Öl-Aktien: Für immer versiegt?

Gastautor: Dirk Heß
13.11.2020, 15:39  |  3802   |   |   

Die Corona-Krise hat die strukturellen Schwächen der Ölkonzerne schonungslos aufgedeckt und die Kurse abstürzen lassen. Die Zeiten dürften bis auf Weiteres herausfordernd bleiben. Dennoch könnte sich ein Blick auf den Se

Am 31. August 2020 kam es beim Dow Jones zu einer Veränderung, die getrost als Wachablösung bezeichnet werden kann. Denn an diesem Tag musste ein Unternehmen aus dem Index weichen, dass bis dahin nicht nur das älteste Mitglied im US-Aktienbarometer war, sondern auch ein typischer Vertreter der Old Economy. Die Rede ist von Exxon Mobil. Der Ölkonzern war seit 1928 durchgängig im Index vertreten. In diesen 92 Jahren führte die Gesellschaft den Dow Jones mehrmals als die Firma mit dem höchsten Börsenwert an. Im Jahr 2011 war Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 500 Milliarden US-Dollar sogar das wertvollste Unternehmen der Welt. Heute gebührt dieser Titel Vertretern aus dem Internet- und Technologiesektor wie Apple oder Amazon. Von daher überrascht es nicht, dass mit Salesforce.com eine auf das Cloud-Computing spezialisierte Firma die Nachfolge des Ölmultis im Dow Jones angetreten hat.

 

Die Welt hat sich geändert, die Ölindustrie nicht

Der Rauswurf aus dem bekanntesten Aktienindex der Welt ist für Exxon Mobil ein Prestigeverlust. Er steht aber auch symbolisch für den Bedeutungsverlust einer Branche, die sich in Vergangenheit nur allzu gerne auf den eigenen Erfolgen ausruhte und die dabei vergaß, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Spätestens seit der Pariser Klimakonferenz von 2015 hat sich die Welt darauf verständigt, dem Klimawandel den Kampf anzusagen. Fossile Brennstoffe wie Öl und Gas sollen in Zukunft eine deutlich geringere Rolle spielen. Auch seitens der Geldgeber nimmt der Druck kontinuierlich zu. Immer mehr Investoren richten ihre Anlagepolitik nach nachhaltigen Kriterien aus. Die Ölindustrie reagierte auf den zunehmenden Druck, wenn überhaupt, lange Zeit nur zögerlich. Stattdessen wird schon seit Jahren mehr Öl aus dem Boden gepumpt, als benötigt wird. Die Folge: notorische Überkapazitäten und übervolle Lager. Mit dazu beigetragen hat auch das vor allem in den USA beliebte Fracking. Dabei gilt gerade diese Art der Ölgewinnung aufgrund des Einsatzes von Chemikalien und hoher Wassermengen als besonders umweltschädlich.  Ein anderer Punkt ist die OPEC. Deren Mitglieder samt assoziiertem Partner Russland schaffen es häufig nicht mehr, sich auf verbindliche Fördermengen zu einigen und den Ölpreis damit in einigermaßen ruhigem Gewässer zu halten.

Seite 1 von 3


Diesen Artikel teilen



Broker-Tipp*

Über Smartbroker, ein Partnerunternehmen der wallstreet:online AG, können Anleger ab null Euro pro Order Wertpapiere handeln: Aktien, Anleihen, 18.000 Fonds ohne Ausgabeaufschlag, ETFs, Zertifikate und Optionsscheine. Beim Smartbroker fallen keine Depotgebühren an. Der Anmeldeprozess für ein Smartbroker-Depot dauert nur fünf Minuten.

* Wir möchten unsere Leser ehrlich informieren und aufklären sowie zu mehr finanzieller Freiheit beitragen: Wenn Sie über unseren Smartbroker handeln oder auf einen Werbe-Link klicken, wird uns das vergütet.




0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Öl-Aktien: Für immer versiegt? Die Corona-Krise hat die strukturellen Schwächen der Ölkonzerne schonungslos aufgedeckt und die Kurse abstürzen lassen. Die Zeiten dürften bis auf Weiteres herausfordernd bleiben. Dennoch könnte sich ein Blick auf den Sektor lohnen, allerdings nur bei Titeln, die gewisse Voraussetzungen erfüllen.