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Sahra Wagenknecht verdreht die Geschichte Geisterfahrerin auf der endlosen Straße des Sozialismus

Gastautor: Rainer Zitelmann
18.02.2018, 17:44  |  5484   |   |   

Sahra Wagenknecht wird überall gerne eine Plattform als Kapitalismus-Kritikerin geboten. In einem ganzseitigen Interview in der WELT AM SONNTAG sieht man, wie sie die wirkliche Geschichte verdreht.

Die WAMS-Redakteure (Susanne Gaschke, Marcel Leubecher und Jacques Schuster) halten Wagenknecht im Interview die Erkenntnis der Totalitarismus-Theoretikerin Hannah Arendt entgegen, "dass alle ideologisch-politischen Bewegungen einen Gedanken gemeinsam haben: Dass Freiheit weder gut noch notwendig sei für den Menschen, und dass die Freiheit der historischen Entwicklung geopfert werden müsse. Trifft das auf Marx zu?"

"Marx kam aus dem Liberalismus"
Wagenknechts Antwort: "Nein, Marx kam aus dem Liberalismus. Sein Ansatz war, dass man den liberalen Gleichheitsanspruch ökonomisch untersetzen muss, weil er sonst nicht eingelöst wird." Sprachlich diffus ist die Formulierung, "Marx kam aus dem Liberalismus": Marx selbst war niemals in seinem Leben ein Liberaler und seine Theorie steht auch nicht in der Denktradition des Liberalismus. Marx entwickelte seine ökonomische Lehre gerade in Abgrenzung zu liberalen Theoretikern wie Adam Smith. Wagenknecht will offenbar sagen, dass Marx die Forderung der Liberalen nach Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz vollenden und fortführen wollte, indem durch Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln die Grundlagen für ökonomische Chancengleichheit und damit auch für die wahre politische Freiheit geschaffen werden sollten.

Marx hat den Liberalismus als politische "Überbau"-Ideologie des Kapitalismus geschmäht, sein Ziel war die Diktatur des Proletariats als Übergangsform zur klassenlosen Gesellschaft. Der Weg zum Reich der Freiheit sollte durch die Diktatur führen. Mit Liberalismus bzw. mit einer konsequenten Fortentwicklung liberaler Prinzipien, hat dies nicht das Geringste zu tun. Und es ist eben auch kein Zufall, dass in keinem einzigen der unzähligen Versuche in der Geschichte, die Marx'schen Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen, mehr Freiheit erreicht wurde, sondern dass überall - ohne Ausnahme - die politische Freiheit abgeschafft wurde. Wagenknecht, die Marx in dem Interview als "großartig tiefgründigen Wissenschaftler" preist, glaubt, dass alle Marxisten an der Regierung bislang Marx missverstanden hätten, und nur sie ihn richtig verstehe. Vielleicht ist sie aber nur die Geisterfahrerin auf der endlosen Straße des Sozialismus, die denkt, dass alle anderen falsch fahren.

Der Kapitalismus schafft Wohlstand, nicht der Sozialstaat
Der Kapitalismus hat in den letzten 200 Jahren zu einer enormen Zurückdrängung von Armut geführt und so viel Wohlstand geschaffen, wie kein anderes System in der Weltgeschichte. Wagenknecht leugnet das: "Dass der Wohlstand der großen Mehrheit der Bevölkerung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts kontinuierlich wuchs, war kein Ergebnis des Kapitalismus, sondern starker Sozialstaaten und guter Regeln am Arbeitsmarkt." Genau das ist nachweislich falsch.

Dort, wo der Sozialstaat am stärksten ausgebaut war, führte er in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu ökonomischer Ineffizienz, worunter gerade auch die Arbeiterschaft litt. Es gab in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zwei große Experimente mit dem "demokratischen Sozialismus" - in Großbritannien (50er-Jahre bis zum Regierungsantritt von Thatcher 1979) und in Schweden (70er- und 80er-Jahre). Nirgendwo war der Sozialstaat zu dieser Zeit so stark ausgebaut wie in diesen beiden Ländern. Nirgendwo war der Arbeitsmarkt so stark reguliert. Nirgendwo waren die Reichensteuern so hoch. Ein Paradies, ganz nach dem Geschmack von Sahra Wagenknecht. All das, was ihre Partei DIE LINKE fordert, war im "demokratischen Sozialismus" in Großbritannien und Schweden idealtypisch umgesetzt. Doch beide Versuche scheiterten grandios. Durch kapitalistische Reformen, Privatisierungen, Steuersenkungen und Deregulierungen, also all das, was aus Sicht von Wagenknecht Teufelszeug ist, wurden diese Länder in den 80er- bzw. den 90-er Jahren wieder wirtschaftlich stärker. Belege finden Sie sehr ausführlich in meinem neuen Buch "Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung".

