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Die Renaissance des Antikapitalismus: 6 Thesen

Gastautor: Rainer Zitelmann
30.10.2019, 17:38  |  1801   |   |   

Auf dem „Forum Freiheit“ der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft am 30. Oktober 2019 habe ich sechs Thesen zur Renaissance des Antikapitalismus vorgestellt:

 

1. Der Antikapitalismus feiert weltweit eine Renaissance. In den 80er-Jahren war die Zeit von Ronald Reagan, Maggi Thatcher und Deng Xiaoping. Sie alle reformierten ihre Länder in Richtung „mehr Kapitalismus“. Der Kontrast heute könnte nicht größer sein. Bernie Sanders und Elizabeth Warren in den USA, Jeremy Coybyn und John McDonnell in Großbritannien, die Enteignungs-Debatte in Deutschland, die scharfe Linksentwicklung der SPD und die Stärke des grünen Antikapitalismus sind Beispiele für Stärke und Radikalität des Antikapitalismus. Tony Blair, Bill Clinton und Gerhard Schröder hätten in ihren Parteien heute keine Mehrheit mehr. Insbesondere seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 gewinnt der Antikapitalismus wieder an Stärke. Die Finanzkrise wird von Intellektuellen, Medien und Politik als Beleg für eine Krise des Kapitalismus und als Ergebnis von Deregulierung und „Marktradikalismus“ bewertet. Doch das ist eine Fehldeutung, wie ich in meinem Buch „Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ zeige.

 

2. Im intellektuellen Bereich ist der Erfolg der Bücher von Thomas Piketty ein Beleg für die Stärke des Antikapitalismus. Im Fokus der Kritik stehen bei ihm „die Reichen“. Sein Rezept: Eine weltweite, hohe Reichensteuer, massive Umverteilung. „Die Reichen“ werden zu Sündenböcken für alle gesellschaftlichen Fehlentwicklungen gemacht. Ich habe bei Allensbach und Ipsos Mori eine Umfrage in den USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich zur Einstellung der Bevölkerung gegenüber Reichen. Eine Frage diente dazu, herauszufinden, wie anfällig die Menschen in den vier Ländern für Sündenbockdenken sind. Den Befragten wurde folgende Aussage vorgelegt: „Superreiche, die immer mehr Macht wollen, sind schuld an vielen Problemen auf der Welt, z.B. an Finanzkrisen oder humanitären Krisen.“ In Deutschland ist die Zustimmung zu dieser Meinung mit 50 Prozent doppelt so hoch wie in Großbritannien und den USA (25 bzw. 21 Prozent). Das lässt vermuten, dass sich Aggressionen gegen Reiche und die Bereitschaft der Politik, gegen diese vorzugehen, in einer akuten Finanz- oder Wirtschaftskrise in Deutschland eher mobilisieren ließen als in den angelsächsischen Ländern.

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