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Optionsscheine: Starke Strategien für schwache Märkte Teil 2: Der Strangle

Gastautor: Dirk Heß
29.08.2017, 09:54  |  2721   |   |   

Im ersten Teil zeigten wir, wie Anleger mit einem sogenannten Straddle von einem Anstieg der Volatilität profitieren können. Eine ähnlich reizvolle Optionsschein-Strategie stellt der Strangle dar. Der Unterschied ist klein, aber fein.

Wie bereits im ersten Teil angemerkt, bewegte sich die Volatilität an den Aktienmärkten in den vergangenen Wochen auf einem relativ niedrigen Niveau. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Schwankungsintensität wieder zunimmt. Genau das ist zuletzt passiert. Ein perfektes Szenario für volatilitätsbezogene Optionsscheinstrategien. Dazu gehört zum Beispiel der gleichzeitige Kauf von Call- und Put-Optionsscheinen in gleicher Menge und mit identischem Basiswert, Basispreis und Verfallsdatum. Straddle wird dieser Ansatz genannt (siehe Teil 1: https://www.wallstreet-online.de/nachricht/9827481-optionsscheine-star ...). Auf einem ähnlichen Konzept basiert der Strangle. Auch bei diesem Ansatz erfolgt simultan eine Investition in Call- und Put-Optionsscheine mit gleichem Basiswert und identischer Restlaufzeit.

 

Unterschiedliche Basispreise

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Vola-Strategien liegt in der Wahl des Basispreises, auch als Strike bezeichnet. Während beim Straddle sowohl der Call als auch der Put jeweils mit einem – am Geld liegenden – Basispreis ausgestattet sind, werden beim Strangle Papiere mit unterschiedlichem Strike ausgewählt. Dabei wird der Put mit einem niedrigeren und der Call mit einem höheren Basispreis gekauft, wodurch beide Positionen aus dem Geld liegen. „Aus dem Geld“ heißt, dass sich der Basispreis eines Calls über und der eines Puts unter dem aktuellen Kurs des Basiswerts befindet. Solche Papiere haben keinen inneren Wert, ihr Preis besteht also nur aus dem Zeitwert.

 

Beispiel für einen Strangle

Vor kurzem lag die (implizite) Volatilität des DAX noch bei sehr moderaten 15 Prozent. Mit einem Strangle möchte ein Anleger von einer steigenden Volatilität profitieren – und zwar grundsätzlich unabhängig davon, ob der Basiswert steigt oder fällt. Also erwirbt er bei einem Indexstand von 12.000 Punkten 500 Call-Optionsscheine auf den DAX mit einem Basispreis bei 12.500 Punkten (aus dem Geld), einem Bezugsverhältnis von 0,01 und einer Restlaufzeit von vier Monaten. Dafür zahlt er 2,30 Euro pro Schein. Gleichzeitig kauft er 500 Put-Optionsscheine mit identischer Restlaufzeit, gleichem Bezugsverhältnis und einem ebenfalls aus dem Geld liegenden Basispreis von 11.500 Punkten. Der Stückpreis beträgt hier 1,90 Euro. Zusammen ergibt das einen Einsatz von 2.100 Euro (500 x 2,30 Euro + 500 x 1,90 Euro). Hier zeigt sich ein erster Unterschied zum Straddle. Denn wie aus Teil 1 (https://www.wallstreet-online.de/nachricht/9827481-optionsscheine-star ...) hervorgeht, waren die Erwerbskosten beim Straddle unter ähnlichen Prämissen deutlich höher. Der Grund: Je weiter die Basispreise der beiden Optionsscheine auseinanderliegen, desto weniger muss der Anleger für die Optionsprämien aufbringen.

 

Chancen und Risiken

Nehmen wir nun an, ein Monat ist vergangen und tatsächlich ist die erwartete Volatilität des DAX signifikant von 15 auf 25 Prozent gestiegen. Ob sich der Index nach oben schraubt oder abstürzt, ist dabei egal. In beiden Fällen könnte sich der Anleger, sofern er die Positionen glattstellt, über einen ansehnlichen Gewinn freuen. Angenommen, der DAX fällt auf 11.500 Punkte. Der Wert des Puts hätte sich in diesem Fall auf 5,60 Euro pro Stück erhöht. Der Preis des Calls wäre trotz der negativen Indexentwicklung aufgrund des gestiegenen Zeitwerts (wegen der höheren Volatilität) bei 2,30 Euro quasi gleichgeblieben. Zusammen ergibt das einen Verkaufserlös von 3.950 Euro (500 x 5,60 Euro + 500 x 2,30 Euro). Der Profit beträgt bei einem Kapitaleinsatz von 2.100 Euro also 1.850 Euro. Das ist absolut gesehen weniger, als er mit einem Straddle erzielt hätte (siehe Teil 1: https://www.wallstreet-online.de/nachricht/9827481-optionsscheine-star ...). Denn um mit einen Strangle den gleichen Gewinn einzufahren wie mit einem Straddle, muss die Kursbewegung beziehungsweise der Anstieg der impliziten Volatilität größer sein. Auf der anderen Seite ist – wie bereits erwähnt – der Kapitaleinsatz geringer und somit der Gewinn um 23% höher (88,1% Strangle versus 64,7% Straddle). Geht die Strategie allerdings nicht auf, entstehen aufgrund des abnehmenden Zeitwerts sehr schnell Verluste. Liegen Call und Put auch bei Fälligkeit der Scheine noch aus dem Geld, ist der komplette Einsatz verloren: Daher kann es sinnvoll sein, beide Positionen bereits vorher glattzustellen oder schon bei der Auswahl länger laufende Scheine zu nehmen.

 

Möglichkeit der Feinjustierung

Noch ein Merkmal unterscheidet den Strangle vom Straddle. Mit einem Strangle ist eine Feinjustierung hinsichtlich der grundsätzlichen Erwartungshaltung möglich. Geht der Anleger zum Beispiel tendenziell davon aus, dass die Marktbewegung negativ sein wird, wählt er einen Put, dessen Basispreis am Geld liegt. Rechnet er dagegen eher mit Kursgewinnen, setzt er auf einen am Geld liegenden Call. Dadurch erhöht er seine Gewinnchancen, sofern es tatsächlich zu der erwarteten Marktreaktion kommt. Gleichzeitig hält er sich aber auch die Möglichkeit offen, bei einer (deutlich) gegenläufigen Bewegung, auf der Gewinnerseite zu stehen.

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