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Citi-Investmentbarometer Euphorie an den Märkten

Gastautor: Dirk Heß
27.10.2017, 17:05  |  2274   |   |   

Ob Aktien, Gold oder Öl – Anleger sind zuversichtlich, dass sich die Kurse weiter nach oben bewegen. Dies geht aus der aktuellen Erhebung des Citi-Investmentbarometers hervor.

Etwas weniger als die Hälfte (45 Prozent) der befragten Teilnehmer erwartet in den kommenden drei Monaten steigende Kurse europäischer Aktien. Im Vergleich zum Vorquartal, als noch nicht einmal jeder Dritte (32 Prozent) von steigenden Aktiennotierungen ausging, bedeutet dies eine merkliche Zunahme der Erwartungen. Ein Grund für den jüngsten Optimismus könnte der gegenwärtige Aufschwung in der Weltwirtschaft sein, der auf breiter Front erfolgt. Während die Aktienkurse in den vergangenen Jahren häufig von der Nullzinspolitik der Notenbanken getrieben wurden, dürfte die aktuell gute fundamentale Lage vieler Unternehmen die Anlegerlaune beflügeln. Nicht nur für die kommenden Wochen, sondern auch mittelfristig zeigt sich, dass die Anleger guten Mutes sind: Für die nächsten zwölf Monate gehen mehr als 61 Prozent von steigenden Kursen an den europäischen Märkten aus. Auch die Anläufe des DAX auf die Marke von 13.000 Punkten während des Erhebungszeitraums (Mitte bis Ende September) dürften die Umfrageteilnehmer in ihrer positiven Stimmung bestärkt haben.

Noch ausgeprägter ist die Zuversicht bei Gold – zumindest kurzfristig: Derzeit glaubt weit mehr als die Hälfte der Befragten (62 Prozent), dass der Kurs des Edelmetalls in den nächsten drei Monaten anziehen wird. Im Vorquartal ging noch weniger als die Hälfte (47 Prozent) von einer solchen Entwicklung aus. Auf Zwölf-Monatssicht erwartet etwa die Hälfte (53 Prozent), dass es mit dem gelben Metall bergauf geht. Dass Anleger auf lange Sicht dem Goldpreis weniger Aufwärtspotenzial zutrauen, mag auch damit zusammenhängen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in den kommenden Jahren möglicherweise ihre ultralockere Geldpolitik zurückfährt. Erfüllt sich dieses Szenario, dürfte das allgemeine Zinsniveau wieder steigen, wodurch Goldinvestments unattraktiver werden, da sie keine Zinsen abwerfen.

Auch Rohöl, das neben Gold der meist gehandelte Rohstoff an den Börsen ist, hat aus Sicht der befragten Marktteilnehmer noch Luft nach oben. Immerhin 40 Prozent der Befragten erwarten für die kommenden drei Monate steigende Ölnotierungen. Im Quartal zuvor sah dies noch ganz anders aus: Damals rechneten lediglich 26 Prozent mit einem Aufwärtstrend. Aktuell gehen aber die meisten Umfrageteilnehmer (46 Prozent) von seitwärts laufenden Kursen aus – dies gilt auch für die mittelfristige Markterwartung von zwölf Monaten (47 Prozent). Die Frage, wie sich das schwarze Gold künftig tatsächlich entwickelt, bleibt schwer zu beantworten. Einerseits ist der Ölmarkt gut versorgt – das spricht nicht für steigende Preise. Andererseits könnten die geopolitischen Risiken im Iran (Spannungen mit den USA über das Atomabkommen) und im Irak (Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im kurdischen Teil des Nordirak) für Preisausschläge nach oben sorgen.

Im Gegensatz zu den genannten Anlageklassen erwarten die wenigsten Anleger Aufwärtsbewegungen des europäischen Zinsmarkts. Für die kommenden drei Monate geht lediglich jeder Fünfte (19 Prozent) von steigenden Zinsen in Europa aus. Der Großteil (78 Prozent) hingegen glaubt, dass sich das Niedrig- bzw. Nullzinsniveau so schnell nicht verändern wird. Mittelfristig sieht dies allerdings wieder anders aus: 44 Prozent rechnen mit steigenden Zinsen für die kommenden zwölf Monate und 54 Prozent gehen von einer Seitwärtsbewegung aus.

Insgesamt sind die Anleger deutlich optimistischer für Aktien, Gold und Öl als noch im zweiten Quartal. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Gesamt-Sentiment wider, das die Einschätzungen von Aktien, Öl, Zinssatz und Gold aggregiert und Werte von -100 bis +100 Punkten einnehmen kann: Es ist im dritten Quartal 2017 auf +36 Punkte angestiegen; im Vorquartal waren es nur +25 Punkte. Dass gleich drei der abgefragten Anlageklassen in der Gunst der Anleger so deutlich steigen, ist in der Geschichte der Erhebung des Citi-Investmentbarometers selten vorgekommen. Dies zeigt, dass viele Anleger wohl tendenziell von einer flächendeckenden Asset Price Inflation auszugehen scheinen – trotz der Anzeichen, die auf eine nahende Beendigung der Notenbankprogramme hindeuten.

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