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Notizen zum Aktienmarkt KOREA, CHINA, ZINSEN, EXIT

Gastautor: Dr. Georg Oehm
08.09.2017, 09:59  |  3349   |   |   

“Auch neben dem Notausgang gibt's gute Plätze”

 

Die Geschwindigkeit nimmt zu, der schon lange wichtige Dreh- und Angelpunkt Asien steigt weiter in seiner politischen und wirtschaftlichen Bedeutung. Nicht nur Negatives wie aus Korea, auch Positives aus China ist zu vermelden.

Korea

Kim Jong-un, der – wie ich diese Woche gelernt habe – wohl elf Jahre in der Schweiz gelebt hat, Berner Dütsch spricht und auch Lieder aus der Schweizer Bundeshauptstadt singen kann, ist wohl deutlich intelligenter, als sein Vater. Er hat es jedenfalls geschafft, für sich einen Zustand herzustellen, der dem zwischen West und Ost zu Zeiten des Kalten Krieges vor dem Fall der Mauer entspricht.

Natürlich können Administrationen Fehler machen und die Rhetorik aus Washington hört sich schon ziemlich nach Kuba vor Kennedys gescheiterter Schweinebucht-Aktion an. Aber Trumps Tweet „ohne Worte“ muss nicht Schießen heißen – die Aufrüstung Südkoreas ist auch eine Option, die nichts mit Sprechen zu tun hat.

Vielleicht entwickelt sich das Ganze ja doch noch in eine konstruktivere Richtung, sobald sich in Nordkorea das Gefühl breitmacht, dass das Schicksal der Despoten Saddam im Irak und Gaddafi in Libyen, die ja beide auf ihre Atomwaffen verzichtet haben, bevor sie gestürzt wurden, sich so nicht wiederholen wird.

China

Wichtiger für das weltweite Börsengeschehen ist wohl die Tatsache, dass China sich in diesem Jahr überraschend positiv entwickelt hat. Die Wirtschaft dort läuft auf Hochtouren, was beispielsweise an den steigenden Rohstoffpreisen für Industriemetalle wie Kupfer und Zink abzulesen ist.

Wie wir aus gewöhnlich gut unterrichteter Quelle gehört haben, macht Peking Ernst mit der Verhinderung der Kapitalflucht ins Ausland. Käufe von Firmen wie Kuka werden noch genehmigt, aber Wohnungskäufe durch Chinesen in London, damit die Tochter in der Eigentumswohnung leben kann, wenn sie dort studiert, gehören wohl der Vergangenheit an. Die „HNA-Wanda-Fosun&Co“-Kaufwelle kommt an ihr Ende und dies wird nicht ohne Auswirkung auf den einen oder anderen heiß gelaufenen Markt bleiben.

Ziel der Chinesen ist, die in den letzten Jahren zurück gegangenen Währungsreserven wieder zu steigern und die Inländer dazu zu zwingen, ihr Geld zuhause für Konsum und Investitionen auszugeben.

Der konsequente Stopp des Kapitalexports ist auch keine gute Nachricht für Anhänger von Kryptowährungen. Die werden jetzt in China konsequent verboten. Deren Boom entstand auch deshalb, weil sich Bitcoin & Co. so gut zur Kapitalflucht aus China eigneten. Ob die Chinesen ihr überzähliges Cash in lokaler Währung jetzt wieder vermehrt in Uhren anlegen – ausgeschlossen ist es nicht. Käufer von Schweizer Luxusgüteraktien sollten sich nicht zu sehr freuen: Wenn die See rauer wird, werden die Windfall-Profits eines schwachen Schweizer Frankens so schnell verschwinden, wie die letzten Strahlen des Sommers. Auch Macao könnte profitieren, wenn die über Jahre funktionierenden Sickergruben für das Bargeld geschlossen sind. Der gestoppte Kapitalexport zeigt sich jedenfalls jetzt schon im steigenden Kurs der chinesischen Währung. Weiteres hierzu, sobald mein Kollege Daniel Flaig aus China zurück ist. Aber Geduld: sein Abflug nach China ist erst nächste Woche.

Zinsen

Die Zinswende war doch schon ausgemachte Sache. Der Anstieg nur noch eine Frage des Umfangs, nicht des ob. Das sieht jetzt plötzlich anders aus. Ein Rückfall der Zinsen ist noch nicht ausgemacht, aber er rückt plötzlich wieder in greifbare Nähe.

Die Börse ist ein Antizipationsmechanismus. Was da auf uns zukommt, Krieg, ausufernde Schulden oder eine Rezession. Wir wissen es auch nicht. Besonders unangenehm wäre sicher ein Wiedereintritt in deflationäre Zustände, von denen seit längerem keiner mehr spricht. Kaufkurse am Aktienmarkt würde eine solche Entwicklung sicher auch produzieren – aber erst, nachdem zum ersten Mal seit Jahren das schon fast als Börsenregel eingestufte „buy the dip“ zum Desaster mutiert ist.

Deflation heißt vereinfacht gesagt: „Ich kaufe nächsten Monat, weil es da billiger ist.“ Geiz ist geil, aber eine derartige Entwicklung ist der Horror aller Kaufleute. Die Zentralbanken sind dann mit ihrem Latein auch am Ende und die Schuldenlast der Staaten wird nicht kleiner, sondern immer schwerer.

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