Die Arbeitswelt nach Corona Megatrend Homeoffice: Corona befeuert diese drei Kursraketen

19.05.2020, 13:46  |  19144   |   |   

In Sachen Homeoffice waren zahlreiche Unternehmen bislang noch zögerlich – doch dann kam Corona. Die Pandemie könnte ein echtes Umdenken bewirken. Marcus Wessel analysiert im Smart Investor Unternehmen mit anhaltendem Rückenwind.

Für Stewart Butterfield, den CEO des US-Konzerns Slack, sind die sprunghaft steigenden Nutzerzahlen bei der von ihm gegründeten Teamplattform ein zweischneidiges Schwert. „Good for our business. But what about everyone else?“, fragte er zuletzt auf Twitter.

Vermutlich hätte sich der CEO gewünscht, viele Unternehmen hätten die Vorzüge von Slack auch ohne die Pandemie für sich entdeckt. Binnen zweier Wochen habe sich die Zahl der zeitgleich aktiven Nutzer von 10 Mio. auf 12,5 Mio. erhöht. Noch vor Ende des ersten Quartals entschieden sich 9.000 zahlende Neukunden für den Einsatz von Slack in ihren Firmen – nach jeweils 5.000 in den beiden Quartalen zuvor.

Die seit Juni 2019 börsennotierte Tech-Company aus San Francisco bietet ein Programm zur Zusammenarbeit von Teams und Mitarbeitern, das optisch an einen Messenger erinnert. Es lassen sich Gruppen und Themenkanäle erstellen, Dateien mit wenigen Klicks austauschen sowie Video-/Audiochats starten. Dabei spielt es keine Rolle, von wo die einzelnen Nutzer auf Slack zugreifen. Es ist somit auch ein ideales Werkzeug für unterschiedliche Homeofficelösungen, zumal die Basisversion kostenlos zu beziehen ist.

Weitere Features stehen dann allerdings nur gegen Bezahlung zur Verfügung. Slacks ohnehin bereits rasantes Wachstum dürfte sich angesichts der Corona-Pandemie weiter beschleunigen. Die aktuellen Konsensschätzungen für das Jahr 2020, die bislang Erlöse von 851 Mio. USD (Vj.: 630 Mio. USD) erwarten lassen, sind vermutlich zu niedrig angesetzt. Wie so viele vergleichsweise junge Firmen – Slack wurde erst 2013 gegründet – verdienen die Kalifornier mit ihren Diensten bislang kein Geld.

Der Sprung in die schwarzen Zahlen könnte nun jedoch früher als bislang gedacht gelingen, nämlich schon im kommenden Jahr. Dass man in Konkurrenz zu einem Konzern wie Microsoft steht, bereitet Butterfield indes keine Sorgen – man schaffe sogar neue Möglichkeiten, sodass auch die User von Microsofts Konkurrenzprodukt „Teams“ sich direkt mit Slack-Nutzern verbinden lassen können. Die durchaus ambitioniert bewertete Aktie ist ein Investment für mutige Techinvestoren.

Musterschüler aus dem Ländle

Doch die Homeoffice-Profiteure sitzen nicht allesamt im Silicon Valley: in Göppingen etwa ist TeamViewer (IK) zu Hause. Das mehrheitlich im Besitz des Finanzinvestors Permira befindliche Unternehmen steht schon jetzt für eine deutsche Erfolgsgeschichte. Die Software ermöglicht den sicheren Fernzugriff auf den eigenen Desktop-PC von praktisch überall auf der Welt. Es genügt, die TeamViewer-App auf einem beliebigen Smartphone oder einem anderen Rechner herunterzuladen.

Dadurch wird der eigene Arbeitsplatz plötzlich global und komplett digital. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Fernwartung von PCs. Täglich werden mehr als 20 Mio. solcher Supportsitzungen über TeamViewer durchgeführt – Tendenz stark steigend. IT-Abteilungen sind somit beispielsweise in der Lage, Probleme selbst aus der Ferne geschwind zu lösen. TeamViewer bietet darüber hinaus eine Lösung für Videokonferenzen und Teamchats an.

