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2018 wird ein spannendes Jahr Im Interview mit Wallstreet:Online: Aram Mangasarian von NOXXON

04.10.2017, 07:50  |  2827   |   |   

NOXXON hat eine tief greifende Wandlung von einem Technologie-Plattform-Unternehmen zum klinischen Entwickler von Krebsmedikamenten hinter sich gebracht. 2018 könnte ein interessantes Jahr werden: Dann stehen wichtige klinische Daten des Hauptprojektes NOX-A12 an.

Aram Mangasarian, CEO von NOXXON Pharma, stand uns Rede und Antwort zu diesem Projekt und den weiteren Plänen des Biotech-Unternehmens, das unter anderem mit NOX-E36 weitere Pfeile im Köcher hat.
 

NOXXON Pharma hat trotz einer niederländischen Rechtsform Wurzeln in Berlin, die Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft (DEWB) aus Jena ist mit zwölf Prozent beteiligt und einer der Ankeraktionäre, dennoch dürfte der Name unter den Anlegern hierzulande noch nicht allzu große Bekanntheit haben. Können Sie in drei Sätzen beschreiben, was NOXXON Pharma macht?

  • NOXXON entwickelt Krebsbehandlungen und erforscht diese in klinischen Tests am Menschen, um die Effektivität anderer Krebstherapien erheblich zu steigern. Dazu gehören moderne immunonkologische Ansätze wie die sogenannten Checkpoint-Inhibitoren und traditionelle Behandlungen wie Chemo- und Strahlentherapie. Unsere Programme zielen auf die Tumor-Mikroumgebung (tumor microenvironment, TME) ab, also auf die unmittelbare zelluläre Umgebung, in der sich der Tumor im Körper befindet und die nach heutigen Erkenntnissen eine entscheidende Rolle bei allen Aspekten der Krebsbiologie spielt. Zurzeit arbeiten wir mit dem US-Pharmakonzern Merck + Co. Inc./MSD zusammen, um eine Kombination von deren Checkpoint-Inhibitor Keytruda (Pembrolizumab) mit unserem Hauptproduktkandidaten NOX-A12 (Olaptesed Pegol) bei Krebsarten zu testen, die auch mit den neuesten Therapien nur schwer zu behandeln sind.

 

NOXXON hat in der letzten Zeit eine Wandlung von einem Plattformtechnologie-Unternehmen zu einer Gesellschaft vollzogen, die sich als Biotech-Investment mit klinischen Projekten und einem Fokus auf Onkologie-Wirkstoffen sieht. Was sind die Kernpunkte dieser Wandlung, was macht NOXXON heute anders als in der Zeit zuvor?

  • Wie bei den meisten kleinen Biotechnologieunternehmen war es wichtig, unsere Ressourcen zu bündeln und nicht auf zu viele Aktivitäten zu verteilen. Wir haben uns dafür entschieden, all unsere Kraft in unsere klinischen Krebsprogramme zu stecken, weil wir glauben, dass diese Programme das Potential haben, die Effektivität sowohl von neuartigen Krebsbehandlungen als auch von traditionellen Therapien wie Chemo- und Strahlentherapie wesentlich zu steigern. Darüber hinaus besteht ein immenser Bedarf an Therapien, die Krebspatienten dabei helfen, besser und länger zu leben. Wir glauben außerdem, dass die klinischen Programme, auf die wir uns konzentrieren, unser Unternehmen finanziell absichern und unseren Aktionären schneller eine Investitionsrendite einbringen als die Arbeit auf Programmen oder Bereichen in frühen Stadien, bei denen der Bedarf an neuen Behandlungen weniger drängend ist.

 

Sie verfolgen einen neuen Ansatz zur Tumorbehandlung. Wo liegen die Unterschiede zu anderen Wegen der Krebsbehandlung, wo die Vor- und Nachteile?

  • Ein besonderer Aspekt unseres Ansatzes liegt darin, dass er konzipiert wurde, um andere Krebsbehandlungen zu ergänzen und nicht, um mit ihnen zu konkurrieren. Unsere Programme zielen auf die TME ab, einschließlich der Blutgefäße, Immunzellen, Fibroblasten, Signalmoleküle wie Chemokine und der extrazellulären Matrix. Da die entscheidende Rolle der TME in der Krebsbiologie zunehmend etabliert ist, denken wir, dass die TME ein ideales Ziel für die Entwicklung neuer Therapien gegen Krebs ist. So können unsere Ansätze in Kombination mit anderen Krebstherapien besonders wirksam Tumore bekämpfen und Patienten helfen.

