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Euro und US-Dollar – Spannung vor der FED-Sitzung

Gastautor: Daniel Saurenz
03.05.2017, 09:00  |  1884   |   |   

Euro_Bargeld_muenzentwertungsmaschineIn den USA steht am Abend die Sitzung der Notenbank Fed an. Wie so oft geht es nicht um die Frage “Zinserhöhung – ja oder nein?”,  sondern um die Signale der Notenbanker. Derzeit ist die Politik des FOMC ohnehin von unfreiwilliger Flexibilität geprägt. Wir werfen einen Blick auf US-Dollar und Euro. Derzeit sehen wir bei Euro/US-Dollar weiter eine Seitwärtsspanne von 1,04 bis 1,10 US-Dollar. Mit Blick auf die Frankreich-Wahl könnte das Positive im Kurs der Gemeinschaftswährung eingepreist sein. Wer auf Euro/US-Dollar spekulieren möchte, greift zum Bear PB5137 oder dem Bull CX6VW8. Zum Wochenbeginn waren vielerorts die Devisenmärkte im verdienten Mai-Urlaub, die restlichen Händler konnten oder wollten nicht wesentliche Impulse liefern. Warum auch? Vor der Fed-Sitzung am Mittwoch – wenn man nicht noch zur Vermeidung möglicher „Event-Risiken“ sein FX-Portfolio anfassen muss – wenig Grund für Positionierungen. Dabei geht es nicht darum, ob die Fed ihren Leitzins anhebt. Das ist äußerst unwahrscheinlich. Es geht lediglich darum, ob die US-Notenbanker eine Anhebung bereits im Juni andeuten oder nicht (was dann implizieren würde, dass sie sich wohl bis mindestens September Zeit ließen). Juni oder September, die Wahl mag kleine Blips am Devisenmarkt auslösen.

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Normalisiert sich die Zinslandschaft?

Wirklich wichtig für die USD-Wechselkurse ist diese Frage freilich nicht. Wichtig ist die grundlegende Strategie der Fed: Wie schnell will und kann sie die Zinslandschaft in den USA normalisieren? Dafür ist die Timing-Frage eine von vielen Hinweisen. Aber gar nicht die wichtigste. Klar, das Timing erlaubt uns Rückschlüsse darauf, wie eilig es das FOMC momentan hat. Aber auch das ist weniger wichtig, als in normalen Zeiten. Denn wir haben gelernt, dass die US-Notenbanker ihre Pläne in den letzten Jahren oft genug über den Haufen werfen mussten. Ihre ökonomischen Modelle sind mindestens so kaputt wie die der Marktteilnehmer. Sie verstehen die Welt eher noch weniger als der Devisenmarkt. Was sie denken, in Zukunft tun zu können, ist in Wahrheit wenig informativ für ihr zukünftiges Verhalten.

USA_NewYork_1So langsam nimmt das Gerede von US-Finanzminister Steven Mnuchin über das US-Wachstum besorgniserregende Formen an. In zwei Jahren wird laut seinen jüngsten Aussagen die US-Wirtschaft eine Wachstumsrate von drei Prozent erreicht haben. „[…] und dann haben wir ein nachhaltiges Niveau“, wird er zitiert. Sehen wir mal davon ab, (a) dass es weit und breit keinen ernsthaften Ökonomen gibt, der solch eine Aussage unterschreiben würde und (b) was eine solche Phantasterei eines amtierenden US-Finanzministers für die USD-Wechselkurse aussagt. Und sehen wir weiterhin von dem üblichen Geschwafel von Regierungen ab, die allesamt uns erzählen wollen, welch massiven Einfluss sie auf das Wirtschaftswachstum hätten.

Was uns Mnuchin und sein Chef in letzter Zeit auftischen, geht darüber hinaus. Das erinnert an sozialistische Planwirtschaft mit 5-Jahreszielen etc. Würde die Regierung sich irgendwann in Zukunft bemüßigt fühlen, die US-Wirtschaft in Richtung ihres „Wachstumszieles“ zu schubsen, d.h. deutlich über Potenzialrate zu wachsen, wäre das mittelfristig USD-positiv. Denn es würde die Inflation anschieben und damit Fed-Zinserhöhungen auslösen. Nur gibt der Devisenmarkt mittlerweile auf die Äußerungen von US-Regierungsmitgliedern kaum noch was. Und deshalb profitiert der Dollar nicht von solcherlei Statements.

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Hoffnung der Briten auf dem Prüfstand

Die (Rest-) Europäer haben sich im Rekordtempo (4 Minuten, wie man hört) darauf verständigt, ihre Linie gegenüber den abtrünnigen Briten aufrechtzuerhalten. Diejenigen Brexit-Apologeten, die darauf vertraut hatten, dass sich Europa auf nichts einigen kann und daher am Ende eine butterweiche Linie Brüssels in den Brexit-Verhandlungen herauskäme, dürften kalte Füße bekommen. Ob am Ende die Briten Gras essen müssen, ob sich kaum etwas gegenüber dem ökonomischen status quo ändert, oder ob tatsächlich die May-Regierung die Wunderwaffe der Handelsabkommen mit Drittländern aus dem Hut zaubert, die dann zu ungeahntem Wohlstand führen wird, ist unsicher. Noch versichern die Volkswirte, es würde für die Briten am Ende recht schadensarm ausgehen. Doch darum geht es nicht am Devisenmarkt. Es geht darum, ob sich diese Konfidenz (die unsere Volkswirte mit dem Markt teilen) in den nächsten Jahren im Markt aufrechterhalten lässt. Und dafür war die demonstrative Einheit der restlichen Europäer ein kleiner aber weiterer Sargnagel.

Quelle: Commerzbank

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