Wagenknecht und China
Mehr Wohlstand wurde - entgegen der These von Wagenknecht - hingegen in jenen Ländern geschaffen, in denen der Einfluss des Staates zurückgedrängt und mehr Kapitalismus zugelassen wurde. Das beste Beispiel ist die Entwicklung in China in den letzten 30 Jahren, wo das Privateigentum wieder eingeführt und Stück für Stück mehr Kapitalismus implementiert wurde. In der Folge der Abkehr vom Sozialismus und der Zuwendung zu mehr Kapitalismus stiegen Hunderte Millionen Chinesen aus der Armut in die Mittelschicht auf. Wagenknecht distanziert sich von China und betont: "Die Entwicklung in China hat mit Marx nichts zu tun. Das Regime nennt sich kommunistisch, aber das System ist ein staatlich gesteuerter Kapitalismus."

Genau, (fast) richtig: Das chinesische System ist ein (staatlich zunehmend weniger gesteuerter) Kapitalismus, das umso erfolgreicher war, je mehr die Macht der Staatsbetriebe und der staatlichen Planung zurückgedrängt wurde und je mehr Raum dem Markt gelassen wurde. Der chinesische Ökonom Zhang Weiying hat diesen faszinierenden Prozess in seinem grandiosen Buch "The Logic of the Market" beschrieben: "China's reform startet wird an all-powerful government under the planned economy. The reason China could have sustained economic growth during the process of reform was because the government managed less and the proportion of state-owned enterprises decreased, not the other way around. It was precisely the relaxation of government control that brought about market prices, sole proprietorships, town and village enterprises, private enterprises, foreign enterprises, and other non-state-owned entities."

Mit Marx hat dieses System in der Tat nichts mehr zu tun. Wagenknecht kritisiert in dem Interview den "Manchesterkapitalismus" in China. Aber selbst der linke Ökonom Joseph Stiglitz muss zugeben: "In der gesamten bisherigen Geschichte ist noch kein Land so schnell gewachsen - und hat so viele Menschen aus der Armut befreit - wie China in den letzten dreißig Jahren." Während noch Ende der 50er-Jahre 45 Millionen Menschen in China als Folge einer durch sozialistische Experimente ausgelösten Hungersnot starben, hungert heute niemand mehr in China.

Wagenknechts ökonomische Kompetenz
Wagenknecht wird in den Medien als kompetente Ökonomin dargestellt. Aber daran sind erhebliche Zweifel erlaubt. Wagenknecht pries noch vor fünf Jahren in höchsten Tönen Venezuelas Hugo Chavéz, der den "Sozialismus im 21. Jahrhundert" verwirklichen wollte, als "großen Präsidenten", der mit seinem ganzen Leben für den "Kampf um Gerechtigkeit und Würde" gestanden habe. Chávez habe bewiesen, dass "ein anderes Wirtschaftsmodell möglich sei", so Wagenknecht. Dieses "andere Wirtschaftsmodell" von Chávez war der (vorerst) letzte in einer endlosen Reihe von Versuchen in den letzten 100 Jahren, eine Alternative zum Kapitalismus zu verwirklichen. Die Ergebnisse können wir heute bestaunen: Im erdölreichsten Land der Welt hungern die Menschen, Millionen sind schon ausgewandert und die Inflation ist so hoch wie nirgendwo sonst auf der Welt. Und mit der politischen Freiheit ist es auch nicht mehr weit her - das Parlament wurde entmachtet, über 120 Demonstranten wurden im vergangenen Jahr erschossen. Das war das Ergebnis des von Wagenknecht gepriesenen "anderen Wirtschaftsmodells".

Was Wagenknecht, der es um eine solche Alternative zum Kapitalismus geht, nicht verstehen will: ALLE diese Versuche sind gescheitert - ob nun der Hardcore-Sozialismus wie in der Sowjetunion, der DDR, China oder Nordkorea oder der "demokratische Sozialismus" wie in Schweden, Großbritannien und Chile. "Nichts zeugt mehr von Dummheit, als immer wieder die gleichen Dinge zu machen und andere Ergebnisse zu erwarten", hat Albert Einstein einmal gesagt. Da Wagenknecht zweifelsohne eine kluge Frau ist, habe ich die Hoffnung, dass auch sie irgendwann erkennt, dass der Sozialismus eben nicht eine gute Idee war, die in den letzten 100 Jahren zufälligerweise immer schlecht umgesetzt wurde, sondern dass die Idee selbst verkehrt ist. Und dass somit der Kapitalismus nicht das Problem ist, sondern die Lösung.

