checkAd

    Marktkommentar  461  0 Kommentare Bert Flossbach (Flossbach von Storch): Ein Blick zurück – und nach vorn

    2022 war (wieder) ein Krisenjahr. Das zeigte sich auch an den Börsen. Was kommt in den nächsten Monaten auf uns zu?

    09.01.2023 -

    2022 war (wieder) ein Krisenjahr. Das zeigte sich auch an den Börsen. Was kommt in den nächsten Monaten auf uns zu?

    Als Investoren sind wir mit Superlativen eher zurückhaltend, auch bei der Bewertung des vorangegangenen Jahres; zumal in jüngerer Vergangenheit viele davon mit dem Prädikat „außergewöhnlich“ versehen wurden. Denken wir nur an die Hochzeit der Corona-Pandemie, an das Jahr 2020.

    Die Krise erscheint uns längst als Dauerzustand, die Ausnahme als Regel. Insofern ordnet sich 2022 nahtlos in die Reihe herausfordernder, mitunter verstörender Jahrgänge ein. Das Besondere am vergangenen Jahr ist die Vielzahl einander bedingender und sich verstärkender Krisen gewesen.

    Die Auswirkungen der Pandemie, die gebrochenen Lieferketten, sind immer noch zu spüren, dazu der barbarische Krieg inmitten Europas und der aus beidem erwachsende Inflationssturm. Einen solchen Preisschub hat es zuletzt vor vier Jahrzehnten gegeben!

    Massive Zinswende

    Viele Menschen sorgen sich um ihre Zukunft, zumal der Staat, in dem wir leben, funktionsuntüchtiger denn je wirkt. Die notwendige, wenn auch recht späte Reaktion der Notenbanken auf den rasanten Inflationsanstieg hatte zur Folge, dass die Kapitalmärkte im vergangenen Jahr fast nur „Verlierer“ kannten.

    2022 war ein schlechtes Jahr für Aktien und ein katastrophales für Anleihen. Die Hartnäckigkeit der Inflation hat die Notenbank zu einer radikalen Kehrtwende veranlasst. Ausmaß und Tempo der Zinserhöhungen waren zweifellos überraschend.

    Lesen Sie auch

    Innerhalb von nur neun Monaten erhöhte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins von 0,25 auf 4,5 Prozent (jeweils oberes Ende der Bandbreite). Die Europäische Zentralbank (EZB) zog nach und erhöhte ihren Einlagenzins binnen fünf Monaten von minus 0,5 auf zwei Prozent.

    Harte Zeiten – auch für Anleger

    Dies trieb auch die Renditen von Anleihen deutlich in die Höhe, was bei den gemeinhin als sicher geltenden Papieren zu hohen Kursverlusten führte. Eine Anfang Januar begebene zehnjährige deutsche Bundesanleihe verlor mehr als 20 Prozent, 30-jährige Papiere fast 50 Prozent und selbst fünfjährige Bundesobligationen (die klassischen Witwen und Waisenpapiere) fielen um elf Prozent, allesamt historisch schlechte Anlageergebnisse.

    Der starke Zinsanstieg drückte auch die Bewertung von Aktien und führte bei den einschlägigen Indizes zu Verlusten. Der globale Aktienindex MSCI World verzeichnete ein Minus von rund 18 Prozent, was in Euro gerechnet einem Verlust von 13 Prozent entspricht.

    Lediglich Gold konnte ein wenig glänzen. Zwar notierte eine Feinunze Gold mit 1.824 US-Dollar zum Jahresende fast auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresbeginn, doch bedeutete dies in Euro gerechnet immerhin noch ein Plus von knapp sechs Prozent.

    Ein Ausblick

    Können wir für die nächsten Monate optimistischer sein? Und was sind die Lehren für 2023? Klar ist: Die Notenbanken nehmen die Inflationsbekämpfung ernst; sie werden ihre restriktivere Politik erst dann beenden, wenn ein nachhaltiger Rückgang der Inflation erkennbar ist – oder Kollateralschäden auftreten, die größer sind als der Nutzen ihrer Antiinflationspolitik.

    Ob die Notenbanken am Ende erfolgreich sein werden, wissen vermutlich nicht einmal deren Vertreter zu sagen. Die Börsen werden sich in den kommenden Monaten von einer Notenbanksitzung zur nächsten hangeln und versuchen, ein Ende des Zinserhöhungszyklus auszuloten.

    Das bedeutet ein ständiges Auf und Ab der Kurse, ohne klaren Trend. Nichtsdestotrotz braucht es für den Kapitalerhalt langfristig die Aktien guter Unternehmen. Stand heute entsprechen deren Bewertungen in etwa dem derzeitigen Zins- und Renditeniveau.

    Es gibt wieder Chancen

    Deutlich höhere Zinsen würden die Bewertungen allerdings erneut unter Druck zu setzen. Umso mehr kommt es für langfristig denkende Investoren darauf an, die richtigen Titel auszuwählen und das Portfolio möglichst intelligent zu diversifizieren.

    Andererseits hat sich das Chance-Risiko-Profil vieler Anlagen nach vorne schauend verbessert. Dies gilt auch für Teile des Anleihemarkts, in denen sich wieder Erträge erwirtschaften lassen, die auch die Inflation ausgleichen.

    Als langfristig denkende Investoren sind wir deshalb zuversichtlich, dass die Zukunft wieder bessere Jahrgänge für Anlegerinnen und Anleger bereithält, auch wenn der Weg dorthin erst einmal steinig sein wird.


    Hinweis:

    Die in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen und zum Ausdruck gebrachten Meinungen geben die Einschätzungen von Flossbach von Storch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und können sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern. Angaben zu in die Zukunft gerichteten Aussagen spiegeln die Zukunftserwartung von Flossbach von Storch wider, können aber erheblich von den tatsächlichen Entwicklungen und Ergebnissen abweichen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann keine Gewähr übernommen werden. Der Wert jedes Investments kann sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise nicht den investierten Geldbetrag zurück.




    Diskutieren Sie über die enthaltenen Werte


    Asset Standard
    0 Follower
    Autor folgen
    Mehr anzeigen
    AssetStandard ist das führende Portal für Vermögensverwaltende Produkte in Deutschland. Auf www.assetstandard.com werden alle Daten, Dokumente und Informationen zu diesem wachsenden Marktsegment gebündelt. Einheitliche Standards ermöglichen einzigartige Vergleiche zu den Anlageprodukten. Das Portal beinhaltet umfassende Recherche-, Analyse- und Informationsmöglichkeiten bis hin zum Asset Manager eines einzelnen Produkts.
    Mehr anzeigen

    Verfasst von Asset Standard
    Marktkommentar Bert Flossbach (Flossbach von Storch): Ein Blick zurück – und nach vorn 2022 war (wieder) ein Krisenjahr. Das zeigte sich auch an den Börsen. Was kommt in den nächsten Monaten auf uns zu?

    Schreibe Deinen Kommentar

    Disclaimer