Sohn der Börsen-Oma Exklusiv-Interview mit Uwe Sander: „Die erste "Aktien-Rakete", die ich erwischte war Ende 2018 die Nel ASA“

22.02.2021, 12:33  |  26089   |  13   |   

Uwe Sander, der Sohn der "Börsen-Oma", führt das Lebenswerk von Deutschlands bekanntester Aktionärin fort. wallstreet:online sprach mit ihm über Börsenerfolge und -misserfolge und das neue Buch von ihm und seiner Mutter.

wallstreet:online : Sie wollen die "Hoch-Tief-Mut-Strategie" Ihrer Mutter Beate Sander fortführen. Welche Investmenterfahrung bringen Sie mit und können Sie an der Börse so erfolgreich sein wie die legendäre "Börsen-Oma"?

Uwe Sander: Schon 1997 führte ich in meiner neunten Klasse ein Börsen-Planspiel durch, obwohl dies gar nicht im Lehrplan stand. Die Schüler kauften spielerisch für 10.000 Deutsche Mark Aktien ein, deren Kurse (damals noch aus der Zeitung) neun Monate alt waren, was ich aber nicht gesagt hatte. Die Auswertung erfolgte dann schon eine Woche später und die Schüler*innen fanden das sehr spannend, zumal der / die Gewinner*in ein Eis geschenkt bekam.

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Im Jahr 2001 erfolgte dann mein erster realer Aktienkauf und es war gleich ein kleiner Erfolg. Obwohl meine Bankberaterin mich vom Kauf abhalten wollte, stiegen in sechs Wochen meine Telekom-Aktien von 3000 Euro auf 4000 Euro. Der Gewinn reichte immerhin für einen Last-Minute-Flug nach Teneriffa aus. Das war eine gute Börsen-Erfahrung, obwohl viele Aktien zu dieser Zeit aufgrund der Dotcom-Blase des Neuen Marktes stark fielen. Denn damals gab es im Gegensatz zu heute wirklich eine Blase.

wallstreet:online : Was war Ihr bisher erfolgreichstes Aktien-Investment?

Uwe Sander: Das kurzfristig erfolgreichste Investment hat gar nicht stattgefunden! In der Tat wollte ich genau ein Jahr später, am 12.09.2002 eintausend Euro in Mobilcom investieren. Die Aktie war auf 1,70 Euro gefallen. Ich telefonierte mit meiner Mutter und wies darauf hin, dass Gerhard Schröder kurz vor der Bundestagswahl bestimmt eine Rettungsaktion starten würde. Meine Mutter meinte, es sei zu riskant. Danach verdreifachte sich der Kurs innerhalb von sechs Wochen, denn es kam tatsächlich zu einer Rettungsaktion durch die Bundesregierung. Da ich mich nicht getraut hatte, die Aktien zu kaufen, gab es in diesem Jahr keinen Teneriffa-Urlaub.

2005 stand dann die Finanzierung der Immobilie im Vordergrund – und gemäß dem Grundsatz „Keine Aktien auf Pump!“ konnte ich erst ab Ende 2017 wieder Aktien einkaufen.

Die erste „Aktien-Rakete“, die ich erwischte war dann Ende 2018 die Nel ASA. Da ich neben Wirtschaftslehre Physik unterrichtete, fragte mich meine Mutter nach meiner Einschätzung zur Wasserstoff-Technologie. Ich antwortete ihr, dass die deutsche Automobilindustrie diesen Trend wohl „verpennt“ habe, die Technologie kompliziert und teuer, aber dennoch sehr zukunftsträchtig sei. Dann berichtete sie mir von dem kleinen norwegischen Unternehmen Nel ASA, das gerade Aktien auf den Markt brachte. Da stieg ich mit 3000 Aktien zu jeweils 45 Cent ein. In der Folgezeit hatte ich zum ersten Mal ein Kursplus von 500 Prozent innerhalb von zwei Jahren miterleben dürfen – Ende 2020 erfolgte ein Teilverkauf zu 2,70 Euro pro Aktie!



wallstreet:online : Was war Ihr größter Misserfolg an der Börse?

