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Zur Erinnerung für Bitcoin-"Anleger" So erkennt man Blasen

Gastautor: Rainer Zitelmann
06.12.2017, 09:38  |  3151   |   |   

Viele, die jetzt auf Kryptowährungen setzen, haben noch keine Blase erlebt. Die Muster bei Blasen ähneln sich jedoch - wie das Beispiel der vor zwanzig Jahren beginnenden Aktienblase zeigt.*

Es ist jetzt genau zwei Jahrzehnte her: 1997 stieg der deutsche Aktienmarkt um fast 47 Prozent. Das Interesse der Anleger an Aktien nahm weiter zu, und 1998 flossen den Aktienfonds 19,5 Mrd. Euro zu. Die Aktienhausse schien kein Ende zu nehmen. Auch 1998 war wieder ein gutes Aktienjahr, und der DAX stieg um 18,5 Prozent auf über 5000 Zähler. In den Medien wurde gejubelt, der DAX habe die "psychologisch wichtige" Marke von 5000 Punkten geknackt. Von einer angeblich "psychologisch wichtigen Marke" schreiben die Medien übrigens etwas einfältig stets, wenn eine 1000er-Zahl über- oder unterschritten wird, obwohl das objektiv natürlich nicht die geringste Bedeutung hat. So war das auch jetzt wieder, als die Bitcoins die 10.000er-Marke überschritten hatten.

Warnsignal: Preise steigen schneller und schneller
"Die Aktienanlage", konstatierte ein Beobachter in dem 1998 erschienenen Buch mit dem Titel "Börsenfieber", "wird zum Königsweg für die Vermögensanlage hochstilisiert und der Aktienkauf als Bürgerpflicht verkündet". Die Beobachtung des Autors, "es wird alles gekauft, wo Aktie draufsteht", erscheint vielleicht übertrieben, spiegelt aber genau die damalige Stimmung wider. Jetzt bekamen die Deutschen richtig Appetit auf Aktien, und 1999 investierten sie 35,3 Mrd. Euro in Aktienfonds. Kurzfristig wurden sie dafür fürstlich belohnt, denn am Ende des Jahres 1999 konnten sie sich über ein Kursplus von 39 Prozent freuen. Die Stimmung erreichte nun den Siedepunkt. Der DAX stieg schneller und schneller, ein untrügliches Zeichen dafür, dass eine Blase bald ihren Höhepunkt erreicht. Hatte der DAX Ende 1999 noch die Marke von 6858 Punkten erreicht, so stieg er bis zum März 2000 auf 8070 Punkte! In den ersten Monaten des Jahres 2000 gab es kein Medium mehr - von der FAZ bis zur Bild-Zeitung - in dem nicht die Chancen der Aktienmärkte in höchsten Tönen gepriesen worden wären.

Warnsignal: Große Medienberichte
Die "Bild-Zeitung" titelte am 22. Februar 2000, also kurz vor dem Platzen der Blase, auf Seite 1 in großen Buchstaben: "Geld-Rausch! Ein Lehrer fragt: Warum soll ich noch arbeiten? Deutsche reden nur noch über Aktien-Tipps. Frauen spekulieren mit dem Haushaltsgeld. 300 Prozent Gewinn mit Internet. Kann ich auch reich werden?" Ich erinnere mich noch heute, wie mir mein Friseur Aktientipps gab und die Eltern meiner damaligen Freundin, die sich bisher noch nie in ihrem Leben für die Geldanlage interessiert hatten, gebannt vor dem Fernseher saßen, die neuesten Aktientipps von "Experten" aufsogen, um gleich am nächsten Tag die empfohlenen Aktien zu kaufen. Das alles waren untrügliche Zeichen, dass die Blase kurz vor dem Platzen war. Und das Gleiche erlebe ich derzeit bei Bitcoins wieder: Leute, die sich sonst überhaupt nicht für Finanzthemen interessieren und völlig ahnungslos sind, empfehlen mir, Kryptowährungen zu kaufen - denn diese seien ja so stark gestiegen. Das ist natürlich der dümmste Grund, um etwas zu kaufen.

Eine Blase endet nicht immer abrupt
Im Jahr 2000 begann der Einbruch. Der DAX sank damals nach jahrelanger Hausse, allerdings nur um 7,5 Prozent, auf 6376 Punkte. Für die Anleger, die im März bei 8000 Punkten eingestiegen waren, war der Verlust freilich schon empfindlicher. Aber wie bei einem Alkoholrausch endet auch eine Blase nicht unbedingt abrupt. Deshalb ist es auch nicht so einfach, zu erkennen, wann der Höhepunkt erreicht ist. "Es kann ja wieder aufwärts gehen."

