Schuldenrekorde

09.11.2020, 11:27  |  711   |   |   

Die von den Regierungen in der Eurozone zur Abfederung der Shutdown-Folgen initiierten Fiskalprogramme haben deren Verschuldungsstand allein nur im ersten Halbjahr um 925 Mrd € auf einen neuen Rekordwert klettern lassen.

Eurozone: Die von den Regierungen in der Eurozone zur Abfederung der Shutdown-Folgen initiierten Fiskalprogramme haben deren Verschuldungsstand allein nur im ersten Halbjahr um 925 Mrd. Euro auf einen neuen Rekordwert klettern lassen: 10.952 Mrd. Euro (95,1% des BIP). Angesichts der im Oktober neuerlich verkündeten Teil-Lockdowns werden vielerorts nun nicht nur neue Liquiditätshilfen notwendig werden, auch könnten sich die ausgesprochenen Garantien, die einen Großteil des seinerzeit verkündeten Gesamtrettungsbetrages von 3.045 Mrd. Euro ausmachten, nun mehr und mehr in offizielle Schulden verwandeln. Vor diesem Hintergrund muss davon ausgegangen werden, dass die Staatsverschuldung in der Eurozone bis zum Jahresende sogar noch über die von der Deutschen Bank im September prognostizierten 13.000-Mrd.-Euro-Marke (113% des BIP) hinausklettern könnte. Da mit der jüngst angelaufenen Vergemeinschaftung von Staatsschulden via Eurobonds der Anreiz zur fiskalpolitischen Haushaltsdisziplin in der Eurozone endgültig beseitigt wurde, muss zudem auch langfristig mit rapide steigenden Verschuldungsständen gerechnet werden. Sollte laut Maastrichter Vertrag einst eine Staatsverschuldungsquote von max. 60% des BIP die Stabilität der Gemeinschaftswährung garantieren, so garantiert die völlig aus dem Ruder laufende Verschuldung heute deren Instabilität.

In der Eurozone verschulden sich jedoch nicht nur die Staaten immer schneller und immer höher, auch trifft als Folge der »Corona«-Maßnahmen inzwischen Gleiches auf den vor dem Shutdown mit insgesamt 12.958 Mrd. Euro verschuldeten Unternehmenssektor zu. Denn gemäß einer groben Schätzung der Europäischen Investitionsbank sehen sich die Unternehmen in Folge des Shutdowns mit einem heftigen Rückgang ihrer Umsatzerlöse im Bereich von 1.900-3.400 Mrd. Euro konfrontiert, welcher trotz aller Hilfsmaßnahmen und der im Vorfeld aufgebauten beträchtlichen Barmittel bei 51-58% aller EU-Unternehmen zu argen Liquiditätsnöten geführt haben soll. Selbst bei einer von der EIB unterstellten Kürzung der Unternehmensinvestitionen um 32-52% errechnete die Bank auf Seiten der Unternehmen einen Neuverschuldungsbedarf, der vier bis sechs Prozent des BIP, also 460-690 Mrd. Euro entspricht.

Angesichts der sich rapide verschlechternden Bonitäten von Staaten und Unternehmen ist der »Nullzins« spätestens jetzt eine zwingende Voraussetzung für die »Tragfähigkeit« der Schuldenlasten geworden, genau wie auch der massive Einsatz der elektronischen Druckerpresse, ohne die die historisch beispiellosen Neuverschuldungswünsche von Staaten und Unternehmen de facto unfinanzierbar wären. Deutlich dokumentiert sich die von der EZB verfolgte Hochinflationspolitik in ihrer Bilanz, die durch das massive Aufkaufen von Staats- und Unternehmensanleihen allein in diesem Jahr um 2.084 Mrd. Euro auf atemberaubende 6.776 Mrd. Euro aufgebläht worden ist.

Finanzmärkte: Die Aktienmärkte konnten ihre in den letzten Monaten erzielten Gewinne trotz der sich vielerorts ankündigenden Lockdown-Maßnahmen verteidigen, was einmal mehr zeigt, dass sich die Märkte zur Zeit völlig von der realwirtschaftlichen Realität entkoppelt haben. So wird das Problem der deutlich steigenden Unternehmensverschuldung ebenso ignoriert wie die erodierenden Gewinne, so dass die Geldpolitik inzwischen die entscheidende Stütze der Aktienmärkte darstellt.

Fondsmanager-Kommentar: Wie erwartet meldeten die völlig unabhängig vom Konjunkturverlauf operierenden Gold- und Silberminengesellschaften ausgesprochen positive Quartalsergebnisse. Der Sektor glänzte mit einem deutlichen Anstieg der erzielten Cashflows, der zur weiteren Schuldenreduktion und/oder teils kräftigen Dividendenerhöhungen genutzt wurde.

Angesichts der Tatsache, dass der sich im Oktober seitwärtsbewegende Goldpreis im Verhältnis zu den jetzt dramatisch steigenden Geldmengen inzwischen sogar auf ein historisches Tief gefallen ist, stehen wir nach unserer Einschätzung noch ganz am Anfang eines Bullenmarktes im Edelmetallsektor.

Hamburg, 31. Oktober 2020

Autoren: Martin Mack & Herwig Weise


 

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