WOCHENAUSBLICK Anleger zwischen Corona-Angst und Konjunkturoptimismus

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
10.07.2020, 16:53  |  405   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Auch in der neuen Woche dürften sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt im Zwiespalt zwischen Hoffen und Bangen bewegen. Den durchaus begründeten Hoffnungen auf eine weitere konjunkturelle Erholung (weltweit starke Frühindikatoren, fortschreitende Erholung in China) stünden Befürchtungen weiterhin hoher Corona-Infektionsraten vor allem in Nord- und Mittelamerika gegenüber, meint Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank. Er verwies dabei auf die jüngsten Negativrekorde bei den US-Infektionszahlen und die damit steigende Gefahr eines erneuten Shutdown. Entsprechend dürfte der jüngste Aufschwung an den Börsen trotz weiterhin hoffnungsvoller Konjunkturdaten solange eingebremst bleiben, bis sich bei den Ansteckungen eine Entspannung andeutet, glaubt Schickentanz.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, geht davon aus, dass in vielen US-Bundestaaten wieder neue Beschränkungen notwendig sind, die auch die wirtschaftliche Erholung in den kommenden Monaten beeinträchtigen werden. "In Deutschland ist demgegenüber zwar das Infektionsgeschehen im Griff und der Anstieg bei Auftragseingängen, Exporten oder Einzelhandelsumsätzen liegt im zweistelligen Prozentbereich. Trotzdem sind auch hierzulande erst etwa 30 Prozent der durch die Corona-Krise gerissenen Lücken wieder aufgefüllt", erklärte Kater.

Die anstehende Quartalsberichtssaison der Unternehmen dürften die Investoren mit Gelassenheit, aber auch mit Spannung verfolgen, glaubt der Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Frank Klumpp. Mit Gelassenheit, weil die Zahlen zum zweiten Quartal kaum noch negatives Überraschungspotenzial entfalten könnten. "Umso spannender sind die Hinweise auf den weiteren Geschäftsverlauf - hier dürfte sich der Nebel im Vergleich zum Vorquartal zumindest etwas lichten. Unabhängig davon dürfte die unheilvolle gleichzeitige Rekordjagd von US-Neuinfektionen und Aktienkursen wohl kaum Bestand haben können. Die begonnene Konsolidierung an den Aktienmärkten dürfte sich daher zunächst einmal fortsetzen", prognostizierte Klumpp.

Kater verwies darauf, dass die Quartalsberichtssaison den bisherigen Hochpunkt der Corona-Krise beinhaltet. "Deshalb wird sie als Gradmesser gesehen, ob das Vertrauen in die Zukunft berechtigt ist, das in der starken Erholung am Aktienmarkt zum Ausdruck kommt." Die Marktteilnehmer rechneten mit einem Rückgang der Unternehmensgewinne um etwa 40 Prozent. "Wesentlich wird jetzt sein, ob diese Einschätzung realistisch ist und ob die Ausblicke der Unternehmen die These von der raschen Erholung im kommenden Jahr bestätigen", ergänzte der DekaBank-Experte.

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