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Rohstoffe Wer braucht Öl und wie lange noch

Gastautor: Uwe Zimmer
01.10.2020, 19:24  |  842   |   |   

Der Ölpreis ist in den vergangenen Tagen gestiegen. Um zehn Prozent, von 37 auf 41 Dollar. Damit hat er zum ersten Mal wieder den Stand von 2015 erreicht. Und ist trotzdem nur halb so teuer wie in den Jahren ab 2011, wo seine Basis rund um 80 Dollar lag. Es ist ein langsames Siechtum – aber es wird enden.

Erneuerbare Energie haben im ersten Halbjahr 2020 mehr als die Hälfte zur Stromproduktion in Deutschland beigetragen. Das ist gut fürs Klima und schlecht für Kohle und Gas und auch für den Ölpreis. Wind und Sonne, Wasser und Biomasse schaffen es also, die fossilen Brennstoffe zu verdrängen. Und während heute noch eher Knappheit herrscht, wenn es um den grünen Strom geht, könnte das in einigen Jahren bereits ganz anders aussehen.

Auch ohne Förderung durch den Staat sind Solaranlagen und Windparks mittlerweile wettbewerbsfähig. Die Zahl der Standorte sorgt dafür, dass auch das Hauptargument gegen die Erneuerbaren – die Flaute bei Nacht – immer weniger schreckt. Denn irgendwo weht immer Wind – und Wasserkraft genau wie Biomasse sind unabhängig vom Wetter. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird also vorangehen, ob schneller oder langsamer hängt von der Politik ab. Und dann steht auch ausreichend grüner Strom zur Verfügung, um etwa Wasserstoff klimaneutral zu erzeugen und für Energieerzeugung oder Mobilität zu nutzen.

Wer braucht dann noch Öl? Der Schmierstoff der Weltwirtschaft verliert seine Funktionen bei der Energiegewinnung, bei der Mobilität, angesichts der regulatorischen Bestrebungen zur Eindämmung von Plastik auch bei der Herstellung von Kunststoffen. Vom zentralen Rohstoff zum Nischenprodukt und das in wenigen Jahren also. Wie wenige Jahre, das ist die große Frage. Noch vor zwei Jahren wäre dieser Zeitrahmen eher in Jahrzehnten als in Jahren gesetzt worden. Doch mittlerweile hat die Verdrängung des Öls eine solche Dynamik gewonnen, dass es sich möglicherweise nicht mal mehr um ein volles Jahrzehnt handelt, bis Öl seine führende Rolle verliert.

Und dann? Für Anleger sind das gute Nachrichten. Schließlich kommen mit neuen Technologien auch neue Unternehmen auf den Markt. Die Möglichkeit also, früh in die Gewinner von morgen zu investieren. Und nicht ewig den Kurs der Ölgiganten darauf abzuklopfen, ob vielleicht doch noch etwas zu holen sein könnte.

Wasserstoffaktien sind interessant, sobald der grüne Strom die Schwelle zum Massengut überschritten hat und die Knappheit beseitigt ist. Aus der End-Öl-Perspektive gesehen aber natürlich auch die Hersteller klimaneutraler oder biokompostierbarer Kunststoffe. Oder natürlich die Anbieter Erneuerbarer Energien, deren Zulieferer, spezialisierte Software-Anbieter und so weiter. Was heute fast nur über Private Equity-Investments zugänglich ist, wird schon bald den Weg in Fonds oder auch an die Börse finden. Dann lohnt es sich zuzugreifen. Und dem Öl endgültig Lebewohl zu sagen.

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