HINTERGRUND AktienSensor: Warum ein schlauer Computer die Wirecard-Aktie seit mehr als einem Jahr links liegen lässt

01.07.2020, 09:07  |  5944   |   |   

Immer wieder haben einige der geschätzten Leser des AktienSensor nachgefragt, warum unser vollautomatisiertes Computersystem seit Anfang 2019 keine Trading-Signale mehr zur Wirecard-Aktie generiert - immerhin sei der (aus heutiger Sicht ehemalige) Shooting-Star im deutschen Leitindex Dax öfters einen Trade wert. Die Antwort lag und liegt in den Tiefen der Künstlichen Intelligenz, gepaart mit konsequenter Emotionslosigkeit eines selbstlernenden Algorithmus. Im nachfolgenden Beitrag gehen wir auf den Dauerbrenner unter den Leserfragen ein - und erläutern, was es mit aktuell 1.300 Prozent Buzz für die Wirecard-Aktie auf sich hat.

Vorweg: Wirecard ist in der Liste der Trading-Signale des AktienSensor Deutschland keineswegs ein unbeschriebenes Blatt. Ganze acht Mal hat unser vollautomatisiertes Computersystem seit Start im April 2014 die Aktie des Zahlungsdienstleisters in das überaus erfolgreiche Musterdepot des AktienSensor aufgenommen. Allerdings liegt das (bis auf eine Ausnahme) schon weit zurück. Im Jahr 2016 gab es ganze sieben Trading-Signale auf Wirecard - und dann nochmals eines Anfang 2019. Die Bilanz der Long- und Short-Positionen ist in Summe positiv: Einem Ausreisser (-17 Prozent in 2016) stehen einige kleinere Verluste und Gewinne sowie ein starker Trade mit +28,2 Prozent innerhalb von nur einer Woche entgegen (Short-Position Ende März 2019). Doch seit Anfang April 2019 hat das vollautomatisierte Computersystem des AktienSensor die Wirecard-Aktie konsequent links liegen gelassen, obwohl der Titel in den Monaten darauf immer stärker in den Fokus von Anlegern, Analysten und schließlich auch Zockern geraten ist. Um zu verstehen, warum Wirecard seit mehr als einem Jahr keine Rolle mehr im Musterdepot des AktienSensor Deutschland gespielt hat, gehen wir nochmals kurz auf die Methodik ein. Seit mehr als zehn Jahren durchforstet unser vollautomatisiertes Computersystem Tag für Tag das Internet nach Meinungen, Kommentaren und Tweets von Anlegern. Intelligente, selbstlernende Algorithmen verarbeiten diese gigantische Datenmenge und verdichten diese Stimmungs-Daten (neudeutsch: Sentiment). Aus einer Vielzahl von Einzelmeinungen können wir so sehen, wie die Anleger aktuell zu jedem Aktien-Titel eingestellt sind (eher bullish oder bearish - das zeigt das Stimmungsbarometer anhand des Sentiment) oder ob eine Aktie in den Fokus der Marktteilnehmer rückt (oder schlicht ignoriert wird; das können wir anhand der Kommunikationsstärke ablesen - auch hier gibt es ein neudeutsches Wort, den Buzz). Aus aktuellem Sentiment und Buzz, in Kombination mit historischen Stimmungsdaten und Aktienkursen sowie nach komplexen Berechnungen (täglich etliche Millionen Rechenoperationen) kann das vollautomatisierte Computersystem diejenigen Aktien herausfiltern, die auf Basis der breiten Anlegermeinung besonders starke Kursschwankungen erwarten lassen - sowohl long als auch short. Das sind dann die Trading-Signale, die seit April 2014 den Abonnenten des AktienSensor immer mittwochs per Eilmeldung zugestellt werden. Seit Anbeginn übrigens mit durchschlagendem Erfolg, das Musterdepot des AktienSensor verzeichnet eine kumulierte Performance von +185 Prozent - im selben Zeitraum stieg der Dax um +22 Prozent, der EuroStoxx 50 verzeichnete in den vergangenen, etwas mehr als sechs Jahren ein leichtes Minus von -4 Prozent (Stand: 31. Mai 2020).Nach der Theorie nun die Praxis: Um dauerhaft Trading-Signale zu generieren, die trotz der an der Börse unvermeidlichen Verluste in Summe eine gute Performance erzielen können, bedarf es klarer Stimmungsdaten und -trends. Und genau dies war (und ist) das Problem der Wirecard-Aktie: In den Jahren 2017 und 2018, insbesondere aber seit April 2019, kam es im Sentiment zu Wirecard immer wieder zu massivsten Verwerfungen, auf deren Basis keine zuverlässigen Trading-Signale generiert werden konnten. Knapp zusammengefasst: Hinsichtlich der Wirecard-Aktie kam es zu ungewöhnlichen Ausschlägen und Veränderungen der Anlegerstimmung - und zwar zum Teil in ungewöhnlicher Sekundenschnelle. An einigen Tagen