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Crash, Bargeld, Kryptowährungen: Prof. Dr. Max Otte bezieht Stellung

22.09.2017, 14:08  |  38137   |   |   

Wann kommt der nächste Crash, Herr Professor Otte?

Die Welt ist überschuldet. Seit der Finanzkrise ist mehr als ein Welt-Bruttoinlandsprodukt an Schulden hinzugekommen. Die Verschuldung der Welt ist nicht nur absolut, sondern auch relativ gestiegen.

Geldvermögen (= Geldforderungen) müssen vernichtet werden. So viel ist klar. Schon vor einiger Zeit spekulierte der Internationale Währungsfonds über eine 10 %ige Steuer auf alle Geldvermögen. Aber wahrscheinlich wird es keine große Währungsreform geben, sondern eine Vermögensvernichtung über die Zeit, vor allem durch Negativzinsen. Dabei wirkt die Magie der Zinseszinsen, die uns beim Investieren so schön hilft, ebenfalls. Nur leider in die falsche Richtung. Schon bei 3 Prozent realer Geldentwertung ist die Kaufkraft der Geldforderungen nach 10 Jahren um 25 und nach 20 Jahren um 45 Prozent gesunken. 

Ich glaube nicht an einen Crash, sondern an ein kontrolliertes Abschmelzen der Geldforderungen. Die Möglichkeiten der staatlichen Lenkung sind viel größer als früher.

Wird das ausreichen?

Vielleicht gibt es auch einzelne "kontrollierte Explosionen", wie bei der Sprengung eines großen Gebäudes. 

Mit der im Mai 2014 verabschiedeten EU-Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten können nun auch Spar- und Kontoguthaben zur Sanierung der Institute herangezogen werden (Bail-in). Zwar werden zuerst die Aktionäre und dann die Anleihegläubiger zur Kasse gebeten, aber auch normale Sparer können jetzt einbezogen werden. Damit ist die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes, und damit das Grundvertrauen in das Bankensystem, erschüttert. Vor lauter Krieg und Terror bekommt es aber keiner so recht mit.

Die ersten Sprengungen hatten wir schon mit der Banco Popolar in Spanien und der Banco Popolare in Italien. Das können die Testläufe für mehr gewesen sein.

Kommt noch mehr auf uns zu?

All diese Zwangsmaßnahmen lassen sich in einer bargeldlosen Welt oder einer Welt ohne Bargeld besser durchsetzen. Bargeld ist der Schutz gegen Negativzinsen. Es ist die einzige Möglichkeit für Sie, mit einem anderen Bürger in Geschäftsverkehr zu treten, ohne dass sofort Daten generiert werden oder ein Dritter darauf schaut. Es ist die einzige Möglichkeit für normale Bürger, Zentralbankgeld zu besitzen. Es ist somit tatsächlich das einzig "echte" Geld. Kontoguthaben sind nur ein Kredit, den Sie der Bank gewährt haben.

Seit über einem Jahr engagiere ich mich für den Erhalt des Bargelds, unter anderem bei einer Demonstration an der Frankfurter Hauptwache im Mai. Hierzu habe ich auch meine kleine Streitschrift "Rettet unser Bargeld" veröffentlicht. 

Zudem habe ich die Initiative www.rettet-unser-bargeld.de gestartet, die von weiteren namhaften Persönlichkeiten unterstützt wird.

Was spricht noch für Bargeld?

Bargeld ist gedruckte Freiheit. In einer bargeldlosen Welt können wir lückenlos überwacht werden. Es können immer höhere Gebühren bei Überweisungen und eine weitere Erschwerung des Bargeldverkehrs kommen. Wenn jede Überweisung nur ein halbes Prozent kostet, können sich Banken und Finanzdienstleister auch ganz gut sanieren. Das öffentliche Gut "Geld" wird privatisiert - zum Nutzen der Finanzbranche.

Das Bitcoin-Fieber hat viele erfasst. Dieses Jahr hat sich der Wert von Bitcoin verdreifacht, der einer anderen Kryptowährung, Ethereum, ist um 2300 Prozent gestiegen.  Können Bitcoins die Lösung sein?

Ich kann nur sagen: Finger weg! Abgesehen davon, dass mir privates Geld, das nicht als öffentliches Gut vom Staat kontrolliert wird, zutiefst suspekt ist und nicht mit meiner philosophischen Grundausrichtung zusammenpasst, hier ist auch eine völlig irrationale Blase entstanden, die bereits jetzt zu massivem Betrug an den Anlegern geführt hat.

Was spricht aus Ihrer Sicht noch gegen Bitcoins?

Bitcoins sind für mich schwer zu verstehen. Da halte ich es mit Warren Buffett, der sagt: "Investiere nur in das, was Du verstehst!"  Auch habe ich große Sicherheitsbedenken - viel mehr als bei Bargeld. Im August 2016 wurden mal eben Bitcoins im Wert von 58 Millionen Dollar von einer Exchange in Hongkong gestohlen. Bei physischem Geld wäre das viel schwerer. Zudem: was ist, wenn großflächig der Strom ausfällt? Oder Computerviren das Netz verwüsten?

Können Sie das mit der Blasenbildung noch etwas näher beschreiben?

Theoretisch ist das Angebot an Bitcoins begrenzt, aber nur theoretisch. Aktuell gibt es ungefähr 3.000 Kryptowährungen - ein klassischer Hype. Goldgräberstimmung. Wie bei den tausenden von Internetunternehmen, von denen nur wenige übrig geblieben sind.

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Kommentare

Prof. M. Otte......CDU Mitglied, dass opportunistisch die AfD gewählt hat und aus lauter Eitelkeit es auch noch in der Öffentlichkeit herausposaunen musste......

So etwas nennt man Integrität! :laugh::laugh::laugh:
Ist denn noch niemandem aufgefallen, dass der Geldadel und die Politik zu Kryptowährungen weitestgehend schweigen?

Darüber sollte sich mal jeder Gedanken machen, wenn es ums Thema Bargeld-Abschaffung geht.
was ein zufall, dass max otte seit seinem AFD outing nun mehr aufmerksamkeit auf w:o bekommt. auch die zahlreichen Pro AFD threads vor den wahlen sind nicht zu leugnen.

sind die macher hier auch besorgte bürger wie die jungs von finanznachrichten. de?
"Dabei wirkt die Magie der Zinseszinsen, die uns beim Investieren so schön hilft, ebenfalls. Nur leider in die falsche Richtung. Schon bei 3 Prozent realer Geldentwertung ist die Kaufkraft der Geldforderungen nach 10 Jahren um 25 und nach 20 Jahren um 45 Prozent gesunken."
Natürlich wirkt der Zinseszins auch wenn der Zins negativ ist. Allerdings anders, nämlich abnehmend, da ja das Kapital abnimmt. Zinseszinsrechnung ist keine Magie sondern Mathematik. Nur billige Polemik und dummes Geschwätz, deswegen will der Herr Professor jetzt auch in die Politik.
Ganz genau. Die gab es in Deutschland schon.Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Immobilienbesitzer - als Ausgleich für ihre Besserstellung als Sachwertebesitzer gegenüber den Bargeld- und den Spargeldbesitzern eine Zwangshypothek auferlegt, an der sie viele Jahre zu knappern hatten.

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