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Buchtipp Ein schwäbischer Rebell
Die Autobiografie von Thomas Sattelberger

Gastautor: Rainer Zitelmann
09.04.2017, 14:48  |  2458   |   |   

Thomas Sattelberger, Ich halte nicht die Klappe. Mein Leben als Überzeugungstäter in der Chefetage. Murmann Publishers, Hamburg 2015, 288 Seiten.

Das Buch interessierte mich schon deshalb, weil es einige Parallelen im Leben des Autors und in meiner eigenen Biografie gibt: Wir gaben beide als Schüler linksextreme Schülerzeitungen heraus, schlossen uns später maoistischen K-Gruppen an, verdienten Millionen in der freien Wirtschaft und sind heute Mitglied der FDP. Zudem haben wir beide Bücher geschrieben und einen ausgesprochenen Sinn für Selbstvermarktung und Positionierung.

Sattelberger war sicherlich der bekannteste „Personaler“ in der deutschen Wirtschaft. Er begann im Daimler-Konzern (Daimler-Benz, MTU, DASA), wo er von 1975 bis 1994 in verschiedenen Führungsfunktionen tätig war, ging dann für zehn Jahre zur Lufthansa, wechselte schließlich von 2003 bis 2007 zur Continental AG und war zuletzt für fünf Jahre Personalvorstand der Telekom.

Sattelberger gab mit 18 Jahren die Schülerzeitung „Rotkehlchen“ heraus und wurde (fast) von der Schule verwiesen (meine Zeitung hieß „Rotes Banner“ und ich musste eine Schule wegen dieser Zeitung verlassen). Beide lasen wir Marx, Mao und später auch Wilhelm Reich. Sattelberger schloss sich dem maoistischen Kommunistischen Arbeiterbund KAB/ML an, während ich mich zur gleichen Zeit der maoistischen KPD/ML anschloss.

Sattelberger war, und dies zieht sich durch seine ganze Autobiografie, immer ein Konflikt-Typ (auch dies eine Gemeinsamkeit zwischen uns). In seiner maoistischen Gruppierung eckte er an, weil er sich mit Joschka Fischer traf – aus Sicht von uns Marxisten-Leninisten damals ein ernstes Zeichen von kleinbürgerlichem Abweichlertum, das nicht geduldet wurde. Er beschreibt das Klima von „Dogmatismus, Stalinismus und Isolation“, das er beim KAB erlebte. Wer dort engagiert war, hatte sich mit Haut und Haaren der Revolution verschrieben. Für Anderes war keine Zeit. Die folgenden Sätze könnten wortgleich aus meiner eigenen Biografie sein, wenn er beschreibt, wie er die Loslösung von der Gruppe als Befreiung empfand: „Bin erstmals wieder in Diskotheken tanzen gegangen. Bei den sektiererischen Maoisten waren solche Vergnügungen als bourgeoishaft verpönt… Du dienst der Partei, und die Partei verfügt über deinen Körper, dein Herz und deine Seele. Sie normiert dich, und wenn du gegen die Norm verstößt, wirst du als Abweichler gnadenlos bestraft.“ (S.34) Für Nonkonformisten wie Sattelberger konnte das nicht lange gut gehen.

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