebnis erreicht werden kann. Aber offenbar sind in diesem Portfolio auch ein paar Verlustbringer drin.

Daneben werden die beiden großen Deals, Healthineers und Alstom, voraussichtlich die prozentuale Steuerlast temporär erhöhen, wohl weil damit erhebliche Buchgewinne realisiert werden können.

Problemkinder

Die drängenden Themen in der Fragerunde drehten sich um die Sparten Power & Gas und Gamesa. Die Probleme im Kraftwerksgeschäft halten an. Zu einer verringerten Nachfrage gesellt sich auch noch ein Preisdruck. Kapazitätsanpassungen sind folglich unausweichlich. Zwar stabilisiere sich das Geschäftsumfeld jetzt, aber für das laufende Jahr machte Joe Kaeser den Analysten und Anlegern nicht viel Hoffnung auf Besserung. Schließlich würden gerade jetzt Aufträge abgearbeitet, die zu geringen Preisen hereingenommen wurden.

Nicht viel besser geht es aktuell dem Windturbinensegment. Der Chef sprach von einem „holprigen Start“ der fusionierten Einheit. Hinzu kommt, dass das Komponentengeschäft leidet, ein Bereich, in dem Siemens Gamesa (WKN:A0B5Z8) stark engagiert ist. Bei Getrieben und Generatoren herrsche ein heftiger Preiskampf, sodass auch hier wohl einschneidende Restrukturierungsmaßnahmen erfolgen werden.

Das wird wahrscheinlich zu signifikant höheren Ausgaben für Sozialpläne und Ähnliches führen. Allerdings seien die Probleme nicht Siemens-spezifisch, sondern ein Branchenthema. Das Management ist überzeugt, dass man aus dieser Phase gestärkt herauskommen wird.

Voller Einsatz für mehr Profitabilität

Joe Kaeser machte deutlich, dass man nicht nur die Feuerwehr bei den Problemfeldern spielen will, sondern auch proaktiv über alle Bereiche hinweg an der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit arbeite. Eine schnell-lernende und anpassungsfähige Organisation wolle man sein. Auch das immer wichtiger werdende Cost and Value Engineering entlang der Wertschöpfungskette wurde groß herausgestellt. Bei dieser konzernweiten Initiative geht es darum, innovative Produkte und zugehörige Lieferantenbeziehungen so zu gestalten, dass das Verhältnis von Kosten und Kundennutzen im optimalen Verhältnis steht.

Dass mittlerweile 13.000 Siemens-Ingenieure die eigene Software-Suite für die effiziente Entwicklung benutzen, ist auch ein Erfolg, der sich aus meiner Sicht selbst verstärken sollte, wenn die Kommunikation zwischen Programmierern und Anwendern gut funktioniert.

Da war einiges dabei

Man könnte hier noch viele weitere interessante Punkte aufführen. So hat Joe Kaeser beispielsweise angedeutet, dass man für den Bereich der Prozessautomatisierung, wo man sich vergleichsweise schwach aufgestellt sieht, nach Akquisitionszielen Ausschau halte und bei guter Gelegenheit zuschlagen wolle. Aber ich denke, wir haben jetzt genug gesehen, um ein Fazit ziehen zu können.

Insgesamt scheint es operativ richtig gut zu laufen, vor allem, wenn man etwas weiter in die Zukunft blickt. Beeindruckend ist auch, dass Siemens im aktuellen Forbes-Ranking der angesehensten Großunternehmen weltweit auf Platz 1 steht. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die ganzen Umbaumaßnahmen und Übernahmeprämien immer eine Menge Geld kosten und somit den Erfolg unter dem Strich etwas schmälern. Die Aktionäre wollten die Begeisterung des Chefs jedenfalls nicht teilen und schickten die Aktie in den Keller.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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