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US-Ausstieg aus dem Atomabkommen Stürzt Donald Trump den Ölmarkt ins Chaos?

09.05.2018, 13:55  |  16144   |   |   

Der US-Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran könnte den Ölmarkt ins Chaos stürzen. Am Mittwochmorgen kostete ein Barrel der Sorte Brent mehr als 77 US-Dollar. Die USA könnten indes zum größten Ölproduzenten der Welt aufsteigen.

Wegen des Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran sind die Ölpreise auf ein 3-Jahres-Hoch gestiegen, so Bloomberg. Am Mittwochmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 77,05 US-Dollar (Stand: 2018.09.05, 11:16:35 Uhr, Land & Schwarz). Im Jahr 2017 hatte ein Barrel derselben Sorte zeitweise weniger als 45 US-Dollar gekostet.

Am Dienstagabend kündigte die USA das Abkommen mit dem Iran auf und gab neue Sanktionen gegen das westasiatische Land bekannt. US-Präsident Donald Trump sagte: "Wir werden die höchste Stufe von Wirtschaftssanktionen einführen." Die Europäisch Union will unterdessen keine neuen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, da dies als gefährlich für die politische Stabilität des Nahen Osten angesehen wird, so die ARD.

Der Iran ist nach Saudi-Arabien und dem Irak der drittgrößte Ölexporteur der Gemeinschaft erdölexportierender Länder (OPEC). Die drei wichtigsten Abnehmer für iranisches Öl sind China, Indien und Korea. Aber auch europäische Staaten wie z. B. Spanien, Frankreich, Polen, die Niederlande und Griechenland sind wichtige Abnehmerländer. Es wird davon ausgegangen, dass China, Indien und die Türkei trotz der US-Sanktionen weiter Öl aus dem Iran importieren werden, so Bloomberg.


Quelle:Bloomberg

Experten gehen von deutlichen Preissteigerungen bei Öl aus. Giovanni Staunovo, Analyst bei UBS, sagte gegenüber Bloomberg: "Die Entscheidung wird wahrscheinlich die globale Ölversorgung bremsen und den Ölpreis unter Druck setzen.“ Die Nachfrage nach Erdöl ist wegen einer wachsenden Weltwirtschaft hoch, während das Angebot knapp ist. Im krisengeschüttelten Venezuela ist die Erdölförderung eingebrochen, außerdem gilt seit 2017 eine Fördergrenze der OPEC. Einige Analysten gehen deshalb von Preisen von bis zu 90 Dollar pro Barrel für die Sorte Brent aus, so der Spiegel.

Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen ist womöglich nicht nur Resultat außenpolitischer Überlegungen, sondern könnte auch wirtschaftliche Gründe haben. Die USA sind nämlich dabei zum größten Ölproduzenten der Welt aufzusteigen, so die Internationalen Energieagentur IEA. Steigende Ölpreise sind daher im Interesse der USA und durch die Sanktionen könnte ein ungeliebter Konkurrent wirtschaftlich geschädigt werden. Trumps Atom-Ausstieg kann deshalb als Teil seiner „America First” Außenpolitik gesehen werden.

Saudi-Arabien erklärte unterdessen die Bereitschaft zur Steigerung seiner Ölproduktion. Ein Vertreter des saudischen Energieministeriums sagte laut ntv dem amtlichen Nachrichtenagentur SPA: "Saudi-Arabien fühlt sich der Unterstützung stabiler Öl-Märkte zum Wohle von Produzenten und Verbrauchern sowie der Nachhaltigkeit des weltweiten Wachstums nach der Entscheidung verpflichtet."

Auch die deutschen Verbraucher werden durch den hohen Ölpreis belastet. Der Preis für Super Benzin (E5) lag am vergangenen Montag im bundesweiten Durchschnitt bei 1,459 Euro je Liter. Heizöl kostet im bundesweiten Durchschnitt rund 68 Euro für 100 Liter, so der Spiegel. Das sind 10 Euro mehr als noch vor drei Monaten.

Quellen:
ARD: „Geht der Ölpreis jetzt durch die Decke?“
Bloomberg: „Oil Rises as Trump Tells Buyers to Cut Back on Iranian Crude“
IEA: „Commentary: Quality vs Quantity – Are global refiners ready for US shale exports?“
Spiegel Online: „Ölpreis steigt - Saudi-Arabien will Markt stützen“
ntv: „Mehr Opec-Öl nach Ende des Atomdeals?“

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Kommentare

Ich weiß jemanden, der steigende Ölpreise begrüßen würde; ausgerechnet seinem größten Widersacher tut Klein-Donald damit einen Gefallen. Und ob ein steigender Ölpreis den USA wirklich hilft, ist auch noch nicht ausgemacht; Fracking ist teuer und nicht besonders nachhaltig, das Zeug muss transportiert werden und es gibt weltweit sehr viele Ölexporteure mit teils großem Förderpotential und eingespielter Logistik. Möglicherweise geht der Schuss nach hinten los...

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