Neben einer Basisversion für den privaten Gebrauch stehen unterschiedliche Abo-Pakete zur Auswahl, deren Preis sich nach der Nutzerzahl und der gleichzeitig aktiven Sitzungen richtet. Angesichts der Corona-Krise scheint TeamViewer hier aber bei Kleinstunternehmen eine Ausnahme zu machen und zumindest vorübergehend die Gratisnutzung zu akzeptieren. Wie der Vorstand bereits bekannt gab, erlebe man derzeit einen Ansturm auf die eigenen Angebote. Die in Rechnung gestellten Einnahmen (Billings) dürften im ersten Quartal den Vorjahreswert um mindestens 60% übertreffen. Da die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise allerdings nur schwer einzuschätzen seien, bleibt es zunächst bei der alten Prognose.

Diese sah für das Gesamtjahr ein Wachstum zwischen 32% und 35% vor. Beim bereinigten EBITDA peilt TeamViewer ein Plus von bis zu 37% auf 240 Mio. bis 250 Mio. Euro an. Mit einer EBITDA-Marge von 57% im Jahr 2019 gehören die Schwaben bereits zu den Rendite-Spitzenreitern der Branche. Entsprechend üppig fällt mit 7,3 Mrd. Euro die aktuelle Börsenbewertung aus. Darin steckt zweifellos auch ein gewisser Krisenbonus. Hauptaktionär Permira könnte das gestiegene Kursniveau schon bald für weitere Paketverkäufe nutzen. Ein jederzeit möglicher Rücksetzer sollte daher nicht überraschen – dieser wäre jedoch angesichts der Wachstumsperspektiven zugleich eine Einstiegschance.

Arbeitswelt 2.0

Trends wie mobiles Arbeiten, Homeoffice oder die Digitalisierung des eigenen Arbeitsplatzes werden aber nicht nur von vergleichsweise jungen Technologieunternehmen adressiert: Auch der Softwareriese Microsoft hat sich frühzeitig auf all diesen Gebieten aussichtsreich positioniert. Mit der Plattformapplikation Teams, die Microsoft als Teil seines Office-365-Pakets zur Verfügung stellt, bietet der Konzern eine benutzerfreundliche Komplettlösung für Videokonferenzen, virtuelle Meetings und den schnellen Datenaustausch an.

Dass Konkurrenten wie Slack ihre Programme mit der Microsoft-Lösung vernetzen, wird den Siegeszug von Teams in der Zukunft zusätzlich beschleunigen. Zudem hat man mit dem weitverbreiteten Messagingdienst Skype ein weiteres Eisen im Feuer. Am Ende sollte sich Microsoft eine dominante Stellung auch in der mobilen Arbeitswelt 2.0 erarbeiten. Das Nachsehen dürften vor allem kleinere und finanzschwache Wettbewerber haben.

Der Konzern ist sich darüber hinaus sicher, dass die seit März deutlich höhere Nachfrage nach derartigen Homeofficelösungen selbst nach dem hoffentlich baldigen Ende der Pandemie anhalten werde. Insofern könnte das Coronavirus in der Rückschau als Beschleuniger eines langfristigen Trends wahrgenommen werden. Microsoft ist vielleicht nicht das typische CANSLIM-Investment. Immerhin bietet der Konzern eine vergleichsweise ausgewogene Mischung aus Wachstum und Value.

Trotz eines Umsatzes von über 125 Mrd. USD im vergangenen Jahr erwarten Analysten für das Techschwergewicht auch auf absehbare Zeit prozentual zweistellige Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis. Die sprudelnden Cashflows – mehr als 52 Mrd. USD waren es allein im vergangenen Geschäftsjahr 2018/19 – erlauben in Kombination mit der Liquiditätsreserve von über 134 Mrd. USD üppige Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen. Damit ist die Microsoft-Aktie eine konservative Alternative zu den zuvor besprochenen Titeln, die bislang stärker als „Corona-Aktien“ wahrgenommen werden. Aus finanzieller Sicht müsste der Konzern selbst eine tiefe Rezession nur bedingt fürchten.

Fazit

Viele Arbeitgeber, die zunächst gezwungenermaßen das Arbeiten von zu Hause eingeführt haben, dürften Homeoffice schon bald stärker in den Firmenalltag integrieren. Dieser Faktor wird am Markt bislang noch unterschätzt. Corona dürfte auch mittel- bis langfristig unsere Arbeitswelt verändern – die Profiteure dieser Entwicklung sollten daher ihre klare Outperformance fortsetzen.

Autor: Marcus Wessel

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(Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 05/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 17.04.2020 erfasst wurden.)



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