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Rohstoffe Beimischung zum Depot oder reine Spekulation?

Gastautor: Uwe Eilers
28.10.2016, 11:17  |  2123   |   |   

Die Geldanlage in Rohstoffen kann eine sinnvolle Diversifikation für ein Wertpapierdepot darstellen. Schließlich sind diese Sachwerte nicht nur perfekt als Inflationsschutz anzusehen, sondern auch ideal geeignet, um recht schnell an wirtschaftlichen Erholungen zu partizipieren.

Es gibt in jedem Rohstoff eine große Anzahl von Produzenten, bzw. Förderer. Diese benötigen teilweise eine langfristige Planungssicherheit, um ihre Investments für Exploration und Produktion finanziell abzusichern. Land- und Forstwirte können im Voraus erwartete Produktionsmengen preislich fixieren, um einem möglichen späteren Preisverfall zu entgehen. Aus dem Grund sind diese Gruppen der Produzenten natürliche Verkäufer an den Spot- und Terminmärkten der Börsen.

Natürliche Käufer sind Nahrungsmittelproduzenten, die Planungssicherheit für ihren Verkauf der Fertigprodukte benötigen. Gleiches gilt für Maschinenbauer, Kabelhersteller, Edelmetall verarbeitende Unternehmen und andere Verbraucher von Metallen. Im Energiesektor sind Raffinerien, Kraftwerksbetreiber und Chemiefirmen natürliche Käufer von Öl und anderen Energieprodukten. Die dritte Säule der Marktteilnehmer sind längerfristig orientierte Geldanleger sowie spekulativ orientierte Händler.

Grundsätzlich können heutzutage nicht nur institutionelle Investoren, sondern auch jeder normale Anleger in die verschiedensten Rohstoffe investieren. Selbstverständlich ist neben der längerfristigen Geldanlage als typische Sachwertanlage auch jede Art der kurzfristigen Spekulation in alle gängigen Rohstoffe möglich. Die gängigsten sind dabei Energie, Metalle, Baustoffe und Nahrungsmittel. Je nach Marktsituation unterliegen diese oft sehr hohen Preisschwankungen.

Das physische Angebot und die physische Nachfrage bestimmen langfristig die Preise von Rohstoffen. Kurz- und Mittelfristig sind es jedoch häufig psychologische Faktoren, also Ängste und Euphorie sowie Erwartungen aufgrund sich potentiell wechselnder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, die den wesentlichen Einfluss darauf haben. Bei vielen nachwachsenden Rohstoffen, also primär Nahrungsmittel, ist die Nachfrage insgesamt recht konstant. Langfristige Wettervorhersagen und Unwetterphänomene üben starken Einfluss auf das Angebot und somit auf die Höhe der Preise aus.

Es gibt eine Vielfalt an Produkten, in denen ein Anleger sein Geld investieren kann. Viele Banken haben Zertifikate auf die verschiedensten Rohstoffe aufgelegt, mit denen man an einem Anstieg partizipieren kann. Dabei ist zu beachten, dass es sich dabei um Inhaberschuldverschreibungen handelt und somit die Bonität des Emittenten zu beachten ist.

Eine bessere Alternative sind meist sogenannte ETCs (Exchange Traded Commodities). Dies sind börsengehandelte Fonds in Form eines Sondervermögens, sie die Kursentwicklung des jeweiligen Rohstoffs nachbilden. Im Falle von Gold hat die Deutsche Börse AG ein Produkt aufgelegt, das mit physischem Gold unterlegt ist: XETRA-Gold. Dabei ist es so, dass es in dem Fall steuerlich nicht als typisches Wertpapier gesehen wird. Aus dem Grund beträgt die Spekulationsfrist ein Jahr und danach sind Kursgewinne steuerfrei.

Je näher der Preis eines Rohstoffs an den Produktions- bzw. Explorationskosten liegt (oder gar darunter), desto eher ist ein dauerhafter Anstieg wahrscheinlich. Schließlich würde sonst die Produktion eingestellt und damit das Angebot verringert, falls die Kosten nicht mehr gedeckt würden. Weiterhin ist ein Anstieg zu erwarten, falls ein weltweiter Anstieg der Wirtschaftsleistung zu erwarten ist. Gerade nach einer rezessiven Phase, in dem die Rohstoffproduktion und eventuell noch die Lagerhaltung nach unten gefahren wurde, kann ein Nachfrageanstieg zu deutlichen Preissteigerungen führen. Aktuell sind einige Metalle, beispielsweise Kupfer auf langfristiger Sicht auf sehr niedrigem Niveau.

Öl ist selbstverständlich ebenfalls durch Angebot und Nachfrage getrieben. In diesem Fall ist das Angebot allerdings sehr stark politischen Interessen unterworfen, da sich ein Großteil der Produzenten zu einem Kartell, der OPEC zusammengeschlossen haben. Sofern die großen Nichtmitglieder, wie beispielsweise Russland und Venezuela mit ins Boot geholt werden, kann sich der Ölpreis leicht verdoppeln. Dies ist aufgrund begrenzter Lagerkapazitäten und gleichzeitig relativ beständigem Verbrauch schon bei überschaubarer Produktionsdrosselung möglich.

Edelmetalle, allen voran Gold sind typische Angst-Investments. Schließlich können Edelmetalle relativ leicht transportiert werden und bieten bei gegebenem Gewicht einen sehr hohen Gegenwert. Aus dem Grund steigt der Goldpreis sehr häufig in großen Unsicherheitsphasen. Beispiele sind der Ausbruch des Kriegs in der Ost-Ukraine, die Krim-Annektion oder aber im Vorfeld des BREXIT-Referendums.

Landwirtschaftliche Produkte, wie Getreide, Kartoffeln, etc. wird von immer mehr großen Anlegern aufgrund von ethischen Vorbehalten gemieden, da ein Rufschaden gefürchtet wird. Vielfach wird ideologisch argumentiert, dass durch Spekulation Nahrungsmittelpreise stark steigen würden. Kurzfristig ist dies sicher möglich, aber auf Dauer sind und bleiben Angebot und Nachfrage die beiden Hauptfaktoren der Preisbildung.

Für den Privatanleger sind Optionsscheine häufig die einfachste Art der kurzfristigen Anlage. Mit überschaubarem Kapitaleinsatz kann ein deutlicher Hebel ausgenutzt werden. Je höher die Schwankungen der Rohstoffpreise und je länger die Laufzeit der Optionsscheine, desto teurer sind diese. Aus dem Grund ist das Timing ein sehr wichtiger Faktor.

Sehr spekulativ sind CFDs (Contracts for Difference). Ohne Kapitaleinsatz, nur mit einer Sicherheitsleistung, muss „nur“ die tägliche Kursdifferenz ausgeglichen werden. Durch das enorme Risiko ist Disziplin und Professionalität elementar. Rein spekulative Investments sollte man nur dann tätigen, wenn man sich der hohen Risiken bewusst ist und sehr genau die Märkte verfolgen kann.

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