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Borussia Dortmund wird wohl niemals die Bayern überholen

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
05.01.2017, 14:29  |  1076   |   |   

Fußball ist für viele Menschen weltweit die größte Leidenschaft und die schönste und wichtigste Nebensache überhaupt. Ein ehemaliger Trainer des ruhmreichen Liverpooler F.C. meinte gar, dass Fußball noch ernster sei als Leben und Tod. Ob er diese Aussage nun mit einem Augenzwinkern sagte oder nicht, bleibt wohl sein Geheimnis.

Fußball ist neben den großen Emotionen aber auch ein knallhartes Geschäft. Die Vereine sind durch steigende Fernseheinnahmen und Sponsorengelder mittlerweile zu mittelgroßen Wirtschaftsunternehmen herangewachsen. In Deutschland tobt seit einigen Jahren nun bereits der Zweikampf zwischen Borussia Dortmund (WKN:549309) und dem Branchenprimus Bayern München.

Ob man es nun eher mit der „wahren Liebe“ zur Dortmunder Borussia hält oder einem das „mia san mia“-Gefühl der Bayern besser gefällt, kann zweifelsfrei sehr emotionale Diskussionen auslösen. Wirtschaftlich betrachtet wird es der BVB allerdings sehr schwer haben, die Bayern zu überholen. Das zeigt schon ein Blick auf die Mitgliederzahlen und den aktuellen Marktwert des Spielerkaders.

Wirtschaftsfaktor Mitgliederzahlen

Bayern München ist mit derzeit etwa 284.000 Mitgliedern der weltweit größte Sportverein. Mit etwa 144.000 Mitgliedern landet Borussia Dortmund hier auf dem fünften Platz. Derzeit zahlen Mitglieder bei Bayern und Dortmund jeweils rund 60 Euro Mitgliedsbeitrag. Bayern München verdient also bereits durch die Beitragszahlungen etwa doppelt so viel wie die Dortmunder.

Die hohen Mitgliederzahlen führen aber auch zu höheren Einnahmen in anderen Bereichen. Gingen in der letzten Saison etwa 500.000 BVB-Trikots über die weltweiten Ladentheken, waren es bei den Bayern 3,3 Millionen. Das führt natürlich auch dazu, dass die Trikotausrüster und Trikotsponsoren der Bayern deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen, um ihr Firmenlogo auf den begehrten Fanartikel abbilden zu dürfen. Adidas überweist den Bayern als Ausrüster jährlich 60 Millionen Euro. Dazu kommen vom Hauptsponsor Deutsche Telekom weitere 35 Millionen Euro. Bei den Dortmundern sind es lediglich 15 Millionen Euro von Puma und 24 Millionen Euro von Evonik. Weitere 54 Millionen Euro, die die Bayern mehr in der Tasche haben als die Dortmunder.

Natürlich sind diese Verhältnisse nicht auf Ewigkeiten festgesetzt. Das Mitgliederwachstum der Vergangenheit zeigt aber, dass Dortmund es schwer haben wird zu den Bayern aufzuschließen. Zwar verzeichnete der BVB von 2005 bis 2016 einen wahren Mitgliederboom und konnte die Mitgliederzahlen um jährlich durchschnittlich 18 % steigern, dagegen wirkt die jährliche Steigerung von 7 % bei den Bayern geradezu lächerlich, die letzten vier Jahre zeigen allerdings ein anderes Bild. Von 2013 bis 2016 verzeichnete Bayern München einen Zuwachs von 9,9 %, der BVB hingegen lediglich 9,5 % pro Jahr. Das Wachstum der Borussia ist in den letzten Jahren also deutlich abgeflacht. Es spricht demnach einiges dafür, dass die Bayern diesen Vorsprung auf absehbare Zeit behalten werden.