schlug das Sentiment stark in die negative Richtung (auf Tagesbasis bis zu -75 Punkte und machmal sogar noch mehr - von max. -100 Punkten), die Anleger waren also überdurchschnittlich bearish eingestellt hinsichtlich Wirecard. Nur wenige Augenblicke Zeit später dann wieder eitler Sonnenschein - von Tiefstständen im negativen Sentiment-Bereich direkt wieder rauf in die positive Zone, als sei nichts geschehen. Solche starken Schwankungen, bei denen sich selbst kurzfristig kein eindeutiger Trend herauskristallisiert, sind Gift für die Generierung von Trading-Signalen und damit für ein erfolgreiches Musterdepot. Trading-Signale auf einer solch stark schwankenden Basis kommen praktisch einem Lotterie-Spiel gleich. Schauen Sie sich einmal in Ruhe die Sentiment-Grafik an (April 2019 bis Ende Juni 2020) - ein solches Wechselbad der Anleger-Gefühle findet sich in den Archiven des AktienSensor Deutschland nur äußerst selten und schon gar nicht bei so genannten Blue Chips wie Dax-Werten. Und genau aus diesem Grund hat das Computersystem des AktienSensor zwar Tag für Tag fleissig Sentiment- und Buzz-Daten für Wirecard gesammelt - die massiven Verwerfungen aber immer sofort erkannt und damit die Aktie hinsichtlich der Generierung von Trading-Signalen immer wieder konsequent ausgeschlossen. Kommen wir noch zum Schluss auf die anfangs genannten 1.300 Prozent Buzz in Bezug auf Wirecard. Hinter dem Buzz steckt die durchschnittliche Stärke, über die im Internet über eine Aktie diskutiert wird. Grundsätzlich gilt - je mehr Meinungen, Tweets und Kommentare zu einer Aktie an einem Tag oder in einer Woche gepostet werden, desto breiter und zuverlässiger ist die Datenbasis für die Sentiment-Analysen (natürlich muss Spam vorab aussortiert werden, was das System des AktienSensor zuverlässig erkennt und eliminiert). Sicherlich können Sie sich denken, dass der einstige Anleger-Liebling Wirecard besonders intensiv (und überaus emotional) im Internet diskutiert wurde und wird. Unsere vollautomatisierten Computersysteme musste an praktisch allen Börsen-Tagen in den vergangenen Monaten im Vergleich zu den sonstigen Dax-Titeln überdurchschnittliche viele Meinungen zu Wirecard auswerten. Seit dem Bilanz-Skandal und dem anschließenden Insolvenz-Antrag kennt der Buzz hinsichtlich der Wirecard-Aktie scheinbar keine Grenzen mehr. An manchen Tagen wurde in der vergangenen Woche eine Kommunikationstärke von mehr als 1.300 Prozent erreicht. 1.300 Prozent bedeutet, dass in Online-Foren oder in den Kommentarspalten unter News-Artikeln mehr als 13 mal so häufig wie sonst im Durchschnitt üblich über die Aktie von Wirecard diskutiert wird. Das war und ist absolute Spitze für einen Dax-Wert!Übrigens: Unsere vollautomatisierten Computersysteme generieren nicht nur zuverlässig Trading-Signale für den AktienSensor Deutschland, sondern u.a. auch für den "Big Data Sentiment Index Europe" (kurz: BDX Europe - Erläuterung siehe unten). In diesem Aktien-Index, der mit einer Performance von +145 Prozent* (21.09.2012 bis 31.05.2020) bislang die Leitindizes Dax (+56 Prozent) und EuroStoxx 50 (+19 Prozent) immer klar hinter sich gelassen hat, war Wirecard übrigens seit 2016 auch nicht mehr vertreten. Eine Aktie, die seit einigen Jahren so emotional und damit mit stärksten Stimmungsschwankungen unter den Anlegern diskutiert wird, schafft für ein emotionsloses, aber intelligentes Computersystem einfach nicht mehr den Aufstieg in einen Index.Wir hoffe, Ihre Fragen zum AktienSensor und Wircard umfassend beantwortet zu haben und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.Zum Hintergrund: Die Entwicklung des BDX ist unter der WKN SLA7W0 (ISIN DE000SLA7W00) abrufbar. Wichtig für Anleger: Der Europe Big Data Sentiment Index (BDX) ist nicht direkt investierbar. Über ein Index-Zertifikat von UBS (WKN: UBS1BX - ISIN: DE000UBS1BX9) können Anleger jedoch unmittelbar an der Entwicklung des BDX partizipieren. Weitere Informationen zum BDX unter www.bdx-online.de - Hinweis: Vor der erstmaligen Berechnung des BDX (Solactive Europe Big Data Sentiment Index NTR) am 14.03.2019 werden historische Performance-Daten auf Basis eines Backtests vorgehalten (seit 21.09.2012).
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