EZB vor Zinsentscheidung
Kommt ein großer Zinsschritt der EZB? Experten warnen vor Abwärtsspirale
In Europa, vor allem in Deutschland, verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage zusehends. Experten fordern ein größere Zinssenkung und auch aus der EZB gibt es erste Andeutungen.
- Wirtschaftslage in Europa verschlechtert sich stark.
- Experten fordern aggressive Zinssenkung von 0,5%.
- EZB muss Inflation und Wachstum sorgfältig balancieren.
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Die Europäische Zentralbank (EZB) steht vor einer entscheidenden Woche, in der die geldpolitischen Weichen für die kommenden Monate gestellt werden. Während die Inflationsrate in Deutschland bereits auf 1,9 Prozent gesunken ist, wachsen die Rufe nach einer weiteren Zinssenkung. Doch wie tief sollte die Notenbank die Zinsen am 12. September senken, um die fragile Konjunktur in der Eurozone zu stützen, ohne dabei die Inflation erneut zu befeuern?
Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, warnte in einem Interview, dass die Gefahr bestehe, die Zinsen zu lange auf einem zu hohen Niveau zu halten. "Es besteht ein reales Risiko, dass unsere Haltung zu restriktiv wird", sagte Cipollone gegenüber Le Monde. Er betonte, dass die EZB sicherstellen müsse, dass die Inflation auf das 2-Prozent-Ziel zurückkehrt, ohne dabei unnötig die Wirtschaft zu belasten. "Wir brauchen dringend Investitionen und Wachstum in Europa."
Die Wirtschaft in der Eurozone kämpft mit mehreren Herausforderungen, darunter die schwächelnde Konjunktur in Deutschland, die traditionell als wirtschaftlicher Anker Europas gilt. Hans-Walter Peters, langjähriger Chef von Berenberg und Vorsitzender des Bankenverbands, äußerte in einem Platow-Interview seine Besorgnis über den Zustand der deutschen Wirtschaft. Es bestehe das Problem, dass "die Konjunktur, insbesondere in Deutschland, richtig kollabiert, und die Wirtschaft kaum eine Perspektive" habe, warnte er. Peters fordert daher eine aggressive Zinssenkung von 0,5 Prozentpunkten, um die Wirtschaft zu stützen. "Je länger die EZB wartet, desto größer die Gefahr, dass sie die Zinsen dann wieder zu weit senkt", fügte er hinzu.
Während die Falken im EZB-Rat, angeführt von Joachim Nagel, noch abwarten wollen, um alle verfügbaren Daten zu analysieren, scheint der Konsens in Richtung einer Zinssenkung zu gehen. Martins Kazaks, Mitglied des EZB-Rates, bekräftigte am heutigen Mittwoch im lettischen Fernsehen, dass die meisten Inflationsprobleme gelöst seien und "die Diskussion nur noch darüber geht, wie schnell und wie stark die Zinsen gesenkt werden sollten".
Die wirtschaftlichen Risiken in Europa sind vielschichtig. Ein zunehmend schwaches Deutschland und der rückläufige Export nach China und den USA belasten die gesamte Eurozone. Gleichzeitig bleibt die EZB jedoch an ihr Inflationsziel gebunden, was die Entscheidung über das Tempo und das Ausmaß der Zinssenkungen zusätzlich erschwert.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

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