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Südkorea Kapitalismus tut den Menschen gut*

Gastautor: Rainer Zitelmann
09.02.2018, 08:18  |  1247   |   |   

In Pyeongchang beginnen die Olympischen Winterspiele. Die Welt schaut auf Südkorea. Auch wir Deutschen könnten uns etwas von den Südkoreanern abschauen: Die geben über 20% für die Bildung aus, während die GroKo eine kleine Lockerung im "Kooperationsverbot" feiert.

Bevor Korea 1948 in einen kapitalistischen Süden und einen kommunistischen Norden geteilt wurde, war es eines der ärmsten Länder der Welt, vergleichbar mit Afrika südlich der Sahara - und das blieb bis Anfang der 60er-Jahre so. Heute steht das kapitalistische Südkorea mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 27.539 Dollar vor Ländern wie Spanien (26.609), Russland (8.929), Brasilien (8.727) oder China (8.113) und ist die achtstärkste Exportnation der Welt. Produkte von koreanischen Unternehmen wie Samsung, Hyundai und LG sind weltweit beliebt.

Vage Schätzungen für Nordkorea beziffern das Bruttoinlandsprodukt auf 583 Dollar pro Kopf. Immer wieder sterben Tausende Nordkoreaner bei Hungersnöten. Deutlicher kann man wohl nicht die Überlegenheit eines kapitalistischen gegenüber einem kommunistischen Wirtschaftssystem zeigen. Der Kontrast zwischen Nord- und Südkorea könnte stärker nicht sein. Nach dem Index der wirtschaftlichen Freiheit 2017 gehört Südkorea zu den 25 freiesten Ländern der Welt, es rangiert mit Platz 23 beispielsweise vor Deutschland (26) oder Japan (40). In der Kategorie "Business Freedom" erzielt Südkorea sogar 90,6 von 100 möglichen Punkten. Zum Vergleich: Nordkorea rangiert auf Platz 180, das ist der letzte Platz in dem Ranking. Im Bereich "Business Freedom" erhält es nur fünf von 100 möglichen Punkten.

Ausgangslage nach dem Zweiten Weltkrieg
Die Ausgangslage für Südkorea nach dem Zweiten Weltkrieg war sehr schwierig: Das Land bekam zunächst keinerlei Hilfe von den USA, während Nordkorea von der Sowjetunion und China stark unterstützt wurde. Südkorea war ein reines Agrarland ohne nennenswerte Bodenschätze, während fast alle Bodenschätze der Halbinsel wie Eisenerz, Gold, Kupfer, Blei, Zink, Graphit, Molybdän, Kalkstein und Marmor in Nordkorea konzentriert sind. Die Bevölkerung Südkoreas wuchs sehr rasch, weil viele Menschen aus dem kommunistischen Norden flüchteten - allein in den Jahren 1945 bis 1947 nahm die Einwohnerzahl von 16 auf 21 Millionen Menschen zu. Viele Bewohner des Südens fristeten ein Leben am oder unterhalb des Existenzminimums.

Die japanische Regierung vertrat im Juli 1961 die Meinung, es werde für Südkorea aus sieben Gründen unmöglich sein, eine unabhängige Wirtschaft zu entwickeln: Überbevölkerung, Mangel an Ressourcen, unterentwickelte Industrie, schwere militärische Lasten, schwache politische Geschicklichkeit, Mangel an Kapital, Fehlen an administrativer Fähigkeit. In den 50er-Jahren, nach dem Koreakrieg, gab es in der Tat kaum ökonomische Fortschritte in Südkorea. Das Pro-Kopf-Einkommen war 1960 mit 79 Dollar immer noch eines der niedrigsten weltweit.

Das Wirtschaftswunder
Das änderte sich erst, als 1961 Park Chung-hee an die Macht kam. Park, der bis zu seiner Ermordung durch den eigenen Geheimdienstchef 1979 Südkorea autokratisch beherrschte, wurde zum Vater des koreanischen Wirtschaftswunders. Zunächst neigte Park einer zentralen Staatswirtschaft zu. Er wird berichtet, dass Lee Byung-chull, der Begründer der Samsung Gruppe (die heute weltweit unter anderem durch ihre Mobiltelefone bekannt ist) Park davon überzeugte, dass nur eine relativ liberale Marktwirtschaft die notwendigen unternehmerischen Initiativen und die erforderliche Kreativität freisetzen würde, um internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Versorgung der Bevölkerung mit modernen Gütern zu erreichen. Große Unternehmensgruppen wie Samsung werden in Korea als "Chaebol" bezeichnet, was man mit "Business Family" übersetzen kann. Es sind mächtige, meist sehr stark diversifizierte Familienunternehmen, die den entscheidenden Beitrag zum Aufstieg Koreas leisteten. Es ist kein Zufall, dass es der Gründer einen solchen Chaebols war, der Parks wirtschaftliche Linie maßgebend beeinflusste.

Denn charakteristisch für Südkorea war die enge Verzahnung zwischen dem Staat und diesen großen Familienunternehmen. Der Staat gab zwar Pläne vor, in denen Entwicklungsziele formuliert wurden, jedoch dürfen diese nicht mit den Wirtschaftsplänen in sozialistischen Planwirtschaften verwechselt werden. Zwar machte der Staat Vorgaben für Entwicklungs- und insbesondere Produktionsziele. Aber es war grundsätzlich nicht so, dass der Staat diesen Familienunternehmen so wie in einer Planwirtschaft diktierte, was sie zu tun hatten, sondern dass das staatliche Handeln maßgeblich durch den Einfluss dieser Chaebol bestimmt wurde, wobei Bestechung an der Tagesordnung war. Als Park sein Regime errichtete, stützte er sich in erster Linie auf die mächtigen Chaebols, die sich bereits etabliert hatten: Sie waren schon vor ihm da - nur drei der heutigen 30 Spitzen-Chaebols wurden noch in der Park-Zeit oder danach gegründet.

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Kommentare

"Südkoreas Schüler stehen bei den Naturwissenschaften auf Platz elf von 70 Nationen (Deutschland Platz 16, USA Platz 25)"

Da kann man jetzt aber einwenden, dass die deutschen Schüler bei deutlich weniger Bildungsausgaben (was ich im übrigen keinesfalls gutheisse) nicht so viel schlechter abschneiden. Wahrscheinlich kommt es da auch auf die Inhalt der vermittelten Inhalte an, 10 Stunden Lernen am Tag hilft auch nicht viel, wenn es nur stupides Ausendiglernen ist. Wenn die Universitäten wirklich so gut wären, würden die Studenten auch kaum noch zusätzlich in die USA gehen. Dort lernen sie wahrscheinlich Dinge, die daheim nicht vermittelt werden: Innovation, Kreativität, Ideen entwickeln und umsetzen ....
Sehr geehrter Herr Zitelmann,
vielen Dank für diese Analyse - Süd Korea ist ein absolut faszinierendes Land. Ich hatte heute Gelegenheit, die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele anzuschauen. In einer Szene sah man, wie ein paar Kinder sich gegenseitig die Lichter in ihren Laternen anzündeten - "für Technik-Nerds: das ist 5G Technologie, eine Weltpremiere", so der deutsche Kommentator und sinngemäß: "zum Vergleich, in Europa wurde gerade die flächendeckende Breitbandversorgung beschlossen" ...
Eins würde ich Ihrem Bericht noch hinzufügen: um Erfolg zu haben ist neben Kapitalismus und Bildungshunger auch kompetentes Führungspersonal nötig, vor allem auch auf politischer Ebene. Es schadet nicht, einen Plan zu haben!

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