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Nur ein Dieselauto eines deutschen Herstellers erfüllt die neue Abgasnorm Euro 6d

Gastautor: w:o Gastbeitrag
26.01.2018, 07:57  |  18048   |   |   

Berlin. Auf dem Automarkt erfüllt derzeit nur ein Dieselmodell eines deutschen Herstellers die strengen neuen Abgasnormen im Straßentest: der neue Mercedes-Benz CLS Diesel.

Außer der Luxus-Limousine von Daimler stammen alle übrigen neu zugelassenen Fahrzeugmodelle von der französischen PSA-Gruppe (Peugeot, Opel, DS), Volvo und Kia. Dies teilte das Bundesverkehrsministerium auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion mit, die den Zeitungen der FUNKE MEDIENGRUPPE (Freitagausgaben) vorliegt. „Dass bislang nur ein einziges deutsches Dieselmodell die strengeren Vorschriften einhält, zeigt, dass bei der deutschen Autoindustrie immer noch Welten zwischen Ankündigung und Umsetzung liegen“, kritisiert der Grünen-Verkehrsexperte Stephan Kühn, der zugleich Mitglied des Verkehrsausschusses im Bundestag ist. „Nur eine Handvoll Dieselmodelle erfüllt bereits die neuen Abgasvorschriften, darunter fast ausschließlich spritfressende SUVs.“ Zu den zugelassenen Diesel-Fahrzeugen nach der neuen Richtlinie zählen der Peugeot 308, Peugeot 3008 und 5008, der Opel Grandland X, der DS 7 Crossback, der Volvo XC40, XC60 und XC90, sowie der Kia Stinger.

Angesichts des Vertrauensverlustes nach dem Dieselskandal hätte man erwarten können, dass Hersteller auch bestehende Modelle neu genehmigen lassen, um sich mit der Euro-6d-TEMP-Norm rühmen zu können, wirft Kühn den Produzenten vor: „Anstatt sich in Folge des Abgasskandals besonders ins Zeug zu legen, werden die Hersteller weiterhin ihrer Verantwortung nicht gerecht.“  Auch Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Center an der Universität Duisburg-Essen, blickt verständnislos auf die Hersteller: „Die Autoindustrie ist dumm und dusselig“, urteilt der Autoexperte: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Hersteller nicht ihre neuen Motoren nach der Euro 6d-TEMP-Norm klassifizieren lassen. BMW und Mercedes haben solche Motoren, die diese Normen erfüllen und auch bestehende Modelle, die den Test bestehen würden.“ Sollte es künftig Fahrverbote geben, sei nicht ausgeschlossen, dass nur Euro-6d-Fahrzeuge mit Blauer Plakette in die Umweltzonen fahren dürften, meint Dudenhöffer. Unternehmen, die weiter Diesel verkaufen wollen, sollten deshalb ihre Kunden nicht im Unklaren lassen und nur die höchste Euro-Norm-Klasse anbieten: „Denn keiner kauft gerne die Katze im Sack.“

Der neue Abgasstandard Euro 6d-TEMP und Euro 6d, bei dem die Abgasgrenzwerte für Stickoxide nicht mehr  nur auf dem Rollenprüfstand, sondern auch beim Straßentest geprüft werden, gilt seit September 2017 für die Zulassung aller neuen Fahrzeugmodelle. Die Regelung gilt ebenso bei sehr umfangreichen Änderungen an den bestehenden Modellen. Die Hersteller sind jedoch nicht verpflichtet, ihre bestehende Modelle neu genehmigen zu lassen. Erst vom September 2019 an wird das neue Testverfahren für alle Neuwagen zur Pflicht.

 

Dieser Beitrag stammt von der Funke Mediengruppe, vom 26.01.2018.

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Kommentare

In einem Jahr müssen alle neuen Dieselfahrzeuge die E 6d Norm amtlich erfüllen,
las ich gerade irgendwo.
3 bis 5 Jahre haben die Hersteller keine Zeit mehr.
Die Zulassungskosten hätte ich jetzt nicht vermutet. Vielleicht das Umschreiben des bestehenden Fahrzeugbestandes was viel Geld und Verwaltung bedeutet.

Ich habe diesmal die Hersteller in Verdacht. Es ist schlecht fürs Geschäft, wenn man die guten von den schlechten Diesel unterscheiden kann. Dann kann man die Schlechten gleich vom Markt nehmen. Ich denke, wenn das Gross der Fahrzeuge umgestellt ist, wird man sich öffentlich äußern. In 3 bis 5 Jahren vielleicht.
Es gibt offensichtlich eine Reihe solcher Modelle deutscher Hersteller, die die Abgas-Norm 6 D erfüllen, aber es ist nicht amtlich festgeschreiben, dass sie es tun.
Die mögliche Neuzulassung ist mit Kosten verbunden, die die Hersteller offenbar scheuen.
Warum auch ein Auto zweimal zulassen.

Die Frage ist auch, ob die Erstzulassung möglicherweise erlischt, wenn eine Neuzulassung beantragt wird. Keine Ahnung, aber es könnte der Grundsatz herrschen, entweder ist ein Auto zugelassen oder nicht. Und solange eine Zulassung beantragt wird, ist es nicht zugelassen.
Juristerei, aber möglichwerweise bedeutsam.
Man hätte den verständlosen Dudenhöfer ja mal fragen können, vielleicht versteht der was davon.
Aber leider ist er los von Verständnis.
Er weiß auch sonst nicht viel über Diesel, wie er mal öffentlich in seinen Aussagen offenbart hat.
Ich hatte ihm danach öffentlich geraten, in Pension zu gehen im Sinne des Ansehens deutscher Hochschulen.

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