Uwe Sander: Während der Finanzkrise 2007/2008 hatte ich mir ernsthaft Sorgen um meine Mutter gemacht, die damals bereits stark in Aktien investiert war. Sie ließ mich dann live mitverfolgen, wie Ihre Strategie funktionierte: Statt in Panik zu verkaufen, schichtete sie ihr Depot um. Die wenigen einigermaßen stabilen Titel verkaufte Sie teilweise, um besonders hart abgestrafte Aktien zu erwerben, von denen sie annahm, die Krise gut zu überstehen. Der zwischenzeitliche Verlust wurde so zu einem nachhaltigen Gewinn. Beates Strategie habe ich mir gut gemerkt, sie hat mein weiteres Handeln geprägt. Auch in meinem überschaubaren Depot mit circa 50.000 Euro kam es im Februar 2020 in der Coronakrise zu Kursverlusten von fast 30 Prozent. Das Geld, das eigentlich für den nicht realisierbaren Urlaub gedacht war, floss sofort in neue Aktien. Die stark gefallenen Kurse luden schließlich zum Kauf ein. Besonders stark brachen CTS Eventim (von 58 auf 28 Euro) und TUI (von 6,50 auf 2 Euro) ein. Neu kaufte ich dann vor allem die großen NASDAQ-Aktien Amazon, Alphabet und Facebook sowie Samsung aus Südkorea, also alle die Aktien, die mir zuvor noch zu hoch bewertet schienen.

wallstreet:online : Sie haben das Buch Ihrer Mutter "Die besten Aktien findet man nicht im DAX" [WERBUNG]** fertiggeschrieben. Es soll im April 2021 erscheinen. Für diejenigen Anleger, die schon ganz ungeduldig sind: Wo findet man denn nun die besten Aktien?

Uwe Sander: Das Buch erscheint am 20. April 2021. Man findet solche Aktien vereinzelt in den Nebenwerteindizes (MDAX, TecDAX, SDAX, m:access und vor allem außerhalb Deutschlands und Europas, aktuell vor allem in China.) China wird in politischer Hinsicht zurecht heftig kritisiert, aber wirtschaftlich führt kein Weg daran vorbei. Die Tatsache, dass viele deutsche Großkonzerne (im Gegensatz zu Kleinbetrieben und Kulturschaffenden) einigermaßen glimpflich durch die Coronakrise gekommen sind, hängt maßgeblich mit den dort nach wie vor vorhandenen Absatzmärkten und einer florierenden Wirtschaft zusammen. (Aktuelles Beispiel für mich als Stuttgarter: Daimler, dessen China-Geschäft zu einer starken Jahresbilanz geführt hat.)

Während in den USA viele Aktien bereits hoch bewertet sind, auch wenn ich nicht von einer Blasenbildung ausgehe, finden sich in China viele Unternehmen, die einen fast unvorstellbaren Umsatz erzielen. Bereits der chinesische Binnenmarkt mit seinen 1,4 Milliarden Menschen, darunter eine stark wachsende Mittelschicht, wird häufig als Wirtschaftsfaktor unterschätzt, von der Exportkraft Chinas mal ganz zu schweigen.

Im Buch wird darüber hinaus auch die Hoch-Tief-Mut-Strategie in zehn Grundsätzen beschrieben.

wallstreet:online : Welche prominenten Investoren haben Sie neben Ihrer Mutter geprägt?

Uwe Sander: Authentische und zugleich bodenständige Typen wie Warren Buffett faszinieren mich. Allerdings halte ich allgemein nicht so viel vom Star-Kult und so informiere ich mich lieber breit im Internet und ganz klassisch über Printmedien.

wallstreet:online : Nachhaltige Geldanlagen sind ein Investment-Megatrend. Ihre Mutter hatte immer sehr breit investiert: Neben grünen Aktien aus dem Wasserstoffsektor hatte sie beispielsweise auch auf russische Ölaktien gesetzt, eigentlich ein Widerspruch. Gibt es für Sie Investments, die sie aus ethischen oder Umweltschutz-Gründen ablehnen – Waffen, Pornographie, Tabak, Cannabis, fossile Energieträger etc.?

