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Dialog-Semiconductor-Aktie: Triumph der Gläubigen

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
02.11.2018, 10:40  |  759   |   |   

Der gefallene Star ist zurück auf der Bühne. Der Aktienwert von Dialog Semiconductor (WKN:927200) hat sich innerhalb von wenigen Monaten verdoppelt. Nach der Vorlage der Quartalszahlen und den umfassenden Präsentationen des Kapitalmarkttages wird es Zeit für eine Neubewertung.

Droht nun ein Rückschlag oder kann vielmehr ein Ausbruch über die Marke von 50 Euro ins Visier genommen werden? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Lies hier, warum ich der Aktie treu bleibe.

Die außergewöhnliche Achterbahnfahrt geht weiter

Ich hatte die Dialog-Aktie schon sehr lange auf meiner Watchlist und war froh, dass ich Ende 2017 nach den ersten Gerüchten rund um einen möglichen Absprung von Hauptkunde Apple (WKN:865985) zum halben Preis einsteigen konnte. Dass sich der Kurs in der Folge noch einmal fast halbierte, konnte ich kaum glauben. Schließlich wusste ich um die hohe Profitabilität, die Schuldenfreiheit, die hohen Bargeldbestände und die aussichtsreichen Wachstumsplattformen.

Offenbar dachten viele Anleger, dass Apple bei Dialog per Knopfdruck das Licht ausknipsen könnte, und misstrauten den Aussagen des Managements, dass die langfristige Partnerschaft mit Apple Bestand haben würde. Heute wissen wir, dass die beiden nur zum Teil getrennte Wege gehen werden und dass Dialog fürstlich dafür bezahlt wird, Apple seine einzigartige Power-Management-Chiptechnologie zu überlassen.

Da zudem die Quartalszahlen insgesamt sehr überzeugt haben, legte der Aktienkurs in den letzten Tagen den Turbo ein und liegt mittlerweile wieder bei rund 25 Euro und damit deutlich über meinem ursprünglichen Einstiegsniveau. Wer an das Unternehmen geglaubt und bei Tiefstkursen zugegriffen hat, der kann sich über eine noch viel größere Rendite freuen. Die Frage ist nun, ob das Potenzial damit bereits ausgereizt ist.

Was Aktionäre jetzt wissen müssen

Nicht alles ist rosig

In all der Euphorie sind mir auch ein paar Dinge aufgefallen, die nicht so perfekt sind. So ist beispielsweise aus einer Reihe von Wachstumsplattformen, die ich früher einmal positiv eingeschätzt habe, nicht viel geworden. Die Internet-der-Dinge-Partnerschaft mit Bosch war beispielsweise wohl eher ein kleinerer Entwicklungsauftrag für deren programmierbare Sensorplattform XDK.

Auch aus der Kundendiversifizierung bei den Power-Management-Chips ist nichts Substanzielles entstanden. Das sah zwischenzeitlich für mich so aus, als ob Dialog gut im Geschäft mit diversen chinesischen Herstellern sei. Aber dort geht es wohl eher um weniger lukrative Chips für das Lademanagement oder stromsparende Bluetooth-Konnektivität. Neue Produkte wie etwa LED-Treiber-Chips brachten es ebenfalls nicht, zuletzt wurden dort rückläufige Umsätze gemeldet.

Zudem verzögert sich die Markteinführung der potenziell revolutionären drahtlosen WattUp-Ladetechnik von Partner Energous (WKN:A110V4) immer weiter. Noch hat sich kein bedeutender Hersteller zu dieser Technologie bekannt. Immerhin wollen drei wenig bekannte Kunden „bald“ erste kommerzielle Produkte anbieten. Bei Dialogs Wachstumsstrategie spielt die Technik jedenfalls im Moment eher eine Nebenrolle.

Überrascht war ich insgesamt, dass das Dialog-Management immer noch einen Umsatzanteil von 75 % für Apple angibt. Nach den kleineren Zukäufen und den zahlreichen strategischen Partnerschaften war ich davon ausgegangen, dass das Unternehmen schon mehr fassbare Erfolge bei seiner Diversifizierungsstrategie vorweisen könnte.

Was mich trotzdem positiv stimmt

Auch wenn die harten Umsatzzahlen einen anderen Eindruck vermitteln: Die internationalen Vertriebsstrukturen wurden erheblich verstärkt und die Anzahl der aktiven Kunden wurde seit 2016 auf über 700 verdoppelt. Zudem stehen viele Anwendungsfelder, die Dialog nun verstärkt ins Visier nimmt, vor großem Wachstum, egal ob es um smarte Dinge, vernetzte Elektronikgeräte oder immer intelligentere Autos geht.

Dialog hat auf diesen Gebieten konsequent Know-how aufgebaut und ein paar Perlen im Angebot, die sich noch entfalten müssen. Die Marktvorbereitung läuft auf Hochtouren und sollte früher oder später zu steigenden Neuaufträgen führen. Denn klar ist, dass viele der spannendsten Konsumelektronikanwendungen erst durch die stromsparenden und hoch integrierten Lösungen des Halbleiterunternehmens realisierbar werden. Schließlich sind die Batterielaufzeit und Schnellladefähigkeit weiterhin ein entscheidendes Kaufkriterium.

Auch wenn erneut nicht jede Wachstumschance zünden wird, so sind es doch so viele, dass ich Dialog weiterhin in der Wachstumsspur sehe – wohlgemerkt bereinigt um das abgegebene Apple-Geschäft, das aktuell mehr als die Hälfte ausmacht.

Das Management selbst gibt sich überzeugt, dass das restliche Apple-Geschäft jährlich um ein Drittel gesteigert werden kann, sodass Apple zukünftig erneut für bis zu 40 % der Umsätze stehen würde. Gleichzeitig sollen die Umsätze auf neuen Anwendungsfeldern um mindestens 10 % pro Jahr gesteigert werden, was für mich recht konservativ geschätzt wirkt. Daneben sollen neue strategische Wachstumsinitiativen, einschließlich Übernahmen, dafür sorgen, dass Dialog seine jetzige Größe trotz Apple-Deal mindestens halten kann.

Neues Wachstum für Unternehmen und Aktie

Das Geld dafür ist da. Das angekündigte neue Aktienrückkaufprogramm kann aus dem laufenden operativen Cashflow finanziert werden, sodass mehrere Hundert Millionen Euro Barmittel in Zukäufe oder spannende Projekte investiert werden könnten, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Wichtig zu wissen ist auch, dass das Management auf lange Sicht mit gleichbleibend hohen Bruttomargen von über 47 % rechnet.

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