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Anleihen Krise war gestern

Nachrichtenquelle: Börse Frankfurt
10.01.2014, 13:40  |  2021   |   |   

10. Januar 2014. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Euro-Peripherie rückt wieder zunehmend in den Fokus. Nachdem Irland, Griechenland, Spanien und Co. in Zeiten der Finanzkrise vor allem mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam machten, hat sich das Blatt nun allerdings gewendet: „Irlands Debüt am Finanzmarkt nach Verlassen des Rettungsschirmes wurde in dieser Woche zum vollen Erfolg“, kommentiert Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank bestätigt: „Die erfolgreiche Emission hat für sehr gute Stimmung in diesem Marktsegment gesorgt.

Nachdem Irland 2010 aufgrund seines maroden Bankensektors auf Finanzhilfen seitens der anderen Euro-Länder und des IWF angewiesen war, testete das Land in den vergangenen Jahren die eigene Kapitalmarktfähigkeit und schied Mitte Dezember 2013 aus dem Euro-Rettungsschirm aus. Entsprechend müssen sich die Iren seit Beginn diesen Jahres in Eigenregie am Kapitalmarkt refinanzieren. „Die in dieser Woche begebene zehnjährige Anleihe (WKN A1ZB2L) mit einem Volumen von 3,75 Milliarden Euro ist sehr gut angekommen und wird von Investoren rege gekauft“, meldet Daniel. Das Papier hat einen Kupon von 3,4 Prozent und notiert am Freitagmittag bei 89,90 Prozent; die aktuelle Rendite beträgt 3,53 Prozent. Die Auktion war dreifach überzeichnet.

Irland sollte Euro-Peripherie Mut machen

Nach Einschätzung von Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank, war nicht zuletzt der Zeitpunkt der irischen Emission günstig gewählt: „Die Konjunktur in der Eurozone erholt sich langsam und die Schuldenkrise scheint sich weiter zu beruhigen. Das führt – zusammen mit einer hohen Liquiditätsausstattung – dazu, dass Investoren wieder auf der Suche nach einem Rendite-Pick-up sind, was irische Anleihen vergleichsweise attraktiv macht.“ Gleichzeitig habe Irland mit dieser Emission einen Großteil seines Refinanzierungsvolumens 2014 von 6 bis 10 Milliarden Euro schon erbracht.

„Das Beispiel Irlands sollte den anderen Programm-Ländern Mut machen. Es verdeutlicht, dass es durchaus möglich ist, sich aus der eigenen Schuldenkrise und der damit verbundenen Schieflage zu befreien und nicht mehr auf die Unterstützung der Euro-Partner angewiesen zu sein“, merkt die Analystin an und weist darauf hin, dass auch Irland einen weiten Weg mit schmerzhaften Anpassungsprozessen hinter sich habe. „Durch massiven Lohnverzicht wurde die Wettbewerbsfähigkeit beispielsweise spürbar erhöht. Das Beispiel Irlands zeigt aber auch, dass solche Kraftanstrengungen notwendig sind, um den Weg aus der Krise zu finden“, meint Boie.

Spreads gehen zurück

Die Zuversicht von Investoren in Punkto Euro-Peripherie scheint seit der Iren-Auktion bereits gestiegen zu sein – zumindest lassen das die rückläufigen Zinsen für spanische, italienische und portugiesische Anleihen vermuten. „Selbst Griechenland hat von der gelungenen Platzierung profitiert. So ist etwa der Kurs einer bis 2013 laufenden Anleihe in der vergangenen Woche von rund 68 auf über 71 Prozent gestiegen“, weiß Daniel. Der Händler ergänzt allerdings, dass das erhöhte Kursniveau der Griechenlandanleihen aktuell vorwiegend zum Ausstieg genutzt werde.

Die Analysten der UBS gehen aufgrund des aktuell starken Momentums, der Kaufbereitschaft der Banken aus der Peripherie sowie dem potentiellen Interesse internationaler Kunden davon aus, dass die Renditeabstände von Peripherieanleihen zu den vermeintlich sicheren deutschen Bundeanleihen erst einmal weiter zurückgehen werden. „Auf Jahressicht hingegen sind wir eher zurückhaltender. Die spanische Neuschuldenaufnahme in diesem Jahr befindet sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Sollten internationale Investoren nicht verstärkt als Käufer auftreten, wird es für die nationalen Banken sicher nicht ganz einfach die Neuausgabe, wie im Jahr 2013, erneut zu absorbieren“, warnen die Analysten jedoch.