Uwe Sander: Die ESG-Kriterien habe ich inzwischen weitestgehend im Depot eingehalten. Lukoil und Phillip Morris flogen daher sofort raus. Die Cannabis-Aktien sehe ich hingegen überhaupt nicht als verwerflich, sondern als medizinisch nützlich an und ich hätte sie gerne zugekauft, aber das Marktumfeld gibt das meines Erachtens nach noch nicht her.

wallstreet:online : Trotz einer weltweiten Pandemie mit Lockdowns, Wirtschaftseinbrüchen sowie 2,5 Millionen Toten boomen die Börsen wie fast noch nie. Wie bewerten Sie die aktuelle Rallye?

Uwe Sander: An der einen oder anderen Stelle gibt es überhitzte Kurse und es wird in den nächsten Monaten mit Sicherheit auch heftigere Rücksetzer geben, aber ich bin mir trotzdem sicher, dass die Anlage in Aktien und ETFs noch immer sehr zukunftsträchtig und nahezu alternativlos für Langzeitanleger*innen ist.

Dass die Corona-Epidemie für viele Menschen mit viel Leid und Sorge verbunden ist, macht es schwer, dies alles nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Aber viele Menschen werden nach der Krise vieles nachholen wollen, was ihnen derzeit versagt ist: Geselligkeit, Urlaub und Kultur.

wallstreet:online : Was waren Ihre letzten drei Aktien-Investments?

Uwe Sander:

1.) Kuaishou, WKN A2QNAP, neue Aktie des chinesischen Konkurrenten von TikTok (IPO 25.01.2021),

2.) Secunet Security, WKN 727650, kleineres deutsches Cyber Security Unternehmen, dessen Kurs zuletzt etwas zurückging, nachdem ein Investor einen größeren Aktienanteil abstieß.

3.) Barclays, WKN 850403, weil ich dieses britische Bankunternehmen für übertrieben „abgestraft“ halte und die Bodenbildung des Kurses zunächst abgeschlossen ist.

Ich weise jedoch ausdrücklich darauf hin, dass jedes Investment in Aktien und ETFs mit Risiken verbunden ist, für die jede/r Anleger/in selbst die Verantwortung übernehmen muss, da es jederzeit zu erheblichen Verlusten kommen kann.

wallstreet:online : Herr Sander, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ferdinand Hammer, stellv. Chefredakteur von wallstreet:online

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Kommentare

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23.02.21 17:40:57
Danke für die Info.
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23.02.21 13:25:30
Auszug aus dem gleichen Artikel !

Auf der Hauptversammlung am 01.04.2021 wird die Telekom Dividende (Wertpapierkennnummer: 555750) für das vergangene Geschäftsjahr vom Vorstand des Telekommunikationskonzerns vorgeschlagen. Für die sogenannte T-Aktie wird eine Dividende von 0,60 € prognostiziert.
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23.02.21 12:28:32
Zitat von 76erRekord: "Das Umtauschverhältnis hängt vom Bezugspreis ab. Er entspricht dem Ergebnis in Euro, das sich aus der Division des Referenzpreises durch 0,55 € (geplante Bardividende) abzüglich eines Abschlags ....."
also neue Dividende 0,55€ ?


Nur für die, die es schaffen, sich bis zum 13.06.2016 bei ihrer Depotbank zu melden.
Ist uralt.
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23.02.21 12:09:24
"Das Umtauschverhältnis hängt vom Bezugspreis ab. Er entspricht dem Ergebnis in Euro, das sich aus der Division des Referenzpreises durch 0,55 € (geplante Bardividende) abzüglich eines Abschlags ....."
also neue Dividende 0,55€ ?
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23.02.21 11:59:12
Aktionäre der deutschen Telekom schauen einer Dividendensenkung auf {dividendscurrent} € entgegen. Diese wird auf der Hauptversammlung vorgeschlagen, die am 01.04.2021 in Köln stattfinden wird. Damit senkt die Deutsche Telekom nach zuletzt regelmäßigen Dividenden-Erhöhungen ihre Dividende und wird damit ihren Ruf als zuverlässiger Dividenden-Titel los.


Von hier habe ich es.

https://hauptversammlungs-termine.de/dividende-deutsche-tele…

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