Wirtschaftsfaktor Spielerkader

Da es trotz aller wirtschaftlichen Entwicklungen im Profi-Fußball dennoch darauf ankommt, was an jedem verdammten Samstag (leider mittlerweile auch freitags, sonntags und vielleicht auch noch montags) auf dem Platz passiert, ist das Herzstück der Fußballvereine noch immer die Mannschaft. Bei den wahnsinnigen Transfersummen, die in der heutigen Zeit bezahlt werden, sind die Spieler darüber hinaus auch noch die wertvollsten Vermögenswerte der Vereine.

Auch hier ist der Abstand zwischen den Dortmundern und den Bayern noch recht groß. Der derzeitige Marktwert der ersten Mannschaft der Bayern beläuft sich laut www.transfermarkt.de auf 580 Millionen Euro. Die Dortmunder Spieler sind hingegen lediglich 350 Millionen Euro wert.

Auch dieser Abstand wird sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht dramatisch verändern. Der Marktwert eines Spielers nimmt mit abnehmender Vertragslaufzeit ab, da der Spieler bei auslaufendem Vertrag ablösefrei zu einem neuen Verein wechseln kann. Sieht man mal davon ab, dass sich der Kaderwert durch Zu- und Abgänge verändert, ist es für den Erhalt des Marktwertes des Spielerkaders entscheidend, ob die Verträge mit Leistungsträgern vorzeitig und langfristig verlängert werden können oder nicht.

Bayern München hat sich durch die wahnsinnigen Erfolge in den letzten Jahren nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sportlich in der Spitzengruppe Europas etabliert. Das zeigt sich vor allem dann, wenn die besten Spieler sich nicht für einen Wechsel zu anderen europäischen Spitzenklubs entscheiden, sondern ihre Verträge bei den Bayern verlängern. Aktuelle Beispiele sind Robert Lewandowski, Thomas Müller, David Alaba oder Jérôme Boateng. Alle vier gehören mit Marktwerten von 45 bis 75 Millionen Euro zu den teuersten Spieler der Bayern. Unter anderem sicherlich deshalb, da alle vier mit langfristigen Verträgen bis 2021 ausgestattet sind.

Die teuersten Spieler der Dortmunder haben hingegen durchgehend kürzere Vertragslaufzeiten bis 2019 oder 2020. Außerdem hat die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass Schlüsselspieler wie Lewandowski, Gündogan oder Hummels nicht bereit waren ihre Verträge bei den Schwarz-Gelben zu verlängern. Für viele Spieler bleibt Dortmund zwar eine internationale Spitzenmannschaft, die aber nicht – zumindest noch nicht – zu den Spitzenklubs in Europa zählt. Das Management von Borussia Dortmund wird daher auch in den kommenden Transferperioden vor der schwierigen Entscheidung stehen, ob ein Leistungsträger vorzeitig gegen eine entsprechende Transferentschädigung abgegeben wird oder der Spieler seine Vertragslaufzeit erfüllen muss und dann ohne eine Ablöse den Verein verlässt.

Unterm Strich

Unterm Strich wird es Dortmund schwer haben, wirtschaftlich zu den Bayern aufzuschließen oder diese gar zu überholen. Da langfristig die wirtschaftliche Kraft auch im Fußball über Erfolg und Misserfolg entscheidet, werden die Bayern auch sportlich in aller Regel die Bundesliga dominieren. Für den BVB und seine Fans wird es aber weiterhin reizvoll bleiben, sich Stück für Stück an die Bayern heranzurobben. Und das Schöne am Fußball ist und bleibt, dass in einem Spiel oder auch in einer Saison alles passieren und jeder jeden schlagen kann.

Würden Aktien der Bayern aber an der Börse gehandelt, dann sollte man sich meiner Meinung nach nicht mit der wirtschaftlich zweitbesten Kraft im deutschen Profifußball zufriedengeben. Für die kommerzielle Entwicklung von Borussia Dortmund wird es künftig entscheidend sein, wie schnell man zu den Bayern aufschließen kann. Den wirtschaftlichen Vorsprung der Bayern komplett aus der Welt zu räumen bleibt wohl eine Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte.

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Sven besitzt Aktien der Deutschen Telekom. The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.



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