Im Bann des Virus Auf welche ausgebombten Rohstoff-Aktien Warren Buffett und Carl Icahn setzen

21.04.2020, 16:22  |  88846   |   |   

Das Coronavirus zwingt die Konjunktur und damit auch die Rohstoffe in die Knie. Statt kollektiv einen Bogen um die Branche zu machen, sollten Anleger daher selektiv vorgehen. Unser sehr geschätzter Smart-Investor-Kollege Christoph Karl hat sich zwei Werte genauer angesehen.

Wenn China niest, bekommen die Rohstoffmärkte einen Schnupfen. Fängt sich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt das neuartige Coronavirus ein, droht der gesamten Weltwirtschaft ein Klinikaufenthalt. Jahrelang wurden die Rohstoffmärkte von der Nachfrage aus dem Reich der Mitte getragen – die harte Landung der chinesischen Volkswirtschaft macht daher insbesondere den globalen Minen- und Rohstoffgiganten zu schaffen.

Zwar laufen die Fabriken im Fernen Osten langsam wieder an; nun stehen jedoch Europa und die USA im Zentrum der Corona-Pandemie, und zwar mit bislang schwer abzuschätzenden Folgen für die Industrie und deren Rohstoffnachfrage. Parallel dazu kam es beim Öl auch noch zu einem Angebotsschock, da Saudi-Arabien seine Ölschleusen gerade in der Krise weiter aufgedreht hat. Die Zeiten sind zweifelsohne herausfordernd für Rohstoffinvestoren. Wer genau hinsieht, kann bei einzelnen ausgebombten Titeln jedoch Value erkennen. Eine Auswahl solcher Aktien wollen wir Ihnen vorstellen.

Schwarzes Gold mit Hebelwirkung

Nach dem jüngsten Kursabsturz auf ein 17-Jahres-Tief ist die Aktie von Occidental Petroleum so etwas wie ein Optionsschein auf den Ölpreis und das Überleben der US-Frackingindustrie: Nach der Übernahme des Konkurrenten Anadarko für 58 Mrd. USD im vergangenen Jahr sitzt das Unternehmen auf einem riesigen Schuldenberg (38,5 Mrd. USD) und ist nun mit dem rapiden Rückgang der Umsätze konfrontiert. Occidental ist der größte Fracker im Permian Basin, einem der größten unkonventionellen Ölvorkommen der USA.

Das Management hat auf die Krise mit dem Zusammenstreichen der Investitionspläne und der Kürzung der Dividende von 0,79 USD auf 0,11 USD im Quartal reagiert. Dass überhaupt eine Dividende bezahlt wird, dürfte auch an einem prominenten Großaktionär liegen: Warren Buffetts Berkshire Hathaway hatte erst im vergangenen Jahr 10 Mrd. USD in eine dafür neu kreierte Vorzugsaktie investiert. Diese ist mit einer fixen Dividende von 8% ausgestattet (in Cash oder in Aktien bezahlbar), frühestens in zehn Jahren zurückzuzahlen und beinhaltet zehn Jahre lang die Option, Occidental-Aktien über 5 Mrd. USD zum Kurs von 62,50 USD zu erwerben.

Nach Buffetts Aussagen war dies bei einem Ölpreis von damals 66 USD je Barrel eine langfristige Wette auf denselben. Eine umso attraktivere Wette dürfte die Aktie bei einem Kurs von aktuell 10 USD sein. Mit einem Hedge sichert sich das Unternehmen temporär einen Ölpreis von knapp 30 USD je Barrel – und dürfte damit dennoch schwerlich schwarze Zahlen liefern. Der Hebel ist jedoch enorm, wenn Saudi-Arabien und Russland ihre Spielchen einstellen, da sie selbst zu sehr unter den niedrigen Ölpreisen leiden. Zwar besteht keine Garantie dafür – im Fall einer drohenden Insolvenz ist jedoch damit zu rechnen, dass Berkshire an den Konditionen seiner Finanzierung etwas ändert oder sogar frisches Geld nachschießt.

Occidental Petroleum

Diesen Gedanken teilt offenbar auch Wall-Street-Legende Carl Icahn, der seine Beteiligung am Unternehmen in den letzten Tagen auf 10% aufgestockt und damit fast vervierfacht hat. Eigenen Auskünften zufolge hält sich Icahn alle Optionen offen. Auch eine Übernahme des Unternehmens ist damit im Bereich des Denkbaren.

Ölpreisprofiteur mit interessanten Ressourcen

Des einen Leid, des anderen Freud: Während die globalen Ölkonzerne unter dem Überangebot leiden, zählt der Ölpreis für die meisten Gold- und Silberminen zu den wichtigsten Kostenfaktoren – so auch bei Pan American Silver (IK). Zwar hat das Unternehmen Silber im Namen stehen; der Schwerpunkt der Förderung liegt mit einem Anteil von mehr als 50% aktuell aber bei Gold. Wegen des hohen Silberexposures, vor allen bei den vorhandenen Ressourcen, wurde die Aktie parallel zu dessen Kursrückgang deutlich abgestraft.

Die Cashkosten lagen 2019 im Konzern bei rund 6,40 USD je Unze Silber und 712 USD je Unze Gold. Auch zum heutigen Silberpreis erzielt das Unternehmen daher eine ordentliche Marge. Grob geschätzt dürfte allein der Ölpreis 10% bis 15% tiefere Cashkosten zur Folge haben, sodass die Cashflows trotz des reduzierten Silberpreises lediglich wenig unter Druck geraten dürften. Neben einer extrem günstigen Bewertung (ein geschätztes KGV von knapp neun und eine Free-Cashflow-Rendite von mehr als 15% anno 2021) besticht das Unternehmen mit enormen Ressourcen und einer extrem langen Lebensdauer der Minen im Portfolio.

Pan American bringt es auf 557 Mio. Unzen Silber der Kategorie „Proven & Probable“ sowie weitere 797 Mio. Unzen der Sorte „Measured & Indicated“, eine Lebensdauer von 22 bzw. 52 Jahren. Darin ist das Navidad-Projekt in Argentinien noch nicht einmal enthalten, das weitere 630 Mio. Unzen der Kategorie Measured & Indicated auf die Waage bringt. Allerdings hängt Pan American hier am Willen der lokalen Politik, das größte unentwickelte Underground-Silberprojekt der Welt in die Produktion zu bringen.

Pan American Silver

Ähnlich sieht es bei der abrupt stillgelegten Escobal-Mine in Guatemala aus, die Pan American 2018 im Zuge der Übernahme von Tahoe Resources übernommen hat. Als diese Mine noch in Betrieb war, produzierte sie bis zu 20 Mio. Unzen jährlich zu Cashkosten von 8 bis 9 USD je Unze. Eine Wiederaufnahme der Produktion würde daher einen zusätzlichen Cashflow von bis zu 80 Mio. USD oder knapp 0,40 USD je Aktie beisteuern. Mit einer Beteiligung von 2,1% des Managements am eigenen Unternehmen sticht Pan American innerhalb dieser Branche positiv hervor.

Autor: Christoph Karl, Smart Investor

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(Dieser Artikel aus der Smart Investor-Ausgabe 04/20 bezieht sich auf Daten, die bis zum 20.03.2020 erfasst wurden.)



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