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Kommentar Ferdinand Dudenhöffer Wie Volkswagen Tesla kopiert – "Merkels Strategie ist falsch"

Gastautor: w:o Gastbeitrag
25.10.2018, 16:22  |  17221   |   |   

Die Strategie von VW, im Joint Venture mit SK Innovation in eine Zellproduktion zu investieren, ist sinnvoll. Im Prinzip ist das die Kopie des Tesla-Ansatzes, die ja gemeinsam mit Panasonic die Gigafactory gebaut haben. Das Joint Venture nutzt dabei das große Knowhow der Zellfertigung von SK Innovation und sichert sich auf der anderen Seite durch die Investition bzw. das Joint Venture die Versorgung.

Gleichzeitig zeigt sich damit, dass die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und der EU-Kommission, eine eigene europäische Zellherstellung aufzubauen, eher Makulatur werden. Wir sollten uns in Europa auf das konzentrieren, was wir können – etwa Kathodenmaterial, wie die BASF es plant, herzustellen – und nicht der Anlagen- und Automatisierungstechnik der Koreaner, Japaner und Chinesen hinterherlaufen. Da wird man nur zum Verlierer. Der VW-Konzern zeigt, dass er strategisch mit den Batteriezellen gut unterwegs ist, ohne das Rad selbst mit hohem Risiko nochmals eigenständig zu erfinden.

Ein etwas anderer Ansatz, aber ebenso strategisch brillant, ist der BMW Ansatz, bei dem man mit einem eigenen Kompetenzzentrum die Zelle "beherrscht", aber die großen Skalenvorteile und Volumenvorteile der Batterie-Champions aus Asien nutzt. Bei BMW hat man den Wettbewerb der Champions, bei VW die Absicherung. Beides sind Ansätze mit Vor – und Nachteilen. Beim VW-Ansatz bindet man sich eben stark an SK und hat damit weniger Spielraum, mögliche Durchbruchstechnologien von anderen Wettbewerbern nutzen zu können, auf der anderen Seite kauft man sich "Versorgungssicherheit".

Die VW-Entscheidung, aber auch die BMW-Strategie, sollte für die Bundesregierung zu einer neuen Abwägungsentscheidung genommen werden. Beide Unternehmensentscheidungen sagen uns, dass es besser ist, die Steuermilliarden nicht in eine eigene Zellfertigung – eines möglicherweise staatlichen oder halbstaatlichen Unternehmens - zu stecken, sondern dort seine Wettbewerbsvorteile zu finden, wo man Stärken hat. Das macht die BASF im Materialbereich, das können wir im Anodenbereich und Elektrolyten mit Forschungsfeldern hervorragend abdecken, die dann in entsprechende Industrialisierungen münden.

Also, die VW-Entscheidung sollte die Kanzlerin zu einem Nachdenkprozess bewegen. Der bisher eingeschlagene Strategiekurs der Bundesregierung und EU ist durch die VW-Entscheidung in Frage gestellt und damit falsch.

Autor: Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, CAR-Center Automotive Research, Universität Duisburg-Essen.

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