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Diesel-Skandal: Was die Daimler-Gewinnwarnung für Mercedes-Besitzer bedeutet

Gastautor: Roland Klaus
16.07.2019, 21:32  |  1531   |   |   

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen hat Daimler die Finanzmärkte mit einer Gewinnwarnung geschockt. Rund 1,6 Milliarden Euro werden zusätzlich für Risiken aus dem Diesel-Skandal zurückgestellt. Kein Wunder: Immer mehr Gerichte entscheiden bei Schadensersatzklagen zugunsten der Diesel-Besitzer. Auch Euro 6 Fahrzeuge sind betroffen. Verbraucher sollten ihre Chance nutzen.

Daimler gerät im Diesel-Skandal immer mehr in die Defensive. Mehrere Gerichte haben die Stuttgarter verurteilt, manipulierte Diesel der Marke Mercedes Benz zurückzunehmen. Nun droht dem Unternehmen eine Klagewelle. Die ersten verbraucherfreundlichen Gerichtsurteile wurden von Daimler noch als Einzelfälle abgetan: Als das OLG Karlsruhe im Mai gleich in drei Verfahren den Besitzern von manipulierten Mercedes Benz Diesel recht gab, versuchte die Konzernzentrale in Stuttgart noch zu beruhigen.

Doch nun mehren sich die Urteile, die Diesel-Fahrern die Möglichkeit geben, ihre Fahrzeuge zu äußerst günstigen Konditionen bei Mercedes wieder auf den Hof zu stellen. Alleine in den vergangenen Tagen gab es zwei interessante Urteile: Das LG Stuttgart (Az: 23 O 220/18) verurteilte Daimler zur Rücknahme eines Mercedes Benz ML 250 Bluetec 4 Matic. Das ist ein Fahrzeug der Abgasnorm Euro 6 – also eigentlich eines der moderneren aus dem Diesel-Bereich.

Doch auch dieses Fahrzeug – ausgestattet mit dem Motor OM 651 – verfügt nach Ansicht des Gerichts gleich über mehrere unzulässige Abschalteinrichtungen der Abgasreinigung. Dafür spreche auch, dass das Auto von einem Rückruf des Kraftfahr-Bundesamts (KBA) betroffen ist. Nachdem der Bundesgerichtshof Anfang 2019 eine solche unerlaubte Abschalteinrichtung als „Sachmangel“ eingestuft hat, ist der Weg frei für Verbraucher zur Rückgabe solcher Autos. Alternativ können sie auch Schadensersatz von den Herstellern fordern.

So lief es auch im zweiten, aktuellen Gerichtsurteil gegen Daimler: Dort hat das Landgericht Mönchengladbach (Az.: 1 O 248/18) dem Besitzer eines Mercedes Benz C220 d T das Recht zugesprochen, sein Fahrzeug zurückzugeben. Auch er erhält seinen Kaufpreis zurück – sogar zuzüglich Zinsen. Für die gefahrenen Kilometer muss der Käufer einen moderaten Nutzungsersatz bezahlen.

Auch hier handelt es sich um einen Diesel der Euro 6 Norm mit dem Motor OM 651. Für dieses Fahrzeug gab es bisher noch keinen Rückruf des KBA. Dennoch zeigte sich das Gericht überzeugt, dass auch hier eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut wurde, die den Kunden zur Rückgabe berechtigt.

Hier können Sie kostenlos und unverbindlich prüfen lassen, ob auch Sie Anspruch auf Schadensersatz oder Rückgabe des Fahrzeugs haben.

Diese Beispiele zeigen: Auch zahlreiche neuere Diesel der Euro 6 Norm sind so massiv manipuliert, dass ihre Besitzer sehr gute Chancen auf die Rückgabe der Fahrzeuge oder auf Schadensersatz haben. So gesehen, ist die jüngste Gewinnwarnung der Daimler AG ein klares Eingeständnis: Ja, wir werden zahlreiche unserer Diesel-Kunden entschädigen müssen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Auto als Neuwagen oder gebraucht gekauft wurde. Voraussetzung ist jedoch, dass der Kunde bereit ist, den Rechtsweg zu gehen.