Favorit Portugal

Das bevorzugte südliche Euro-Land ist laut UBS Portugal. „Aufgrund der aktuell verbesserten Finanzierungssituation und den mehr international getriebenen Kapitalströmen erwarten wir hier einen Rückgang des Renditeaufschlags von bis zu 30 Basispunkten“, erklären die Analysten. Das Land plant, ab Sommer diesen Jahres – genauso wie Irland – wieder ohne Hilfsgelder auszukommen und sich wieder selbstständig am Markt zu finanzieren.

Der Bund-Future startete gut behauptet in die Woche und stieg zur Wochenmitte noch einmal leicht an. „Die Widerstände um 139,80 bis 139,95 Prozent konnten allerdings nicht überwunden werden“, merkt Hellwig an. Am Freitagmittag notiert der Indikator für langfristige Zinserwartungen bei 139,74 Punkten, nach 139,18 vor einer Woche. Deutsche Benchmarkanleihen rentieren aktuell bei 1,90 Prozent, 4 Basispunkte weniger als vergangenen Freitag.

MS Deutschland wieder aufgetaucht

Im Bereich der Unternehmensanleihen ist einmal mehr das Papier des Kreuzfahrtschiffbetreibers MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft (WKN A1RE7V) in die Schlagzeilen geraten. „Der Titel ist in dieser Woche um zeitweise 15 Prozent gestiegen, nachdem bekannt wurde, dass sich die Münchener Muttergesellschaft Aurelius sich sowohl vom Schiff als auch vom Betreiber getrennt hat“, berichtet Daniel. Aktuell notiert das Papier bei 69,25 Prozent. Noch vor einer Woche war die Anleihe massiv unter Druck geraten und auf zeitweise rund 42 Prozent gefallen, nachdem die Ratingagentur Scope überraschend ihre Bewertungen sowohl für das Schiff als auch für den Betreiber MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft GmbH zurückgezogen hatte. Neuer Mehrheitsgesellschafter des durch die gleichnamige ZDF-Sendung bekannten „Traumschiffs“ ist nun die ebenfalls in München ansässige Callista Private Equity. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Aurelius halte aber weiterhin einen Minderheitsanteil, hieß es.

Warum der Kurs der Anleihe steigt, ist für die Händler aktuell jedoch ein Rätsel. „Callista hat bisher jedenfalls keine besondere Turnaround-Erfolgsgeschichte vorzuweisen“, merkt Daniel an. Und auch Rainer Petz von Close Brothers Seydler zeigt sich skeptisch: „Das Private Equity-Unternehmen, das jetzt Mehrheitseigner ist, wurde ja offenbar erst im September vergangenen Jahres gegründet. Woher die jüngste Euphorie stammt, ist daher fraglich.“

Kurssprung bei Windreich

Einen deutlichen Kurssprung verzeichnete in dieser Woche auch die Anleihe des insolventen Windparkentwicklers Windreich (WKN A1CRMQ). „Der Kurs des Papiers hat sich zeitweise verdreifacht, nachdem Unternehmens-Eigner Willi Balz den operativen Wiedereinstieg in sein Unternehmen ankündigte. Mittlerweile hat die Notierung durch nachlassende Nachfrage wieder etwas nachgeben und liegt aktuell bei knapp 15 Prozent“, erläutert Hellwig. Vor einer Woche lag der Kurs noch bei unter 5 Prozent.

Neu im Markt

Frisch emittiert worden sind, wie Petz anmerkt, unter anderem zwei neue Anleihen von Fresenius. „Die beiden Papiere werden wohl kommende Woche auf den Markt kommen und dürften für einige Anleger interessant sein“, ergänzt der Händler. Der eine Bond (WKN A1HEWZ) läuft bis 2020 und ist mit einem Kupon von 2,875 Prozent ausgestattet, die zweite Anleihe (ISIN XS1013955379) trägt einen 3-prozentigen Kupon und wird 2021 fällig.

von Karoline Kopp, Deutsche Börse AG
© 10. Januar 2014

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