Mehr zur Kapitalismus-Kritik lesen Sie in Rainer Zitelmanns Buch, das nächsten Montag erscheint: Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung.

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Kommentare

Eine Teilnehmerin meines Kant-Seminars war mit einer Reisegruppe der CSU in China, Herr Zitelmann, aufgebrochen, um, wie Sie es beschreiben, den "Fortschritt" in diesem Land zu bewundern, so erwarteten sie es alle. Nun, Sie waren allesamt ENTSETZT, Herr Zitelmann! Dort gibt es keine KULTUR mehr. Ist auch nicht möglich, auch "HEIMAT" geht nicht mehr, FAMILIE nicht, FREUNDESKREIS nicht usw., was sonst alles uns lieb ist, ja Liebe selbst wohl nicht, sagen die Frauen! Dort sind nämlich - bis auf die Wohlhabenden - alle unterwegs, DAHIN - DORTHIN, wo's halt grad ARBEIT gibt, Herr Zitelmann. Community usw., alles nicht mehr möglich! Die REICHEN und banal SATTEN als KULTURINTERESSIERTE oder als INTERESSIERT AM INNEREN GLÜCK ALLER MENSCHEN, an deren GEISTIGER HÖHERENTWICKLUNG, an WACHSENDER INTELLIGENZ ALLER, wo denn, seit wann denn? Sie FÜRCHTEN gerade dieses, den eigentlichen Sinn und Zweck unseres Lebens, dieses Naturgesetz, diesen, so sagen es religiöse Menschen, göttlichen Willen der Evolution zu Besserem, das Wachsen an innerem Glücksempfinden, dauerhaftem, nicht strohfeuerhaft außenorientiert immer wieder wie rasend zu erneuerndem, ein ganzes Leben lang, Herr Zitelmann! High Life der Reichen, gespeist von banaler und überhaupt nicht zu sättigender Begehrlichkeit, rastlose Geilheit ihr Kennzeichen, letzlicher Verlust des Lebenssinnes haufenweise, durch Maßlosigkeit. Woher die hohe Selbstmordrate dieser "Glücksstrotzenden" überhaupt auf der Welt, und die niedrige bei einfach lebenden Menschen? Viel Geld als Glücksgarantie? Der "Segen" des Kapitalismus! Behalten Sie's, Herr Zitelmann! Ich mach' es besser!
Soweit mir bekannt ist haben die Kommunisten doch immer alles zu ihren Gunsten verdreht.Das ist doch deren Fachgebiet.Was anderes können die doch gar nicht.Bis zum heutigen Tage steht auf deren Fahnen
die Ausrottung des Kapitalismus und die Einführung der Weltherrschaft des Kommunismus.Um dieses Ziel zu erreichen würden die aber auch alles tun. Hauptsache es sieht nach demokratischen Anschein aus.Unsere Sara ,die Prinzessin der Kommunisten.
sehr geehrter herr zitelmann, mal wieder begehen sie dn fehler den alle marx-kritiker begehen, sie wollen den fakt um den es eigentlich geht nicht nennen oder kennen ihn nicht nicht - was ich stark annehme - und der lautet nun einmal, das der mehrwert einer ware die summe aus konstanten + varialen kapital + dem erziehlen mehrwert der ware auf em markt ist. das ist das ökonomische grungesetz des kapitelismus. und frau wagenkenecht meint genau das und nix anderes - aber leider kapieren das mal wieder die chaos-liberalisten der freien marktwirtschaft nicht - lieber werden schulden und schulden und noch mals schulden gemacht, als das sich dieses kaputte wirtschaftssystem dem gesetz des freien marktes beugt - denn dann würde über nacht dieses wirtschaftsystem noch schlimmer als am schwarzen freitag zusammenbrechen und sich selbst negieren. erfolg - diktaturen entstehen. suuuuper. und es ist nun einmal so, die reichen werden zur zeit immer reicher und die jenigen, die den karren aus dem dreck ziehen sind die, die für 2, 3, 4, ..8 euro pro stunde schuften gehen, die kleinunternehmer - die sich gegenseitig mit niedrigstangeboten unterbieten und wir deutschen sind da seit hartz 4 super drauf. nochmals - das was sie da von sich geben sind lauter nur schein- und nebelwurfgeschosse, aber keine fakten. dazu würde der platz hier leider nicht ausreichen. nur ganz kurz mal für sie zum nachdenken ... stellen sie sich vor, alle menschen dieser ach so liberalen welt haben die schnauze voll und wollen gar kein geld - selbst wenn sie es ihnen hinterherwerfen - sie wollen es