 

Wie funktioniert das genau?

  • Chemokine wie etwa CXCL12, das Zielmolekül unseres Hauptprogrammes NOX-A12, schaffen eine für das Tumorwachstum und die Tumormetastasierung ideale Mikroumgebung. CXCL12 unterstützt zum Beispiel bestimmte solide Tumore bei der Bildung einer schützenden biochemischen Mauer, die den Eintritt von Abwehrzellen des Immunsystems, vor allem von Tumorzellen abtötenden T-Zellen, verhindert. NOX-A12 hat das Potential, diese Mauer zu zerstören und die T-Zell-Ausgrenzung zu überwinden, was den T-Zellen den Zugang zum Tumor ermöglicht. Nur wenn die Immunzellen bis zu den Tumorzellen vordringen, können auch moderne immunonkologische Ansätze wie die Checkpoint-Inhibitoren wirken. Unser Ziel ist es mit Hilfe unserer Wirkstoffe das gesamte Potential immunonkologischer Ansätze zu entfesseln. Mit Hilfe unserer Spiegelmer-Technologie sind wir in der Lage, neue Medikamentenkandidaten zu entwickeln, die an zwei Schlüsselpositionen von Chemokinen binden können, um deren Aktivität zu beeinflussen. So kann das Immunsystem die Krebszellen wieder anvisieren, erkennen und zerstören. Die Spiegelmer-Technologie eignet sich hervorragend für die Erzeugung von „best-in-class“-Produkten für diese wichtige Art von Zielmolekülen für die TME.

 

Ihr wichtigstes Einzelprojekt ist der bereits angesprochene Wirkstoff NOX-A12, der gemeinsam mit dem US-Konzern Merck unter anderem in der Behandlung von Patienten erprobt wird, die an metastasierendem Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs leiden. Wie sieht der Zeitplan der gerade gestarteten klinischen Phase I/II-Studie aus? Welche Ziele soll diese Studie erreichen?

  • Die Unterzeichnung des Vertrags mit Merck/MSD zum Jahresende 2016 zur Zusammenarbeit unserer beiden Unternehmen bei dieser klinischen Studie hat uns sehr gefreut. Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sind Tumorarten, die normalerweise nicht auf eine Checkpoint-Inhibitor-Monotherapie ansprechen. Ziel der Studie ist zum einen die Untersuchung der Sicherheit von NOX-A12 in einer Monotherapie. Untersucht wird deshalb der Effekt auf die Tumor-Mikroumgebung, einschließlich der Infiltration von Immunzellen in Tumore sowie bestimmter Marker-Moleküle der Immunantwort. Zudem gilt es, die Sicherheit und Wirksamkeit von NOX-A12 in Kombination mit Keytruda, einem Checkpoint-Inhibitor von MSD, zu evaluieren. Beide Unternehmen haben beim Design dieser klinischen Studie eng zusammengearbeitet. Die Studie besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil erhalten die Patienten NOX-A12 als Monotherapie für zwei Wochen, gefolgt vom zweiten Teil – einer Kombinationstherapie mit NOX-A12 und Keytruda für bis zu zwei Jahre. Die Open-Label-Studie soll insgesamt zwanzig Patienten einschließen, jeweils zehn Patienten mit Darmkrebs und zehn Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Wichtig ist, dass wir nur solche Patienten einschließen, die nicht auf eine Monotherapie mit dem Arzneimittel von Merck ansprechen. Wenn die Patienten in unserer Studie auf die Kombinationstherapie ansprechen, müsste diese Wirkung auf die Gabe von NOX-A12 zurückzuführen sein. Erste Daten für alle 20 Patienten aus dem ersten Studienteil sollen im zweiten Quartal 2018 vorliegen und Daten über anfängliche Ansprechraten im vierten Quartal 2018.

 

Sind die Arbeiten an dieser klinischen Studie und anderen Projekten aufgrund des Finanzierungsdeals mit dem Investor YA II PN Ltd. erst einmal durchfinanziert?

  • Wir glauben, dass der Mindestbetrag von 3,5 Millionen Euro, den wir vom Investor Yorkville Advisors Global YA II PN erhalten, ausreicht, um Teil eins der Studie vollständig und Teil zwei mit der Mehrheit der Patienten abzuschließen. Die Rekrutierungsrate von Patienten durch das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg, wo die Studie durchgeführt wird, ist ein wichtiger Faktor dafür, wie weit die zugesagten Mittel für die Studie reichen. Bisher sind wir mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden. 

 

Wie hoch ist aktuell etwa der monatliche Cashburn von NOXXON, wo nun die klinische Studie begonnen hat?

