HINTERGRUND Börsen gefangen zwischen Virusfolgen und Notenbankgeld

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
12.07.2020, 11:05  |  965   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat die beispiellose Corona-Rezession bislang erstaunlich gut verkraftet. Doch ziehen in vielen Teilen der Welt - allen voran die USA - wieder dunklere Wolken auf. Ob das die Wirtschaftskrise verstärkt und damit die Börsen erneut taumeln lassen würde, hängt nun wohl stark von der Reaktion der Politiker auf das Ausmaß der Virusausbreitung ab. Im Notfall könnten dann aber auch die Notenbanken mit noch mehr Billiggeld eingreifen.

Zu den wirtschaftlichen Perspektiven kursieren derzeit jedenfalls die unterschiedlichsten Theorien. Volkswirte kochten zuletzt eine wahre Buchstabensuppe, in der sich zur bildlichen Erläuterung der Wachstumskurven nicht nur die Schriftzeichen L, U, V und W, sondern auch das mathematische Wurzelsymbol und andere Allegorien befanden.

Der zuletzt deutliche Anstieg des deutschen Leitindex Dax könnte darauf hindeuten, dass die Anleger bereits mit einem besonders starken Aufschwung rechnen. "Die Aktienmärkte preisen eine V-förmige Konjunkturerholung ein", schrieb Esty Dwek, Marktstrategin beim Vermögensverwalter Natixis Investment Managers. Dieser Vorstellung zufolge würde auf den scharfen wirtschaftlichen Einbruch eine ebenso starke Erholung folgen. Die Hoffnung auf ein solch sehr optimistisches Szenario aber kann laut Dwek zu Enttäuschungen führen: "Die steigenden Fallzahlen von Corona-Infizierten in den USA bergen das Risiko negativer Schlagzeilen, auch wenn das Infektionsgeschehen regional begrenzt zu sein scheint."

Dabei hat das Börsenjahr 2020 vielversprechend begonnen. Der Dax hielt sich im Januar auf sehr hohem Niveau und erklomm ein Rekordhoch, während die Gefahr durch das in China aufgetretene, neuartige Coronavirus verdrängt wurde. Selbst auf dem wichtigsten deutschen Branchentreffen der Investmentprofis in Mannheim Ende Januar wurden die Risiken einer Pandemie unter ferner liefen abgehakt. Der Dax sollte noch bis Mitte Februar weiter zulegen und bei gut 13 795 Punkten einen historischen Höchststand erklimmen, bevor es zum Crash kam.

Der Dax stürzte ab, verlor innerhalb von drei Wochen mehr als 5000 Punkte und fand Mitte März bei 8255 Punkten den Boden. Im ersten Quartal verzeichnete der Leitindex mit einem Minus von 25 Prozent den größten Verlust seit dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise im Jahr 2011. Doch bereits das zweite Jahresviertel bescherte dem Börsenbarometer mit einem Plus von fast 24 Prozent den größten Anstieg seit 2003 - eine Rally, die vielen Experten zu schnell gegangen ist.

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