No Landing
Finanzmärkte spekulieren auf Rückkehr der Inflation
Eine neue Sau wird durchs Dorf getrieben: Die Angst vor einem "No Landing" der US-Wirtschaft. Die Bondmärkte haben bereits heftig darauf reagiert.
- Angst vor "No Landing" der US-Wirtschaft wächst.
- Anleiherenditen steigen, Zinssenkungen unwahrscheinlich.
- Fed könnte vorsichtiger agieren, Inflation bleibt hoch.
- Report: Goldpreis nicht zu stoppen

Aktuell macht sich an den Finanzmärkten Angst vor einer neuen Gefahr breit. Einer Gefahr, mit der vor wenigen Tagen fast niemand gerechnet hat. Dabei geht es um ein Szenario, bei dem die US-Wirtschaft weiter wächst, die Inflation aber erneut aufflammt und der Federal Reserve wenig Spielraum für Zinssenkungen bleibt.
Spekulationen darauf, dass es zu so einem Szenario kommen könnte, haben die Anleiherenditen weltweit hochschnellen lassen und Anleger unter Druck gesetzt, ihre Erwartungen an die Geldpolitik der Fed neu zu justieren.
Diese Möglichkeit der Entwicklung der US-Wirtschaft hat auch gleich einen griffigen Namen bekommen: Nach der Angst vor einem "Hard Landing" und der folgenden Hoffnung auf eine "Soft Landing" ist nun die Rede von einem "No Landing"-Szenario. Auslöser dafür waren die überraschend starken Arbeitsmarktdaten der vergangenen Woche, die die Anleihemärkte aufgewühlt haben.
Diese Daten ließen die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen um bis zu sechs Basispunkte auf 4,03 Prozent steigen, während die Rendite der zweijährigen Anleihe um zehn Basispunkte auf 4,02 Prozent kletterte. Kurzfristig kam es sogar zu einer erneuten Inversion der Zinskurve, einem in der Vergangenheit verlässlichen Rezessions-Boten.
Eine Reihe prominenter Investoren und Ökonomen, darunter Stanley Druckenmiller und Mohamed El-Erian, warnten, dass der Kampf der Fed gegen die ausufernden Preissteigerungen noch nicht gewonnen sei. "Die Inflation ist nicht tot", erklärte El-Erian gegenüber Bloomberg. Der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers sagte in einem Beitrag für X am Freitag, dass die Fed nach wie vor mit einem "No Landing"- und einem "Hard Landing"-Szenario rechnen müsse und bezeichnete die kräftige Zinssenkung im letzten Monat als "Fehler".
Tatsächlich schwindet mit der starken Arbeitsmarktlage und den damit verbundenen Inflationsrisiken die Wahrscheinlichkeit weiterer umfangreicher Zinssenkungen der Fed. Hinzu kommen die Spannungen im Nahen Osten, die die Energiepreise antreiben und die Inflation weiter anheizen könnten.
Die Geldmärkte haben bereits auf die neue Lage reagiert und preisen eine weitere Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt in diesem Jahr nicht mehr ein. Auch die Wahrscheinlichkeit einer Viertelpunkt-Senkung im November, die zuvor als sicher galt, ist auf etwa 80 Prozent gefallen.
Tracy Chen von Brandywine Global Investment Management schließt inzwischen größere Zinssenkungen der Fed aus: "Das 50-Basispunkte-Szenario ist jetzt vom Tisch." Stattdessen wird erwartet, dass die Fed angesichts der robusten Wirtschaft und der wieder aufkeimenden Inflationssorgen vorsichtiger agiert.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

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