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Worauf Anleger, die schneller steigende Zinsen erwarten, jetzt setzen sollten

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
16.05.2018, 08:41  |  624   |   |   

Vermehrt sprechen Experten von der Möglichkeit, dass die Zinsen über die nächsten Quartale schneller als allgemein erwartet steigen könnten. Wer das für möglich hält, sollte jetzt die richtigen Schlüsse ziehen und sich entsprechend positionieren.

Darum könnten die Zinsen abheben

Für die meisten Marktbeobachter ist es eine ausgemachte Sache, dass die US-Zentralbank schrittweise das Zinsniveau anheben wird, um irgendwann wieder zur geldpolitischen Normalität zurückzukehren. Europa und die meisten anderen bedeutenden Wirtschaftsräume würden – teilweise mit Verzögerung – ähnlich verfahren.

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Man sollte aber keinesfalls ausschließen, dass in diese kontrolliert wirkenden Vorgänge etwas mehr Turbulenz hineinkommen wird. Aber genauso wichtig wie die Frage, ob die Zinswende Fahrt aufnimmt, erscheint mir zunächst das Warum. Schließlich gibt es mindestens zwei Ursachen dafür.

Erstens werden die Sätze angehoben, um einer drohenden Überhitzung der Konjunktur samt schwer kontrollierbarer Inflation vorzubeugen. Kredite werden dann vorsichtiger in Anspruch genommen, die Investitionstätigkeit geht zurück und die Lage kühlt sich ab.

Jamie Dimon von JPMorgan Chase glaubt, dass in den USA eine beschleunigte Zinsentwicklung auf 4 % einsetzen könnte, mit schwer kalkulierbaren Folgen für die Finanzmärkte. Im vollbeschäftigten Deutschland befinden wir uns in einer ähnlichen Situation, was die Konjunktur angeht, wobei die EZB aber natürlich das gesamte Euroland im Blick haben muss. Wo zerrüttete Staatsfinanzen anzutreffen sind, kommt ein weiterer Fall ins Spiel.

Zweitens steigen die Zinsen nämlich auch beschleunigt, wenn es einen Vertrauensverlust in die Währung gibt, mit der Folge, dass Staatsanleihen nur noch schwer refinanziert werden können. Am Sekundärmarkt, wo bereits ausgegebene Papiere gehandelt werden, steigen dann die Renditen und die Zentralbank kann nicht anders als nachzuziehen.

Im Moment durchlebt beispielsweise Argentinien diesen Fall. Das Land schien nach dem Zurücklassen der Kirchner-Regierungen mit dem seit 2015 regierenden Präsidenten Mauricio Macri eigentlich wieder an Stabilität zu gewinnen. Aber unerwartet hohe Kapitalabflüsse zwangen die dortige Zentralbank Anfang Mai zu surreal hohen Leitzinsen von 40 % und einem erneuten Bittgang zum Internationalen Währungsfonds.

So schnell kann es also gehen. Wenn ich die hohe Verschuldung der USA und deren ziemlich unverantwortliche Fiskalpolitik anschaue, dann mag ich auch dort nichts grundsätzlich ausschließen.

Was Anleger beachten müssen

Wenn Wirtschaft und Währung straucheln und Zinsanhebungen erzwingen, dann geht es mit fast allen Anlageklassen bergab, egal ob Aktien, Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe. Dann gewinnen vor allem diejenigen, welche mit entsprechenden Instrumenten (Optionen, Futures und Derivate) dagegen gewettet haben. Auch wer noch festverzinsliche Kredite in Lokalwährung abzuzahlen hat, kann sich eventuell freuen, falls die Geldentwertung einsetzt. Von diesem Effekt könnten auch Unternehmen aus wenig konjunktursensiblen Branchen (z.B. Versorger, Pharma) etwas profitieren, aber setzen würde ich darauf nicht.

Komplizierter ist die Analyse, wenn die Zentralbanken die Schrauben anziehen, um eine etwaige Blasenbildung einzudämmen, so wie Jamie Dimon es erwartet. Schließlich passiert dies ja genau deshalb, weil die Wirtschaft so blendend läuft, wovon Rohstoffe und auch viele Aktien profitieren sollten.

Ein Problem ist allerdings, dass bei der Aktienbewertung das Zinsniveau einen wichtigen Faktor darstellt. Zukünftige Gewinne werden dann in der Kalkulation stärker abgezinst. Schon 1 Prozentpunkt beim Zins macht dann schnell 10 bis 15 % beim als fair erachteten Kurs aus. Zudem bekommt die Dividendenrendite dann wieder stärkere Konkurrenz von der als grundsätzlich sicherer geltenden Anleiherendite.

Auch bei Immobilien wirken gegenläufige Effekte: Erhöhten Finanzierungskosten stehen erhöhte Mieteinnahmen gegenüber. Was festverzinsliche Anleihen angeht, sind Kurseinbrüche fast sicher. Wer hingegen Papiere mit variablem Zinssatz gekauft hat, kann sich im beschriebenen Szenario über schneller steigende Zinsen freuen. Bei Aktien wiederum ist alles möglich.

Welche Aktien zu den Gewinnern zählen könnten

Vorsicht angesagt ist bei hochverschuldeten Unternehmen mit einem schlechten Zinsdeckungsgrad (Gewinn im Verhältnis zu den Zinslasten). Diese könnten ins Straucheln geraten, wenn die Refinanzierung erheblich teurer wird. Allgemeiner betrachtet sind jedwede investitionsintensive Geschäftsmodelle im Umfeld schnell steigender Zinsen kritisch zu sehen, egal ob es um Windparks, Infrastruktur, Gewerbeimmobilien oder Halbleiterfabriken geht.

Umgekehrt betrachtet sind schlanke Geschäftsmodelle, die sich flexibel an neue Gegebenheiten anpassen können, natürlich im Vorteil. Dazu gehören Software-Firmen wie SAP (WKN:716460), Dienstleister wie Bertrandt (WKN:523280) oder Internethändler wie Zalando (WKN:ZAL111).

Zu den Gewinnern könnten auch die Banken zählen, die lange Zeit unter den Minizinsen gelitten haben. Im klassischen Spar- und Kreditgeschäft lassen sich dann wieder vernünftige Margen generieren, weshalb die Commerzbank (WKN:CBK100)-Aktie voraussichtlich profitieren würde.

Mit guter Vorbereitung kann man sich wappnen

Wenn du glaubst, dass nun eine Zinswelle auf uns zurollen könnte, dann bringt dich der bequeme Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) kaum weiter. Vielmehr sind die Sensitivität des Geschäftsmodells bezüglich Zins und Konjunktur sowie die Schuldenstruktur entscheidend.

Während die Verlierer recht schnell identifiziert sind, sind bei potenziellen Gewinnern auch mögliche Gefahren zu berücksichtigen. Kommt es nämlich zu arg, dann ist mit allerlei negativen Effekten zu rechnen, von rapide ansteigenden Konkursfällen bis hin zu einem Abwürgen der Konjunktur. Man muss also schon etwas Vertrauen mitbringen, dass die Zentralbänker nicht überreagieren und die Staatsfinanzen unter Kontrolle bleiben.

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