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Scheinheilige Milliardäre SAP-Gründer Hopp würde 80% Steuern zahlen

Gastautor: Rainer Zitelmann
10.03.2019, 08:47  |  2576   |   |   

Das Vermögen von Dietmar Hopp ist laut Forbes allein in den vergangenen zwölf Monaten um 3,2 Milliarden Dollar gestiegen. Jetzt erklärt er, dass er auch in Deutschland bleiben würde, wenn er 80 Prozent Steuern zahlen müsste. Warum dies scheinheilig ist:

 

Für SAP-Mitgründer Dietmar Hopp, der mit einem geschätzten Vermögen von 13,4 Mrd. Dollar zu den zehn reichsten Deutschen gehört, wären höhere Steuern für Reiche kein Grund für einen Umzug ins Ausland. „Ich würde hierbleiben, auch wenn ich 80 Prozent Steuern zahlen müsste“, sagte Hopp in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Auf die Frage, ob der Grund dafür Heimatliebe ist, antwortete er: „Klar. Wer hat die nicht?“ Allerdings halte er nichts davon, wenn der Staat den Reichen mehr Geld abnimmt, um es umzuverteilen. „Erstens hätte ich dann weniger Geld für meine Stiftung. Und zweitens würden die anderen Reichen dann vermutlich alle abtauchen. Da hat doch keiner Hemmungen, nach Monaco zu ziehen.“

 

1972 hatte Hopp mit vier IBM-Kollegen das Softwareunternehmen SAP gegründet. Einen Großteil seiner SAP-Aktien brachte Hopp 1995 in die nach ihm benannte Stiftung ein. Sie fördert Projekte in den Bereichen Jugendsport, Medizin, Soziales und Bildung. Rund 700 Millionen Euro seien seitdem in gemeinnützige Projekte geflossen, sagte Hopp. „Ich habe so viel Geld, das mir die Gesellschaft ermöglicht hat. Ich will etwas zurückgeben“, so Hopp. „Und ich weiß nicht, warum nicht mehr Leute so denken wie ich.“

 

Milliardäre, die gerne mehr Steuern zahlen…

 

Es gibt immer mal wieder einen Milliardär, der öffentlichkeitswirksam verkündet, er wäre bereit, deutlich höhere Steuern zu zahlen. Manche, so etwa George Soros, fordern – anders als Hopp – sogar, dass alle Reichen deutlich stärker zur Kasse gebeten sollten. Medien berichten gerne darüber. Warum? Es gibt eine alte Journalistenregel, die jeder Journalist auf der Journalistenschule lernt: „Hund beißt Briefträger ist keine Nachricht, Briefträger beißt Hund ist eine Nachricht.“ Klar: Medien berichten eher über das Außergewöhnliche als über das Normale. Sie berichten auf der Titelseite über ein abgestürztes Flugzeug, aber die zehntausenden Flugzeuge, die heil landen, sind keine Meldung wert.

 

Für Politiker wie Sahra Wagenknecht und andere Umverteiler sind Milliardäre, die mehr Steuern zahlen wollen, stets gern zitierte Kronzeugen. Sie argumentieren: Wenn Leute wie Hopp trotz 80% Steuersatz in Deutschland bleiben würden, wenn andere Milliardäre sogar dafür eintreten, die Steuern massiv zu erhöhen – warum sollte man es dann nicht einfach tun?

 

Milliardäre wie Soros fordern öffentlich, dass sie stärker zur Kasse gebeten werden sollten, aber sie wissen, dass dies bestimmt nicht nur deshalb geschieht, weil sie es fordern. Sie fordern dies also, ohne negative Konsequenzen für ihr Vermögen befürchten zu müssen, sammeln damit aber Pluspunkte bei Medien und linken Antikapitalisten. Immerhin ist Hopp klüger als Leute wie Soros, denn obwohl er behauptet, auch bei einem Steuersatz von 80% würde er aus Heimatliebe in Deutschland bleiben, weiß er, dass dies natürlich kaum ein Milliardär tun würde und spricht sich daher gegen solch exorbitante Steuern aus.

 

Scheinheilige Milliardäre

 

Hopp hat selbst in den 90er-Jahren massiv in steuersparende Kapitalanlagen investiert, und zwar in Immobilien in Berlin und den neuen Bundesländern, für die es nach dem Fördergebietsgesetz Ost eine Sonderabschreibung von bis zu 50 Prozent gab. So war er einer der wichtigsten Geldgeber seines Geschäftsfreundes Egon Banghard, der allerdings später wegen Kapitalanlagebetruges ins Gefängnis musste. https://www.welt.de/print-welt/article357872/Auf-den-Namen-Banghard-gi ...

 

Klug waren diese Investments von Hopp ganz bestimmt nicht, aber sie waren legal. Reiche wie Hopp taten genau das, was die Politik mit dem Fördergebietsgesetz erreichen wollte: Sie investierten in Ostimmobilien, was wiederum dringend notwendig war, da der Sozialismus in der DDR eine große Wohnungsnot erzeugt hatte. Insgesamt wurden in den 90er-Jahren mithilfe dieser steuerlichen Förderungen 838.638 Wohnungen in den neuen Bundesländern und Ost-Berlin fertig gestellt. Die Kosten beliefen sich auf 84 Milliarden Euro.

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1 Kommentare

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Kommentare

Der Vergleich mit Soros ist ein wenig ehrabschneidend. Soros zahlte in der Vergangenheit fast gar keine Steuern:
https://www.rt.com/business/409738-soros-taxes-wealthy-ameri…

Tatsaechlich braucht die Welt keine Milliardaere. Oligarchen sind zu einer der groessten Gefahrten fuer Demokratie und Frieden geworden, bzw. haben Oligarchien die Demokratie nun vielerorts verdraengt.

Man sollte die unfassbaren Vermoegen, die vor allem als Folge der viel-zu-niedrig Zinsen als Windfall-Profit entstanden wieder einfangen, indem man weltweit individuelles Vermoegen auf, sagen wir, ein paar 10 Millionen Dollar beschraenkt.

Mehr braucht kein Mensch.

Damit entfaellt die Moeglichkeit fuer einzelne, die Politik ganzer Staaten zu bestimmen, gleichzeitig liesse sich z.B. durch Veraeusserung der eingezogenen Sachwerte oder Unternehmen an der Boerse die Schuldenlast weltweit erheblich reduzieren.

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