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Warum die Diskussion um Özils Rücktritt unehrlich ist So wie Özil fühlen die meisten türkischstämmigen Migranten

Gastautor: Rainer Zitelmann
23.07.2018, 08:50  |  5408   |  19   |   

An Özils Stelle würde ich mich auch ungerecht behandelt fühlen: Denn all die Haltungen und Einstellungen, für die er kritisiert wurde, sind geradezu prototypisch für in Deutschland lebende türkischstämmige Migranten. Nur haben viele Politiker und Medien davor bisher die Augen zugemacht.

Eine Ende 2017 durchgeführte Umfrage unter 2800 türkischstämmigen Bürgern in Deutschland ergab: 72 Prozent erklärten, unter "Heimat" verstünden sie die Türkei, nur 26 Prozent sagten dies für Deutschland. Die Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Data 4U im Auftrag des NDR-Magazins Panorama - Die Reporter durchgeführt. Hier die sehr lesenswerte Studie im vollen Wortlaut: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_die_reporter/catistudi ....

Es wurden 2839 türkischstämmige Migranten befragt, darunter 1037 mit einem deutschen bzw. mit einem Doppelpass. Die Befragung zeigt: Die Diskussion über Mesut Özil ist scheinheilig. Denn es wird nicht offen ausgesprochen und thematisiert, dass viele Türkischstämmige so denken und fühlen wie er. Özil steht für eine Grundhaltung, die eher die Regel als die Ausnahme bei Zuwanderern aus der Türkei und deren Nachkommen ist.

Umfrage: Als "Heimat" wird die Türkei empfunden - nicht Deutschland
Das Umfrageinstitut wollte von den befragten Türkischstämmigen wissen, wie stark der Begriff "Heimat" für sie mit Deutschland oder mit der Türkei verbunden sei. Vorgegeben wurde eine Skala von 1 bis 10, wobei 1 hieß, dass man das Land gar nicht als Heimat empfinde und 10, dass man das Land voll und ganz als seine Heimat empfinde. Ergebnisse:

  • Nur 4% der Befragten identifizierten sich gar nicht oder kaum mit der Türkei (Werte auf der Skala 1 bis 4), aber 22% sagten, dass sie sich gar nicht oder kaum mit Deutschland identifizierten.
  • 72% identifizierten sich voll und ganz mit der Türkei (auf der Skala Höchstwert 10), aber nur 26% mit Deutschland.


Bemerkenswert: Jeder Dritte Befragte erklärte, dass in den vergangenen Jahren das Heimatgefühl für die Türkei sogar noch zugenommen habe.

Özils Haltung, der sich beispielsweise konsequent weigerte, vor Spielen die deutsche Nationalhymne mitzusingen, der jetzt nach seinem Rücktritt pauschal von "Rassismus" spricht, wenn er wegen des Fototermins mit dem türkischen Präsidenten Erdogan kritisiert wird, zeigt also eine Haltung, die für die Mehrheit der türkischstämmigen Migranten in Deutschland charakteristisch ist.

Das Problem ist nicht Özil, sondern die missglückte Integration
Insofern ist es in der Tat unehrlich, jetzt alle Kritik auf Özil abzuladen. Das Problem ist nicht die Haltung von Özil allein, sondern das Problem ist die nicht geglückte Integration. Und daran sind beide Teile schuld:

  • Viele Bürger mit türkischer Herkunft, weil sie sich nicht in die deutsche Gesellschaft integrieren wollen, die Sprache nicht lernen, sich abschotten und sich als Opfer sehen.
  • Wir Deutsche sind aber auch schuld, weil wir Integration nicht deutlicher eingefordert haben und weil man ja von Migranten und deren Nachkommen schwer erwarten kann, dass sie stolz sind auf Deutschland und sich mit dem Land identifizieren, wenn viele Deutsche (anders als die meisten anderen Nationen) selbst damit ein Riesenproblem haben.


Özil selbst ist Deutscher - er ist in Gelsenkirchen geboren - und hat keinen türkischen Pass. Aber seine Bewunderung für Erdogan teilt er mit den hier lebenden Türken, wie alle Wahl- und Abstimmungsergebnisse der vergangenen Jahre belegen:

  • Bei den Wahlen im November 2015 stimmten in Deutschland 59,7% der Türken für Erdogans AKP, in der Türkei selbst waren es mit 49,5% zehn Prozentpunkte weniger.
  • Beim Verfassungsreferendum in der Türkei im April 2017 stimmten 63% der hier lebenden Türken für Erdogans Entwurf, in der Türkei waren es mit 51,4% fast zwölf Prozentpunkte weniger.
  • Und bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Juni 2018 stimmten 64,8% der hier lebenden Türken für Erdogan, 12,2 Prozentpunkte mehr als in der Türkei.
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19 Kommentare

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Kommentare

Im Übrigen habe ich nichts gegen Einwanderer, im Gegeteil. Manche Kulturen empfinde ich als Bereicherung, hier genannt sind kulturelle Einflüsse, wie chinesische und japanische Philosophien (nicht zu vergessen die Tibetische Kultur) um nur ein paar zu nennen. Auch empfinde ich Menschen aus Südamerika, Europa und vielen Ländern als angenehme Kulturbereicherung. Nur mit dem islamischen Kulturkreis habe ich mich nie anfreunden können. Zu agressiv, zu fordernd, auf Expansion ausgerichtet. Es wäre besser, wenn in dieser Hinsicht wieder jeder dahin geht, wo er seinen Überzeugungen gemäß leben kann. Diese Haltung wird sich bei mir auch nicht mehr ändern.
In Deutschland leben ja außer Türken und Deutschen noch viele Menschen aus anderen Nationen. Von denen höre ich nichts. Alle polnisch-stämmigen, vietnamesich-stämmigen und andere machen einen zufriedenen Eindruck und sind zum Teil auch Ehen mit den Einheimischen eingegangen (was man bei Türken und Arabern meistens nur in der Konstellation Türkischer / Arabischer Mann mit Deutscher Frau) kennt. Ich empfinde es als blanke Unverschämtheit, dass die, die von unserem Sozialsystem so profitieren auch noch immer am meisten Mekern. Daher habe ich meine Arbeitszeit reduziert. Ich habe keinen Bock mehr, in so ein System einzuzahlen, das mir, wenn ich in Rente gehe in den Hintern tritt. Und täglich werden es mehr - in den überwiegenden Fällen Analphabeten, die hier über sehr lange Zeit von den "bösen Deutschen" bis zur Bahre gepampert werden. Ach, was solls. Wenn es geht, werde ich mich aus Deutschland abmelden.
bei jedem Fehler, bei jeder Kritik an einem "Ausländer" die Nazikeule auspacken. Funktioniert zum Teil schon seit den 70er Jahren. Ebenfalls wenn der Augsburger in München einen Mist fabriziert,......nur dann kann der Augsburger sich halt nicht auf Onkel Adolf berufen. Schon besser wenn mann fon di auslande komm nack munchen
Zitat: " Denn andernfalls müsste man sich damit auseinandersetzen, ob es vielleicht nicht der Qualität der Befragung zugute kommt, wenn diese in der jeweiligen Muttersprache durchgeführt wird."

Muttersprache Türkisch in der 3. Generation der Immigranten (!) - das ist jedenfalls der Beleg für Nicht-Integration.

Mit solchen unterirdischen Diskussionen muss man sich tatsächlich nicht auseinandersetzen. Da bleibt nur noch An Den Kopf Ticken.

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