Neben Daimler / Mercedes kassiert derzeit auch der VW-Konzern mit seinen Marken Volkswagen, Audi, Skoda und Seat derzeit eine Niederlage vor Gericht nach der anderen. Umso brisanter ist, dass VW-Chef Herbert Diess jüngst in der Talkshow „Markus Lanz“ offen zugab: „Das, was wir gemacht haben, war Betrug.“ Diese Aussage dürfte zwar seinen Hausjuristen die Haare zu Berge stehen lassen – aber sie entspricht wohl der Wahrheit. Und sie dürfte auch bei allen folgenden Verfahren die Verteidigungsstrategie von Volkswagen massiv erschweren – denn dort behauptet VW das Gegenteil.

Inzwischen können Verbraucher bei solchen Klagen auch das Kostenrisiko umgehen, wenn sie das möchten. Entweder haben sie eine Rechtsschutzversicherung, die die Kosten übernimmt. Oder sie greifen auf einen Prozessfinanzierer zurück. Dieser streckt die Kosten für Anwalt und Gericht vor – der Kunde zahlt lediglich dann ein Erfolgshonorar, wenn er den Fall gewinnt.

Besitzer eines Diesel-Fahrzeugs sollten zunächst prüfen lassen, wie ihre Chancen auf eine Rückgabe des Autos oder die Zahlung von Schadensersatz sind. Häufig lässt sich bei geschickter Verhandlung durch den Anwalt auch ein Gerichtsverfahren umgehen und ein Vergleich mit dem Hersteller erzielen. Erster Ansprechpartner für eine Prüfung der Ansprüche sollte ein spezialisierter Anwalt sein. Kostenlos und unverbindlich ist eine solche Prüfung beispielsweise bei der Interessengemeinschaft Widerruf möglich.

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Kommentare

Zitat von GolfR1984: Das hat ein sehr bekannter Lungen Professor schon gesagt das keinerlei Schäden durch den co2 Feinstaub passieren, da passiert eine Übersäuerung der lungenschleimhaut, übersäuerung sind wir gewohnt, passiert Zb bei jedem Milchprodukt die einzigsten wo es merken sind die wo selten in so Regionen sind weil der Körper sich dann nicht anpassen kann 😉


Zweimal daneben.

Meiner Erinnerung nach sprach der Lungen Professor zu Stickoxiden. Das soll relativ unbedenklich sein.

CO2 ist ohnehin ungiftig - befördert jedoch den Treibhauseffekt.

Feinster Feinstaub ist wirklich sehr gefährlich. "Grober Feinstaub", wie er z.B. aus 40 Jahre alten Mercedes Dieseln raus kommt :D , sehe ich als wenig gefährlich an. Feinstäube sind dann gefährlich, wenn sie so fein sind, dass sie unsichtbar sind! ;)
Das hat ein sehr bekannter Lungen Professor schon gesagt das keinerlei Schäden durch den co2 Feinstaub passieren, da passiert eine Übersäuerung der lungenschleimhaut, übersäuerung sind wir gewohnt, passiert Zb bei jedem Milchprodukt die einzigsten wo es merken sind die wo selten in so Regionen sind weil der Körper sich dann nicht anpassen kann 😉
Ines wenn Du noch keinen Schaden siehst dann warte mal bis die ersten Diesel Fahrverbote in Innenstädten durchgesetzt werden.

Der Käufer eines 120.000 Eur teuren SupiDupi SUV wird sich freuen
Ich sehe keinen Schaden für den Käufer eines E6 Diesels.
Der Schaden ist eine juristische Konstruktion und keine praktische Realität.
Hier kehren langsam US amerikanische Rechtsprechung ein mit ihrem Irrsinn.
Ich sehe keinen Schaden für den Käufer eines E6 Diesels.
Der Schaden ist eine juristische Konstruktion und keine praktische Realität.

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