Geldsystem Bargeld als physische Bezahlform wird verschwinden

12.07.2014, 10:01  |  3833   |   |   
Wie sieht die Welt des Geldes in 100 Jahren aus? Und spielen Banken da überhaupt noch eine Rolle? In einem Bericht für das „Wall Street Journal Deutschland“ widmete sich James Gorman, Chef von Morgan Stanley, diesem Thema und zog interessante Schlüsse. 
 
Die technologische Entwicklung zieht immer weitergreifende Bahnen. Noch sind es Smartphones und Tablets, mit denen sich nahezu jeder Bürger durch seine Hemisphäre bewegt. Überweisungen, Kontoauszüge, das alles scheint schon jetzt Schnee von gestern zu sein. Wozu braucht es dann noch eine Bankfiliale? Gorman meint: „Von den 97.000 Bankfilialen, die es heute in den USA gibt, werden bis auf einen Bestand von rund 10.000 Niederlassungen alle verschwinden.“ Und selbst diese verbleibenden Filialen bräuchten ein neues Konzept, wenn sie ihre Daseinsberechtigung behalten möchten, heißt es. Die Idee: Banken müssen zu „sozialen Treffpunkten“ werden und direkt und unkompliziert Aufklärung in Finanzthemen anbieten. 
 
Ein Problem, vor allem für kleine Banken sei, dass das traditionelle Privatkundengeschäft immens unter Druck gerät. Um Kredite zu erhalten oder zu gewährleisten stehen Online-Alternativen zur Verfügung, sagt Gorman. Zu diesen Alternativen zählt er Online-Sparvehikel oder Crowdfunding.
Während der Morgan Stanley-Chef für kleine Geldinstitute also immer weniger Chancen auf ein langfristiges Überleben sieht, könnten große Banken von immer mehr Globalisierung – auch im Sinne einer vereinheitlichten Regulierung – sogar profitieren, sagt Gorman, selbst Chef einer der größten Banken der USA. „Die nationalen Ansätze in der Finanzmarktregulierung werden nicht komplett verschwinden, aber die Realität der wirtschaftlichen Vernetzung wird den Ausschlag zugunsten einer globalen Architektur der Regulierung geben“, schreibt Gorman.
 
Welches Segment der Finanzdienstleistung wird entscheidend sein? 
 
Der demographische Wandel sowie die aufstrebenden Volkswirtschaften in Schwellenländern implizierten, dass die Vermögensverwaltung in Zukunft die entscheidende Aufgabe von Finanzdienstleistern werde. Denn wo lange Zeit immer mehr Vermögen angehäuft wurde, werde einmal adäquate Beratung nachgefragt. Durch den demographischen Wandel werde außerdem ein unausweichlicher Schwenk beschleunigt: Weg vom Konsum, hin zum Sparen.
Ein Trend scheint ohnehin kaum mehr aufzuhalten sein: Mobile Geräte ersetzen den klassischen Geldbeutel. Oder wie Gorman sagt: „Bargeld als physische Bezahlform wird nahezu von der Bildfläche verschwinden, Münzen und Scheckbücher werden in Museen ausgestellt werden.“ Eine Aufgabe bleibt den Banken aber definitiv, heißt es. Und sie klingt so simpel wie sie alt ist: „Die Mobilisierung des Geldes von denen, die es haben, zu denen, die es benötigen, sowie die Abwicklung von Zahlungen für Güter und Dienstleistungen.“
 
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