Nachdem die Medien jahrelang geschrieben hatten, dass Aktien die allerbeste Anlageform und durch keine andere Anlage zu schlagen seien, nutzten viele Anleger die Kursrückgänge, um nachzukaufen. Experten beruhigten, es handle sich mit Sicherheit nur um einen vorübergehenden Rückschlag. Die Verkaufsmaschinen für Aktienfonds in den Banken liefen weiter auf Hochtouren, und niemand wollte sie stoppen. Allein im Jahr 2000 flossen fast 74 Mrd. Euro in Deutschland in Aktienfonds. Der DAX brach zwar im Folgejahr 2001 deutlicher ein und verlor fast 20 Prozent, aber die Verkaufsmaschinen für Aktienfonds liefen noch weiter, und es flossen immerhin 13 Mrd. Euro in Aktienfonds.

Dann kam jedoch das Jahr 2002, der deutsche Aktienmarkt verlor weitere 44 Prozent und fiel auf 2839 Punkte. Im Jahresverlauf hatte er sogar einen Tiefsstand von 2593 Punkten erreicht. Wer im März 2000 in den Aktienmarkt eingestiegen war, hatte damit mehr als zwei Drittel verloren. Aus 10.000 Euro waren 3200 Euro geworden - vorausgesetzt, man realisierte die Verluste.

Jetzt versiegte der Zustrom in die Aktienfonds. Viele verkauften in dieser Situation ihre Fonds, und es gab nur noch wenige Käufer. Nur noch 2,9 Mrd. Euro wurden 2002 netto in deutsche Aktienfonds investiert - zur Erinnerung: Zwei Jahre zuvor hatten die Deutschen netto 25 Mal mehr Kapital in Aktienfonds angelegt.

Rückspiegel-Investments
Warum verhalten sich die meisten Anleger so unklug? Ich nenne dieses Phänomen "Rückspiegel-Investments". Die meisten Anleger beurteilen die Chancen einer Anlage danach, wie sie sich in den letzten Monaten und Jahren entwickelt hat - man kann dies jetzt deutlich am Beispiel der Kryptowährungen beobachten: Konnte man mit einer Anlage - wie etwa Bitcoins - sehr stark gewinnen, dann gewinnen sie Vertrauen. Zunächst zögern viele Anleger noch. Doch dann lesen sie fast jeden Tag in der Zeitung, wie toll die Gewinne sind, die andere Anleger bisher machen konnte.

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Kommentare

Meine Großmutter hat mir in den letzten Jahren immer wieder einen Spruch hergehauchen. Sie ist bei guter Gesundheit 94 Jahre geworden: "Es gibt keine größere Strafe, als so alt zuwerden!"

Bitcoins sind nichts als Computerspielerei, Vergeudung von Rechenleistung und Vergeudung von Energie. Aus Edelmetallen, Gold oder Silber, kann man immer noch dauerhafte Bestecke machen, aber sinnlose Bits bleiben wertlos, sie Berechnungen sind für nichts anderes zu gebrauchen und sind selbst nicht einmal sicher, sondern müssen laufend bestätigt werden! Ich für meinen Teil bin in RWE und Eon gegangen, der Bitcoin Hype wird bereits in einem Jahr merklich zum Ertrag von Versorgern beitragen!

Zudem ist der Hype noch nicht annähernd mit der Dot.com Blase zu vergleichen, damals wurde wirklich Omas Sparbuch verheizt, Kunden haben sich um die IPOs geprügelt, wortwörtlich! Bitcoins sind immer noch etwas für Nerds, für Insider. Erst langsam werden Bitcoins und Ableger für die Allgemeinheit zugänglich über Finanzkonstrukte!
Vorab: Ich bin schon länger bei Bitcoin drin. Habe meinen Einsatz und 100% Gewinn raus genommen, und lass den Rest gerade weiterlaufen. Die gute Frage dabei ist, wo geht es noch hin?

Ich bin auch schon seit einiger Zeit dabei am Aktienmarkt. Und der Chart sieht wirklich völlig übertrieben nach Blase aus.

Allerdings sehe ich es nicht so das jetzt die Taxifahrer einsteigen und alle Bullish sind! Im Gegenteil: Jeder "weiss" aktuell das das ja eine blase ist. Jeder zweite Zeitungsartikel über Bitcoin enthält einen Hinweis auf Tulpomanie. Es geht immer nur darum das das alles viel zu sehr gestiegen ist, und ja bald fallen muss. Zeitungsartikel die berichten welches Potential Bitcoin hat, sind rar gesät. Fragt man im Freundeskreis rum, kennt inzwischen fast jeder Bitcoin - aber keiner ist dabei!

Versteht mich nicht falsch, wäre ich nicht drin, ich würde jetzt definitiv nicht mehr einsteigen. Einfach aufgrund des Charts. Nach einer Verzehnfachung in so kurzer Zeit muss es ja auch wieder runter gehen. Zumindest war sowas in der Vergangenheit immer so ....

Aber kann eine Blase platzen, von der jeder weiß das es ja eine Blase ist?

Viele Grüße,
CK

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