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Weckruf für die Bullen

Gastautor: Sven Weisenhaus
04.12.2018, 10:39  |  1037   |   |   

Sehr verehrte Lesrinnen und Leser,

das Wetter scheint in diesem Jahr viel durcheinandergebracht zu haben: die Natur, die Benzinpreise und nun auch noch die Bullen. Diese halten wohl schon Winterschlaf – was zum einen generell sehr ungewöhnlich wäre, zum anderen, weil bis in den November noch frühsommerliche Temperaturen herrschten. Aber womöglich gibt es für die Bullen bald einen Weckruf.

Was die Bullen jetzt aufwecken sollte

Von der Jahresendrally ist jedenfalls bisher nichts zu sehen. Weder das erfreuliche Ergebnis des Thanksgiving-Einkaufswochenendes (siehe Börse-Intern vom 26.11.2018) noch die überraschende Äußerung von Fed-Chef Powell in der Vorwoche (siehe Börse-Intern vom 29.11.2018) haben bisher die seit Oktober laufende Korrektur beendet.

Immerhin legten die Kurse der US-Indizes seit ihrem Tief am 23. November deutlich und zu. Und damit eröffnet sich eine Aussicht auf eine mittelfristige Wendeformation. Am prägnantesten ist diese im S&P 500 zu erkennen:

S&P500, Tageschart, seit Anfang 2018

Sie sehen hier die Formation in nahezu idealer Ausprägung. Am markantesten ist die unglaubliche Symmetrie des W (gelbe Linien), die lediglich durch dadurch minimal gestört wird, dass das linke Tief etwas tiefer liegt. Das wiederum ist jedoch ein sehr häufiges Merkmal einer solchen W-Formation.

Die Merkmale der W-Formation

Ein weiteres, absolut notwendiges Merkmal einer W-Formation ist der Volumenanstieg in den Tiefs (siehe violette Bögen). Auch dieser ist fast ideal, und zwar ist er im linken Tief höher als im rechten, was zusammen mit den tieferen Kursen der linken Seite sehr schön den Stimmungsumschwung charakterisiert – von Angst zu (relativer) Gelassenheit.

Im aktuellen Fall müssen wir am Volumenanstieg im rechten Tief allerdings ein paar Abstriche machen, denn dieses Tief bildete sich ausgerechnet am Freitag des Thanksgiving-Wochenendes, an dem nur ein verkürzter und damit schwacher Handel stattfindet. Aber der Volumenanstieg im Vorfeld der Bildung dieses Tiefs ist klar erkennbar.

Der Unterschied zwischen W-Formation und Doppelboden

Für die charttechnisch Interessierten: Ich nenne die Formation bewusst W-Formation und nicht Doppelboden. Beide Formationen sind sehr ähnlich haben einen entscheidenden Unterschied: Ein klassischer Doppelboden ist eine übergeordnete Trendwendeformation nach einem langen Abwärtstrend. Sie bildet sich in der Regel über mehrere Monate aus (ähnlich wie die Top-Formation im DAX).

Die aktuelle W-Formation im S&P 500 (und den anderen US-Indizes) ist jedoch nur Teil der relativ kurzen Korrektur seit Oktober. Folglich entstand sie auch viele schneller. Im Rahmen dieser Korrektur zeigt sie also keinen Trendwechsel an, sondern eine mögliche Wiederaufnahme des vorherigen Aufwärtstrends. Sie ist also so gesehen formal eine Fortsetzungsformation.

Nun könnten Sie fragen: Welcher Aufwärtstrend? Schließlich sah zuletzt auch in den US-Indizes alles nach einer Seitwärtsbewegung aus, die auch aus fundamentaler Sicht angemessen wäre, wie wir hier schon mehrfach betont haben.

Es gibt sogar noch einen Aufwärtstrend!

Aber es gibt noch einen letzten möglichen Aufwärtstrend – schließlich haben sich im Jahresverlauf trotz aller Rückschläge immer noch höhere Tiefs im S&P 500 gebildet. Und dieser Aufwärtstrend hat sogar einige markante Bestätigungspunkte (siehe blaue Kreise im folgenden Chart).

S&P500, Tageschart, seit Anfang 2018 (2)

Und selbst die Tiefs vom Oktober und November kann man in gewisser Weise als Bestätigung dieses Trends ansehen, denn es gab im Wesentlichen nur Intraday-Fehlausbrüche daraus.

Dieser Trend könnte zusammen mit der W-Formation die Bullen aus ihrem verfrühten und saisonal unpassenden Winterschlaf reißen. Selbst ein erstes Wecksignal erkennen wir schon: Am Freitag brach der Kurs über die rote Abwärtslinie aus – nachdem der Kurs am Donnerstag noch an dieser Linie scheiterte. Damit ging auch ein deutlicher Volumenimpuls einher, der dieses bullishe Signal unterstreicht.

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