Die neue THYSSENKRUPP: Die Dicke Bertha ist zurück und das hat Bombenpotenzial!

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
28.05.2020, 08:53  |  2912   |   |   

Seit einigen Tagen wissen wir endlich, wohin die Reise bei thyssenkrupp (WKN: 750000) geht, sobald die Milliarden aus dem Verkauf der Elevator-Sparte fließen. Die bodenständige neue Strategie weiß auf den ersten Blick kaum zu begeistern. Auf den zweiten Blick lässt sich jedoch eine Logik erkennen, die Hoffnung macht.

Die Dicke-Bertha-Strategie

2015, nach fünf Jahren Konzernumbau, wollte der damalige Vorstandschef Heinrich Hiesinger neue Leichtigkeit in den thyssenkrupp-Konzern bringen: Ein Logo mit feinen Linien, frische türkisblaue Farbe und ein Fokus auf Engineering und Digitales. Ein moderner Technologiekonzern sollte daraus entstehen, so seine Vision. Aber da die Probleme im Stahlbereich niemals aufgehört haben, blieb das alles in den Ansätzen stecken.

Zuletzt sah es für mich trotzdem so aus, als ob thyssenkrupp sich zu einer treibenden Kraft der Energiewende entwickeln könnte, da die einzelnen Geschäftsbereiche vielfältige Kompetenzen rund um Wasserstoff, Energiespeicher und erneuerbare Energien aufgebaut haben. Auch daraus wird nichts: Das am 19. Mai vorgestellte Konzept sieht vor, vieles davon in neue Hände zu geben, insbesondere das Engineering-Know-how.

Was steckt dahinter? Nun, bei der Suche nach der Seele von thyssenkrupp ist dem Vorstand rund um Martina Merz anscheinend die legendäre Dicke Bertha (also großkalibrige Krupp-Kanonen) in den Sinn gekommen, die vor über 100 Jahren weltweit Angst und Schrecken verbreiteten. Noch heute kann man in vielen Museen weltweit entsprechende Exponate bestaunen, die für Qualität und Stärke stehen.

Statt neuer Leichtigkeit kehrt thyssenkrupp nun in gewisser Weise wieder zu seinen Wurzeln zurück. Geschmiedete Großkomponenten, riesige Wälzlager, U-Boote, Fregatten und robuste Chassis-Komponenten stehen zukünftig im Mittelpunkt. Hinzu kommen die Stahlproduktion und der Stahlvertrieb. Der moderne Dreiklang „Digitalisierung, Automatisierung und Elektrifizierung“ wird hingegen keine Rolle mehr spielen.

Was davon zu halten ist

Ehrlich gesagt, war ich zunächst etwas enttäuscht, weil ich rund um das Thema „Energiewende“ große Potenziale sah. Allerdings hätte thyssenkrupp vermutlich noch viele der Elevator-Milliarden einsetzen müssen, um eine solche Strategie zum Erfolg zu führen.

Nun soll das Engineering-Know-how in Einzelteilen an passende Käufer abgegeben werden. Dabei geht es sowohl um klassische Bereiche wie Zement- und Düngerfabriken als auch die jüngeren Aktivitäten wie Motor- und Batteriefertigungslinien sowie Anlagen zur Wasserstoffelektrolyse.

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