nicht - und keiner macht mehr mit diesen geldgeilheitswahnsinn - der sich noch nicht mal an seine eigenen ökonomischen gesete hält - und dan wars das. dieser ach so tolle liberalismus - und die sogenannte freiheit dieses liberalismus heisst schlicht und ergreifend - verblödung - verdummung - sittenverfall - multikulti - hauptsache es wird konsumiert - und wenn man schon 20 schlüpper, 3 pcs , 50 socken, alles eigentlich ausreichend - dann muss der verblödende konsument unbedingt dzu gebracht werden doch noch mal 50 chlüpper zu kaufen etc, die er gar nicht will .. marx sagt klipp und klar - freiheit ist einsicht in die notwendigkeit - diese definition ist zwar auch nicht ganz mein ding - aber was ihre ach so dolle freiheit der planmäßigen verblödung durch liberalismus anbelangt - allemal besser, 1 + 1 ist und bleibt nun mal 2 und nicht wie sie hier versuchen weiss zu machen irgend was bei 1,1 bis 1,5 oder so. noch mal ... ihre kritik scheitert bereits in ansätzen weil sie - und das ist mal wieder diese beschissene dekadenz des westens exemplarisch aufweisen - keine ahnung von der eigentlichen materie der marxschen ökonomie besitzen - das dieses system im kern bereits eine fehlgeburt war und bleibt - und dafür bin ich der startrekreihe sogar dankbar, weil im dem treffen der generationen der käptn dann zur aufs schiff gebeamten ruby goldberg sagt , dass die zeit aus der er kommt nichts mehr mit der vefluchten profitheischigen gesellschaft des 21. jahrhunderts zu tun hat, sondern marx sein traum eigentlich wahrgeworden ist - jedr kann sich nach besten wissen und gewissen in die gemeinschaft einberingen und so die menschheit nach vorn bringen - einer für alle - alle für einen - wie bei den 3 musketieren. also hören se auf irgendwelchen stuss über etwas zu erzählen wovon sie im westen nun wirklich keinen ahnung haben - diese dekadenz ist aber leider auf den schauspielunterricht im westen zurückzufüheren. so richtig was gerissen hat dieses system nun wirklich nitt - ausser wenn der markt nicht da war - kriege vom stapel zu reissen - und stellen sie sich vor, es gibt genügend menschen die diesen schwachsinn des konsumierens bis über beide ohren satt haben. ..und wenn dann mal der nächsre komet hinnter der sonne vorgeschossen kommt - dann wars das mit ihrer freiheit des verblödungswahns - da will dann keiner mehr mitmachen - da will dann keiner mehr ihr beschissenes geld - die milliardäre können ja dann mal versuchen, ob se ihre zusammengerafften kröten noch fressen können - vielleicht auch zum heizen - aber als es darum ging die kröten locker zu machen, um damit der allgemeinheit was gutes angedeihen zu lassen - z. bsp. durch finanzierung bei forschung und entwicklung - in die kultur zu finanziren und nicht die konsumverblödung - da wurde immer noch der wettbewerb ausgrufen wer hat am meistn milliarden gescheffelt und die menscheit auagebeutet... und davon bin ich zutiefst überzeugt - wie es jesus sehr treffend gesagt hat - amen amen dass sage ich euch - eher geht ein kamel durchs nadelöhr als dass ein reicher ins reich gottes gelangt , und ...du narr - noch in dieser nacht werde ich dein leben von dir fordern ... finde ich toll - das ist die freiheit die mir meine eltern gegeben und geschenkt haben durch die taufe kurz nach meiner geburt , und die ich in der firmung erneurt habe. - mit dem versprechen, mich nicht verblöden zu lassen und meine frau und meine kinder vor dieser hinterlistigsten, hintefortzigsten und systemverblödungsintensivsten wolf in schafspelz gesellschaft zu schützen und dagen mit allen mitteln zu kämpfen, damit wir tatsächlich es mal schaffen, ohne egoisten auf dieser erde auszukommen. auch wenn es nur traum erst mal ist - dieses kaputte nichtsnützige gende von bourgeosie soll endlich dahin fahren wo sie hingehört - nähmlich zur hölle.

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