Ölpreis Auf das Überangebot folgt der Öl-Schock - Barclays warnt: Das Öl wird knapp!

15.10.2015, 16:20  |  11638   |   |   

Die Horrornachrichten rund um den Ölpreis reißen nicht ab. Erst im vergangenen Monat schockte Goldman Sachs mit der Prognose, wonach der Ölpreis bald bei 20 US-Dollar liegen werde (siehe hier). Nun warnt auch Barclays: Anleger sollten sich besser nicht an den gegenwärtigen Ölpreis gewöhnen.

Nirgendwo liegen Freud und Leid so eng beisammen wie beim Ölpreis. Je günstiger das Öl, desto glücklicher Autofahrer, Heizölkunden und Co. Doch was für die Verbraucher ein Segen, ist für die Ölbranche ein Fluch. Einer, der sich nun schon über Monate hinzieht. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Marke Brent hat sich inzwischen auf dem Niveau rund um die 50 US-Dollar eingependelt. Es ist das Ergebnis eines erbitterten Ölpreiskrieges der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC). Mit Saudi-Arabien als Speerspitze öffnet die OPEC seine Ölschleusen, um mit dem dadurch entstehenden Kostendruck die Konkurrenz aus den USA in die Knie zu zwingen. Eine Strategie, die immer mehr zu fruchten scheint. Die goldenen Zeiten der US-Fracking-Industrie scheinen gezählt, die Produktionsstätten ächzen unter dem viel zu niedrigen Ölpreis.

Bislang deutet nichts darauf hin, dass die OPEC ihrer Fördermengen zu drosseln gedenkt. Im Gegenteil, meint Goldman Sachs. Die Analysten der US-Großbank gehen davon aus, dass das Überangebot auch 2016 noch anhalten wird. Der Ölpreis, so die Horror-Prognose, könnte daher auf bis zu 20 US-Dollar abstürzen.

Barclays: Der Ölpreis wird steigen!

In eine ganz andere Kerbe schlägt nun britischen Kollegen von Barclays. Wie der „Business Insider“ berichtet, rechnen sie zwar ebenfalls damit, dass der Ölpreis nicht dauerhaft bei 50 US-Dollar verharren wird. Allerdings zeigen sich wesentlich optimistische als der Markt und sagen: Der Ölpreis wird schon bald wieder bei bis zu 100 US-Dollar liegen.

Die Barclays-Analysten sind sich sicher, dass es spätestens 2017 wieder steil nach oben gehen wird. Wie steil, hänge von drei wichtigen Unbekannten ab: der Nachfrage aus China, der Rückkehr des Iran als wichtiger Ölproduzent (siehe hierzu: Der Erzrivale kehrt zurück - Geht der Ölpreis-Krieg jetzt erst richtig los?) sowie der Schmerzgrenze der Förderstätten. Die entscheidende Frage wird sein, ab wann der Ölpreis so niedrig ist, dass die Öl-Unternehmen die Segel streichen müssen, weil sie nicht mehr gewinnbringend produzieren können, so Barclays.

Je nachdem könnte der Ölpreis bis 2020 auf bis zu 100 US-Dollar steigen, also auf das Niveau vor dem Ölcrash des vergangenen Jahres. Das Basisszenario sieht den Ölpreis allerdings eher bei 85 US-Dollar. Im ungünstigsten Fall rechnet Barclays immerhin noch mit einem Anstieg auf 75 US-Dollar pro Barrel. Damit liegt die Prognose der britischen Großbank selbst dann noch deutlich über den Erwartungen der Märkte, die von einem Ölpreis bei maximal 65 US-Dollar ausgehen.

Kostendruck führe zu gefährlicher Investitionslücke

Grundlage der optimistischen Barclays-Analyse ist die Annahme, dass der Ölpreiskrieg das momentane Überangebot schon bald in einen Engpass verwandeln wird. Um bei dem aktuellen Preisniveau überhaupt noch rentabel produzieren zu können, müssen die Öl-Unternehmen den Gürtel immer enger schnallen. Investitionen bleiben dadurch auf der Strecke. Und genau diese Investitionslücke werde früher oder später zu einer Öl-Knappheit führen, so Barclays. Die Analysten rechnen damit, dass die Investitionskosten in diesem Jahr bereits um 20 Prozent zurückgehen werden, im kommenden Jahr nochmals 5 bis 10 Prozent. Für den Ölpreis gäbe es deshalb nur einen einzigen Weg: nach oben.

Mit dieser Argumentation steht Barclays nicht allein. Claudio Descalzi, Chef des italienischen Energieunternehmens Eni, warnte bereits Anfang des Jahres eindringlich vor den Folgen der drohenden Investitionslücke. Er rechnet sogar mit einem Ölpreis von 200 US-Dollar (siehe: Aufgepasst – Darum wird der Ölpreis bald bei 200 US-Dollar). Auch Forscher des Hamburger Forschungsbüros Energycomment halten eine neue Ölpreis-Krise für mehr als realistisch (wallstreet:online berichtete).

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