Schwergewichte der Schweizer Wirtschaft Schweizer Finanzexperte Spieler: “Roche gehört in jedes Depot” – aber auch Versicherer derzeit günstig zu haben

22.05.2020, 09:29  |  21680   |   |   

Die Pharmabranche ist für die Schweiz, was die Autoindustrie für Deutschland ist: Ein Eckpfeiler der Wirtschaft. Aufgrund der Corona-Pandemie steht die Branche zurzeit besonders im Fokus. Dank der Schweizer Pharma-Schwergewichte verbuchten die Eidgenossen im ersten Quartal sogar ein kleines Exportwachstum von einem Prozent. Doch die einzige Branche, die in den ersten drei Monaten zulegen konnte, war die chemisch-pharmazeutische.

Die chemisch-pharmazeutischen Exporte stiegen erstmals über die Marke von 30 Milliarden Franken. Ganz vorne mit dabei ist Roche. Anfang Mai hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beim Besuch des Roche-Standortes im oberbayrischen Penzberg angekündigt, dass ab sofort monatlich mehrere Millionen Antikörpertests des Schweizer Unternehmens an deutsche Gesundheitseinrichtungen geliefert werden. 

Doch nicht nur der Marktführer macht Schlagzeilen. Welche weiteren Schweizer Aktien einen Blick wert sind, erklärt der unabhängige Finanzexperte Martin Spieler im Gespräch mit der wallstreet:online Zentralredaktion. 

wallstreet:online: Die Pharmabranche gilt als Zugpferd für die Schweizer Wirtschaft. Kann die Schweiz in der Corona-Pandemie von dieser Sonderstellung profitieren?

Martin Spieler: Der Schweizer Leitindex SMI ist stark geprägt von den Börsenschwergewichten Roche und Novartis. Dazu kommt noch Nestle, die inzwischen auch stärker in den Gesundheitssektor reingehen. Allgemein kann man deshalb sagen, dass das Thema Gesundheit den Schweizer Aktienmarkt stark beeinflusst.

Wir haben seit dem Crash im März an der Schweizer Börse eine tolle Erholung gesehen. Für mich waren die Kurse, die wir während der Korrektur gesehen haben, alles gute Gelegenheiten zum Einstieg. Ich glaube aber auch, dass wir noch weitere gute Chancen zum Einstieg sehen werden. Denn ich traue dieser Erholung noch nicht. Das ist meiner Meinung nach zu schnell gegangen und im Ausmaß übertrieben. Wir gleiten momentan in eine Super-Rezession. Da steckt jetzt schon viel Hoffnung drin in den Kursen. Persönlich rechne ich deshalb mit weiteren Kurs-Rückschlägen.

wallstreet:online: Im Schweizer Aktienindex SMI steht derzeit vor allem Roche mit den Corona-Antikörpertests im Fokus. Auch im Corona-Musterdepot von wallstreet:online ist Roche vertreten. Wie ist es aktuell um die anderen großen Pharma-Player der Schweiz bestellt?

Martin Spieler: Roche ist momentan ganz klar ein Leuchtturm. Die haben eine starke Diagnostik-Sparte, die zur Zeit gerade mit den Corona-Tests glänzt. Aber das ist nur ein Teil des Unternehmens. Roche ist auch sehr stark im Bereich Onkologie vertreten. Denn für Corona werden wir zum Glück irgendwann ein Medikament haben. Aber die großen Krankheiten wie Krebs und Herz-Kreislauf-Störungen, die werden bleiben. Und auch da ist Roche sehr stark spezialisiert, die Forschung ist stark auf die Onkologie ausgerichtet. Deshalb gehört Roche nach meiner Auffassung in jedes Depot. An dieser Aktie wird man noch viele Jahre Freude haben.

Man sollte ebenso die beiden anderen großen Pharma-Werte im SMI (Swiss Market Index, Foto) nicht vernachlässigen. Novartis punktet im klassischen Pharmageschäft mit vielen guten Produkten in der Pipeline. Daneben sind sie auch im Generika-Bereich stark vertreten, einem schnell wachsenden Bereich. Lonza, der dritte im Bunde, ist ein klassischer Pharma-Zulieferer. Das Unternehmen kooperiert im Zuge der Corona-Krise mit einer amerikanischen Firma bei der Herstellung eines Impfstoffs. Dadurch ist der Aktienkurs stark gestiegen.

Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE/dpa

wallstreet:online: Welche Werte haben besonders gelitten und sind aktuell einen Blick wert?

Martin Spieler: Es gibt trotz der jüngsten Erholung noch Aktien, die tief bewertet sind, aber trotzdem gute Qualität haben. Da denke ich besonders an die großen Versicherer. Zu den Top-Werten gehört für mich die Swiss Re, die sind neben der Münchener Rück einer der Weltmarktführer bei den Rückversicherern. Auf der anderen Seite haben wir noch die Swiss Life und die Zurich, beide sind ebenfalls weltweit etablierte Player. Und derzeit sind diese Versicherer extrem günstig bewertet, wenn man sich das KGV anschaut. 

wallstreet:online: Kann der starke Pharma-Sektor die Wirtschaft im Falle einer Rezession stützen? Und befürchten Sie, dass im Falle einer neuen Euro-Schuldenkrise der starke Schweizer Franken die Exportwirtschaft ausbremst?

Martin Spieler: Einerseits leiden die Exporte natürlich stark unter dem starken Schweizer Franken, andererseits werden wir auch in der Schweiz durch Corona in eine tiefe Rezession rutschen. Der Pharma-Sektor dominiert den Export und das wird der Wirtschaft in der jetzigen Situation natürlich helfen. 

Aber es ist klar, dass ein starker Franken für die Schweizer Exportwirtschaft eine große Herausforderung ist, weil er eben ein sicherer Hafen ist. Und ich erwarte, dass er noch weiter an Stärke gewinnen wird. Die meisten Unternehmen hatten in der Vergangenheit eine schwierige Zeit mit dem Franken. Aber wir haben auch schon extremere Zeiten durchgemacht. Ich erinnere daran, 1 Euro kostete Mal 1,70 Franken. (Aktuell sind es noch 1,06 Franken.) Die Exportindustrie hat sich davon erholt. Und auch nach der Corona-Krise wird sich die Exportindustrie wieder erholen.

wallstreet:online: Herr Spieler, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion



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