  • In unserer Guidance haben wir eine durchschnittliche monatliche Cashburn-Rate von ca. 350 TEUR für 2017 festgelegt, einschließlich der Phase I/II-Studie. Wir liegen im Plan. 

 

Benötigt NOXXON auf absehbare Zeit weitere Gelder für andere Aktivitäten, zum Beispiel für das Projekt NOX-E36?

  • In der Tat benötigen wir neue Mittel zur Initiierung einer ersten klinischen Krebsstudie für NOX-E36 (Emapticap Pegol) bei soliden Tumoren und um das Potential von NOX-A12 in weiteren Krebsarten auszuloten. Es liegen uns überzeugende Daten vor, die darauf hindeuten, dass das Programm erhebliche Bedeutung haben könnte. Zum Beispiel sehen wir, beruhend auf einer Zusammenarbeit mit einer Gruppe an der Stanford Universität in Kalifornien, ein starkes Potential von NOX-A12 bei der Behandlung von Glioblastom, einem sehr aggressiven und zerstörerischen Hirntumor.

 

Welche nächsten Schritte sind für NOX-E36 geplant?

  • NOX-E36 bindet und neutralisiert ein CCL2 (MCP-1) genanntes Protein sowie drei andere nah verwandte Chemokine. CCL2 ist mitverantwortlich dafür, dass Tumore sich ausbreiten und von der Immunabwehr nicht erkannt werden. Die Sicherheit und Verträglichkeit von NOX-E36 und seine Aktivität gegenüber relevanten Zelltypen wurden in mehreren Phase I-Studien und einer Phase II-Studie in einer nicht-onkologischen Indikation getestet. Aufgrund dieses guten Datensets planen wir, mit NOX-E36 bald in eine Phase II-Studie in einer Krebsindikation zu starten. Dieser Plan wurde bisher aber noch nicht ausführlich besprochen.

 

Ihre Spiegelmer-Aktivitäten haben Sie Anfang 2017 an die Aptarion biotech AG abgegeben, neben einer Einmalzahlung und Lizenzgebühren haben Sie eine Beteiligung an der Gesellschaft als Gegenleistung erhalten. Welche Entwicklungen sind seitdem zu verzeichnen, womit ist in der nächsten Zeit zu rechnen?

  • Wir haben uns sehr über die reibungslose Übernahme der präklinischen Programme durch Aptarion gefreut. Die Kollegen von Aptarion haben in vielen Bereichen gute Fortschritte erzielt und wir werden dies sicher zum richtigen Zeitpunkt gerne mit ihnen erörtern. Wir geben keine Guidance zu weiteren Entwicklungen heraus.

 

NOXXONS Aktie ist seit September 2016 an der Pariser Börse notiert. Wie kam es dazu, dass Sie den Weg an den französischen Aktienmarkt gewählt haben und warum wurde letztlich auf ein IPO verzichtet?

  • Aus Finanzierungsgründen war es für uns damals wichtig, an die Börse zu gehen, und die Alternext (jetzt Euronext Growth) war der schnellste und einfachste Weg dies zu tun. Unser kürzlich durchgeführter Transfer in das öffentliche Angebotssegment der Börse sollte den Zugang zu und den Handel mit unseren Aktien für private und institutionelle Investoren verbessern und die Liquidität der NOXXON-Aktien auf dem Euronext Growth-Markt nachhaltig steigern. Dieser Transfer ist der letzte Schritt in einer Reihe von komplexen Maßnahmen, die unsere Umwandlung von einem Technologie-Plattform-Unternehmen zum klinischen Entwickler von Krebsmedikamenten kennzeichnet. Zur Börseneinführung sei gesagt, dass das Finanzierungsklima Ende 2015 und Anfang 2016 schwierig war, und ich glaube, dass die Investoren vor ihrem Einstieg sehen wollten, ob wir die Neuorientierung auf Krebstherapien auch umsetzen können. Wir möchten den Investoren zeigen, dass die neu organisierte NOXXON eine gut geführte und fesselnde Geschichte im Bereich Tumor-Mikroumgebung bietet.

 

Haben Sie nach dem jüngsten Segmentwechsel in Frankreich und mit den Fortschritten bei den Medikamentenprojekten im Rücken nun auch einen Börsengang in Frankfurt oder anderswo im Sinn?

  • Der deutsche Markt ist für uns von erheblicher Bedeutung. Es muss nicht notwendigerweise eine Notierung sein, aber mit Sicherheit eine Stärkung unserer IR-Aktivitäten.

 

Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreet:online und www.4investors.de.

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