DAX-0,57 % EUR/USD-0,38 % Gold+0,07 % Öl (Brent)-0,72 %

2018 wird ein spannendes Jahr Im Interview mit Wallstreet:Online: Aram Mangasarian von NOXXON

04.10.2017, 07:50  |  3153   |   |   

NOXXON hat eine tief greifende Wandlung von einem Technologie-Plattform-Unternehmen zum klinischen Entwickler von Krebsmedikamenten hinter sich gebracht. 2018 könnte ein interessantes Jahr werden: Dann stehen wichtige klinische Daten des Hauptprojektes NOX-A12 an.

Aram Mangasarian, CEO von NOXXON Pharma, stand uns Rede und Antwort zu diesem Projekt und den weiteren Plänen des Biotech-Unternehmens, das unter anderem mit NOX-E36 weitere Pfeile im Köcher hat.
 

NOXXON Pharma hat trotz einer niederländischen Rechtsform Wurzeln in Berlin, die Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft (DEWB) aus Jena ist mit zwölf Prozent beteiligt und einer der Ankeraktionäre, dennoch dürfte der Name unter den Anlegern hierzulande noch nicht allzu große Bekanntheit haben. Können Sie in drei Sätzen beschreiben, was NOXXON Pharma macht?

  • NOXXON entwickelt Krebsbehandlungen und erforscht diese in klinischen Tests am Menschen, um die Effektivität anderer Krebstherapien erheblich zu steigern. Dazu gehören moderne immunonkologische Ansätze wie die sogenannten Checkpoint-Inhibitoren und traditionelle Behandlungen wie Chemo- und Strahlentherapie. Unsere Programme zielen auf die Tumor-Mikroumgebung (tumor microenvironment, TME) ab, also auf die unmittelbare zelluläre Umgebung, in der sich der Tumor im Körper befindet und die nach heutigen Erkenntnissen eine entscheidende Rolle bei allen Aspekten der Krebsbiologie spielt. Zurzeit arbeiten wir mit dem US-Pharmakonzern Merck + Co. Inc./MSD zusammen, um eine Kombination von deren Checkpoint-Inhibitor Keytruda (Pembrolizumab) mit unserem Hauptproduktkandidaten NOX-A12 (Olaptesed Pegol) bei Krebsarten zu testen, die auch mit den neuesten Therapien nur schwer zu behandeln sind.

 

NOXXON hat in der letzten Zeit eine Wandlung von einem Plattformtechnologie-Unternehmen zu einer Gesellschaft vollzogen, die sich als Biotech-Investment mit klinischen Projekten und einem Fokus auf Onkologie-Wirkstoffen sieht. Was sind die Kernpunkte dieser Wandlung, was macht NOXXON heute anders als in der Zeit zuvor?

  • Wie bei den meisten kleinen Biotechnologieunternehmen war es wichtig, unsere Ressourcen zu bündeln und nicht auf zu viele Aktivitäten zu verteilen. Wir haben uns dafür entschieden, all unsere Kraft in unsere klinischen Krebsprogramme zu stecken, weil wir glauben, dass diese Programme das Potential haben, die Effektivität sowohl von neuartigen Krebsbehandlungen als auch von traditionellen Therapien wie Chemo- und Strahlentherapie wesentlich zu steigern. Darüber hinaus besteht ein immenser Bedarf an Therapien, die Krebspatienten dabei helfen, besser und länger zu leben. Wir glauben außerdem, dass die klinischen Programme, auf die wir uns konzentrieren, unser Unternehmen finanziell absichern und unseren Aktionären schneller eine Investitionsrendite einbringen als die Arbeit auf Programmen oder Bereichen in frühen Stadien, bei denen der Bedarf an neuen Behandlungen weniger drängend ist.

 

Sie verfolgen einen neuen Ansatz zur Tumorbehandlung. Wo liegen die Unterschiede zu anderen Wegen der Krebsbehandlung, wo die Vor- und Nachteile?

  • Ein besonderer Aspekt unseres Ansatzes liegt darin, dass er konzipiert wurde, um andere Krebsbehandlungen zu ergänzen und nicht, um mit ihnen zu konkurrieren. Unsere Programme zielen auf die TME ab, einschließlich der Blutgefäße, Immunzellen, Fibroblasten, Signalmoleküle wie Chemokine und der extrazellulären Matrix. Da die entscheidende Rolle der TME in der Krebsbiologie zunehmend etabliert ist, denken wir, dass die TME ein ideales Ziel für die Entwicklung neuer Therapien gegen Krebs ist. So können unsere Ansätze in Kombination mit anderen Krebstherapien besonders wirksam Tumore bekämpfen und Patienten helfen.

 

Wie funktioniert das genau?

  • Chemokine wie etwa CXCL12, das Zielmolekül unseres Hauptprogrammes NOX-A12, schaffen eine für das Tumorwachstum und die Tumormetastasierung ideale Mikroumgebung. CXCL12 unterstützt zum Beispiel bestimmte solide Tumore bei der Bildung einer schützenden biochemischen Mauer, die den Eintritt von Abwehrzellen des Immunsystems, vor allem von Tumorzellen abtötenden T-Zellen, verhindert. NOX-A12 hat das Potential, diese Mauer zu zerstören und die T-Zell-Ausgrenzung zu überwinden, was den T-Zellen den Zugang zum Tumor ermöglicht. Nur wenn die Immunzellen bis zu den Tumorzellen vordringen, können auch moderne immunonkologische Ansätze wie die Checkpoint-Inhibitoren wirken. Unser Ziel ist es mit Hilfe unserer Wirkstoffe das gesamte Potential immunonkologischer Ansätze zu entfesseln. Mit Hilfe unserer Spiegelmer-Technologie sind wir in der Lage, neue Medikamentenkandidaten zu entwickeln, die an zwei Schlüsselpositionen von Chemokinen binden können, um deren Aktivität zu beeinflussen. So kann das Immunsystem die Krebszellen wieder anvisieren, erkennen und zerstören. Die Spiegelmer-Technologie eignet sich hervorragend für die Erzeugung von „best-in-class“-Produkten für diese wichtige Art von Zielmolekülen für die TME.

 

Ihr wichtigstes Einzelprojekt ist der bereits angesprochene Wirkstoff NOX-A12, der gemeinsam mit dem US-Konzern Merck unter anderem in der Behandlung von Patienten erprobt wird, die an metastasierendem Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs leiden. Wie sieht der Zeitplan der gerade gestarteten klinischen Phase I/II-Studie aus? Welche Ziele soll diese Studie erreichen?

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel

Diskussionen zu den Werten

ZeitTitel
11.10.18