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Bestimmen die Reichen die Politik in den USA?

Seit Jahren ist der vermeintlich ständig steigende Einfluss der Reichen auf die amerikanische Politik ein Hauptthema der Kapitalismuskritik.

Jeden Tag lesen wir in den Medien von mächtigen Lobbygruppen, die die Politik beeinflussen oder sogar die Gesetze schreiben. In Hollywood-Filmen geht es nicht selten um den Kampf zwischen den Guten, die finstere Verschwörungen mächtiger Konzerne aufdecken – und auf der anderen Seite stehen die Politiker, die als Marionetten der Kapitalisten dargestellt werden. Es scheint keinen Zweifel zu geben: Geld regiert die Welt. Und nicht nur das: Kritiker der „sozialen Ungleichheit“ behaupten, all dies werde immer schlimmer und mit der steigenden Ungleichheit steige auch der Einfluss der Reichen auf die Politik. Die USA gelten mehr als jedes andere Land als Musterbeispiel, um diese These zu belegen.

Clinton und Bloomberg wären Präsidenten geworden

Doch Zweifel sind erlaubt: Wenn Geld allein politische Macht kaufen würde, dann wäre 2016 nicht Donald Trump Kandidat für die US-Präsidentschaft geworden, sondern vielleicht Jeb Bush, der sehr viel mehr Spendengelder mobilisieren konnte. Und bestimmt hätte Trump die Wahlen 2017 nicht gewonnen, sondern Hillary Clinton. Clinton und die sie unterstützenden Super PACs, sammelten mehr als 1,2 Milliarden Dollar, Trump und seine Verbündeten etwa 600 Millionen Dollar.

Wenn Geld allein politische Macht kaufen könnte, dann wäre Joe Biden heute nicht Präsident, sondern vielleicht Michael Bloomberg, der zum Zeitpunkt seiner Bewerbung für die Kandidatur der Demokraten mit 61 Mrd. Dollar der achtreichste Mann der Welt war. Wohl niemals zuvor in der Geschichte hatte ein Kandidat soviel Geld in so kurzer aus eigener Tasche für einen Wahlkampf ausgegeben, nämlich innerhalb von gut drei Monaten rund eine Milliarde Dollar. Bloomberg hatte seinen Wahlkampf selbst finanziert und keine Spenden angenommen.

Trotz dieser Gegenbeispiele: Die These, „Geld regiert die Welt“ bleibt populär. Rechte Verschwörungstheoretiker sehen George Soros oder Bill Gates als die geheimen Drahtzieher und Herrscher, linke Verschwörungstheoretiker die Koch-Brüder. Eine der am häufigsten zitierten wissenschaftlichen Studien, die die Macht des Geldes in den USA belegen soll, ist der 2013 erschienene Aufsatz „Democracy and the Policy Preferences of Wealthy Americans“ von Benjamin I. Page, Larry M. Bartels und Jason Seawright.

Was ist dran an einer immer wieder zitierten Studie?

Dass dieser Aufsatz immer wieder als Beleg dafür zitiert wird, wie sehr die Reichen die Politik bestimmen, verwundert. Denn mit nur 83 Befragten war die Basis für eine quantitative Untersuchung sehr gering. Zudem kamen alle Befragten aus Chicago. Und so richtig reich waren viele der Befragten auch nicht, denn von den 83 hatten nur 36 ein Vermögen ab 10 Mio. Dollar.

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Nachrichtenquelle: Rainer Zitelmann
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