BOEING IM FOKUS Krisen-Marathon

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
18.09.2020, 11:35  |  238   |   |   

CHICAGO (dpa-AFX) - Der Luftfahrtkonzern Boeing steuert von einer Existenzkrise in die nächste. Nach den tödlichen Abstürzen und dem Startverbot für den Mittelstreckenjet 737 Max bricht dem US-Konzern nun infolge der Corona-Pandemie die Nachfrage nach seinen Flugzeugen weg. Zudem werfen Produktionsmängel beim Langstreckenjet 787 "Dreamliner" weiteres schlechtes Licht auf die Geschäftspolitik des lange Zeit größten Flugzeugbauers der Welt. Was bei Boeing los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI BOEING:

Vor anderthalb Jahren wurde Boeings jahrelanger Höhenflug schlagartig gestoppt. Eben noch war der Konzern der weltgrößte Hersteller von Verkehrsflugzeugen. Die wichtigsten Passagierjet-Typen verkauften sich bestens. Doch dann holten den US-Konzern seine Fehler der Vorjahre ein - als er versucht hatte, dem Erfolg seines europäischen Rivalen Airbus mit einer Neuauflage des Passagierjets Boeing 737 etwas entgegenzusetzen.

Dann stürzten innerhalb weniger Monate zwei Exemplare der modernisierten "737 Max" ab, und 346 Menschen starben. Im März 2019 verhängten Luftfahrtbehörden in aller Welt Startverbote für den Flugzeugtyp. Airlines wie Ryanair und Tui verlangten Schadenersatz von dem Hersteller, weil dessen neue Steuerungssoftware MCAS als eine Hauptursache der Abstürze gilt.

Erst am Mittwoch warf der Untersuchungsausschuss des US-Repräsentantenhauses Boeing grobe technische Fehler und Verheimlichungen vor. Zudem habe die Luftfahrtbehörde FAA versagt. Der Hersteller hatte im Jahr 2011 überraschend die Modernisierung der seit den 1960er Jahren gebauten Boeing 737 angekündigt, nachdem Airbus dem US-Konzern mit seinem Konkurrenzmodell A320neo bereits wichtige Kunden abspenstig gemacht hatte.

Wie die A320neo versprach auch die Boeing 737 Max für Fluggesellschaften dank sparsamerer Triebwerke rentabler zu werden. Doch die riesigen Turbinen veränderten das Flugverhalten des Boeing-Modells in teils gefährlicher Weise. Und die Softwarelösung, die dieses Verhalten ausgleichen sollte, war nicht ausgereift.

Noch immer dürfen die rund 370 schon ausgelieferten Maschinen der Reihe nicht abheben. Und Boeing baute die 737 Max noch fast ein Jahr lang auf Halde, ohne dass dem entsprechende Einnahmen gegenüberstanden. Ende 2019 musste der langjährige Boeing-Chef Dennis Muilenburg abtreten, nachdem er versucht hatte, die FAA bei der Wiederzulassung öffentlich vor sich herzutreiben.

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