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Rückblick 2017 und Ausblick 2018 für den Goldsektor

Gastautor: w:o Gastbeitrag
09.01.2018, 11:29  |  2070   |   |   

Gold beendete das Jahr 2017 mit einer starken Rallye, die 1.300 US-Dollar pro Unze durchbrach und auch in der ersten Woche des Jahres 2018 solide Gewinne verzeichnete.

Während 2017 ein Jahr der Konsolidierung mit Reformen und moderatem Wachstum für den Goldsektor war, zeigen die jüngsten Goldgewinne, dass das wirtschaftliche Umfeld nach wie vor sehr unterstützend ist, insbesondere aufgrund niedriger Realzinsen, eines schwächeren US-Dollars und steigender Staatsschulden, sowie in Folge eines erhöhten finanziellen Risikos in überbewerteten Aktienmärkten und einer unverändert volatilen geopolitischen Landschaft.

Viele Goldproduzenten haben die Kapitaldisziplin verbessert, Managementreformen durchgeführt und sich im letzten Jahr stärker auf die Renditen für die Aktionäre konzentriert. Das Ergebnis war, dass der Goldaktiensektor seit längerem investierbarer geworden ist, jedoch war die Titelauswahl angesichts der unterschiedlichen Performance der Goldbestände im Jahr 2017 von entscheidender Bedeutung.

Alle Faktoren zusammengenommen, sind wir der Auffassung, dass sich 2018 durchaus zu einem „Klassiker“-Jahr sowohl für Gold, als auch für Goldaktien entwickeln könnte.

Rückblick 2017

Gold- und Goldaktien: Konsolidiertes Wachstum

Im Zuge einer Erholung des Sektors stieg der Goldpreis 2017 in US-Dollar um + 13,1%, fiel aber in Euro aufgrund eines stärkeren Euro um -0,8%. Goldaktien rentierten im Jahresverlauf + 11,8% in US-Dollar und fielen in Euro -1,9% (Euromoney Global Gold Index). Nach der starken Performance im Jahr 2016 haben Goldaktien in den letzten zwölf Monaten Anzeichen einer Konsolidierung gezeigt, wobei die gemischte Performance die Notwendigkeit unterstrich, sich auf Qualitätsunternehmen zu konzentrieren, die in der Lage
sind, starke Margen zu erzielen.

Gold trat im Dezember 2015 nach einem fünfjährigen Bärenmarkt in eine Erholungsphase ein und hat in den folgenden zwei Jahren in US-Dollar gerechnet rund 23,0% zugelegt. Zu den Treibern des Goldmarktes gehörten die anhaltend niedrigen Realzinsen und die akkommodierende Geldpolitik der Zentralbanken weltweit, das Ende der zyklisch bedingten US-Dollar-Festigung und die Unsicherheit über die globalen wirtschaftlichen und geopolitischen Aussichten. Diese Faktoren zeigen nur wenige Anzeichen einer Abschwächung. Die Realzinsen (repräsentiert durch die US 10y TIPS Rendite) blieben im Jahr 2017 trotz dreier Zinserhöhungen durch die USNotenbank nahezu unverändert, während die Aussicht auf ein wachsendes US-Defizit und steigende Staatsschulden den US-Dollar weiter unter Druck setzen wird. Darüber hinaus sind Käufe von physischem Gold stark geblieben, da Anleger, die nach Diversifizierung suchen, ihr Engagement in einem unterbewerteten Sektor weiter ausgebaut haben. Insbesondere die Nachfrage nach Münzen, Barren und Gold-ETFs in Europa hat sich unter der Führung Deutschlands verstärkt, da der verbesserte Zugang zu Gold-Finanzinstrumenten, vergleichsweise niedrige Goldpreise und die weiterhin wirtschaftliche Unsicherheit die Nachfrage weiter ankurbeln.

Während Gold und ausgewählte Goldproduzenten im Laufe des Jahres insgesamt etwas zulegen konnten, haben der Goldsektor und Realwerte im Allgemeinen weniger Aufmerksamkeit von den Anlegern erhalten als 2016, hauptsächlich aufgrund der lebhaften allgemeinen Aktienmärkte und der sogenannten "Risk-on"- Stimmung. Steigende Aktienmarktindizes und Bewertungen von Finanzanlagen dominierten den Fokus der Marktteilnehmer. Keine Anlageklasse hat dies im Jahr 2017 mehr vorgemacht als Kryptowährungen, allen voran Bitcoin, das aufgrund seiner dramatischen Preisvolatilität und eines spektakulären Anstiegs, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2017, eine Faszination von Medien, Investoren und der breiten Öffentlichkeit hervorgerufen hat.

Die "neue Normalität" stetig steigender Aktienmärkte, geringe Volatilität und Optimismus haben bei Anlegern unter Umständen zu Selbstzufriedenheit geführt und Spekulationen angeheizt.

Industrieländer weltweit haben im Jahr 2017 eine Welle des wirtschaftlichen Optimismus erlebt. Beginnend bei verbesserten Aussichten für das US-Wachstum und die Unternehmensprofitabilität nach Trumps Wahl Ende 2016, die steigende Ausgaben und Steuersenkungen versprach, über ein Wiederaufleben der wirtschaftlichen Geschicke Europas, unterstützt durch die Reformen von neu ins Amt gekommenen Präsident Macron, bis zu dem stetigen Wirtschaftswachstum in Deutschland, hatten Anleger Grund zur Zuversicht. Das Jahr 2017 war außerdem von Rekordbewertungen an den Aktienmärkten geprägt, insbesondere in den USA, wo Anleger Unsicherheiten eines unberechenbaren Präsidenten, Zweifel an einem über 2018 hinausreichenden global synchronisiertem Wachstums und Risiken für den internationalen Handel durch die weltweit steigende populistische Stimmung aus dem Weg räumten. Dies ging einher mit der niedrigsten Volatilität an den Aktienmärkten (VIX Index) seit Aufzeichnungen begannen, was eine gewisse Selbstzufriedenheit bei Investoren auslöste.

Optimismus verdrängte Risikobewusstsein letztes Jahr

Trotz der häufigen Warnungen von Marktteilnehmern und Kommentatoren von "Blasen", die sich in einer Reihe von finanziellen Vermögenswerten entwickeln könnten, scheint der Anlegeroptimismus unbeirrt zu sein. Wir sind der Ansicht, dass diese Selbstzufriedenheit der Anleger zumindest teilweise auf die jahrelangen Eingriffe von Zentralbanken und politischen Entscheidungsträgern in die Finanzmärkte seit der globalen Finanzkrise zurückzuführen ist. Die wahrgenommene Bereitschaft der Zentralbanken, in Zeiten von Stress über die Finanz- und Geldpolitik ihre Wirtschafts- und Binnenmärkte zu stützen, stellt einen scheinbaren Notanker für die Märkte dar, was den Optimismus verstärkt und die Risikobereitschaft vermutlich erhöht hat. Angesichts der derzeitigen finanziellen Risiken scheint es wahrscheinlich, dass diese Geisteshaltung in nicht allzu ferner Zukunft getestet wird.

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