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Währungsverfall Nur noch heiße Luft im Kessel?

06.08.2018, 10:40  |  2534   |   |   

Die USA hatten im Mai das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt. Nun werden harte Sanktionen erwartet, die bereits im Vorfeld für einen Verfall der Landeswährung Rial sorgten. Zum Euro büßte der Rial 70 Prozent ein, wodurch die Mittelschicht sowohl Erspartes als auch Kaufkraft verloren hat.  

Die US-Sanktionen könnten so aussehen, dass es für den Iran verboten wird US-Dollar zu erwerben. Der Handel mit Edelmetallen soll ebenfalls unterbunden werden. Auch bestimmte Rohstoffe und Industriesoftware könnten von den Sanktionen betroffen sein. Ferner darf der Iran keine Teppiche oder Lebensmittel in die USA exportieren. Donald Trump hatte seinerseits Gesprächsbereitschaft erklärt - auch ohne Vorbedingungen. In einer Twitter-Nachricht vom Samstag schrieb Trump: 

"Iran, and it’s economy, is going very bad, and fast! I will meet, or not meet, it doesn’t matter - it is up to them!"

Die Tagesschau bewertet die Situation so:

"Das ist ein Novum. Und es scheint, als wüssten die Mächtigen im Iran wirklich nicht, wie man damit umgehen sollte, während Trump gleichzeitig denkt, dass seine Nordkorea-Taktik überall funktioniert. Das ist eine explosive Kombination von Eitelkeiten und festgefahrenen Verhaltensweisen ohne Aussicht auf eine Lösung".

Der Ohnmacht der politischen Führung gegenüber den USA steht eine wachsene Zahl von Demonstranten gegenüber, die bereit ist auf die Straße zu gehen. In Shiraz, Isfahan, Karaj und Teheran kommen Menschen zusammen und "sie rufen Tod dem Währungsverfall und der Preiserhöhung, aber auch Tod dem Diktator", so Tagesschaukorrespondentin Natalie Amiri. Amiri kommt zu dem Urteil, dass viele Menschen im Iran nicht mehr hinter dem Präsidenten Rouhani stehen. 

Wie gefährlich die Situation bereits ist, zeigt ein nun angekündigter Währungsplan. Das staatliche Fernsehen gab am Sonntag bekannt, dass etliche Bestimmung gelockert werden, um den Währungsverfall zu stoppen. Der Iran selbst will seine Gold- und Devisenbeschränkungen aufheben. Ferner soll ein Verbot für Wechselstuben, harte Währungen zu schwankenden Kursen zu verkaufen, abgeschafft werden. Und Exporteuren werde es zukünftig erlaubt, Devisen an Importeure zu freien Kursen zu verkaufen. Ferner sollen für Güter des täglichen Bedarfs und Medikamente niedrige Preise gelten.

Laut dem US-Ökonom Steve Hanke befindet sich der Rial in einer "Todesspirale" und nur radikale Maßnahmen könnten eine Wende einleiten, so die "Welt". Hanke schlägt dem Iran folgendes vor: "Der Iran sollte seine Währung an den Wert des Edelmetalls [Gold] koppeln. Das Land hätte dann weiter seinen Rial. Doch der wäre dann nicht mehr Schrottwährung, sondern so gut wie Gold".

Der Vorschlag des Ökonomen Hanke könnte fruchten. Im Iran ist die Lage jedoch wesentlich komplexer. Dies zeigt sich u. a. an der Entlassung des Chefs für Währungsgeschäfte bei der Zentralbank. Ahmad Araghchi wurde nicht nur entlassen sondern auch festgenommen. Was ihm vorgeworfen wird, ist bislang unklar. Die Tagesschau schreibt: "Beobachter werten dies als Versuch, Sündenböcke für die schwierige finanzielle Lage zu finden".

In der Nacht zum Dienstag treten die US-Sanktionen wieder in Kraft. Der Iran hat sich auf harte Zeiten eingestellt, denn allein von April bis Ende Juni 2018 führte das Land rund 15 Tonnen Goldbarren und -münzen ein. Ferner hofft die iranische Regierung, dass genügend Länder sich den US-Sanktionen verweigern. Dies scheint jedoch nicht einzutreten, denn nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ziehen sich erste Firmen bereits aus dem Iran zurück, so die "Funke Mediengruppe". 

Für den Iran wird es keine einfache Lösung geben. Die Aufnahme von Gesprächen zwischen den USA und dem Iran wären eine Grundvoraussetzung, um die Situation zu entschärfen. Die Wirtschaft und Bevölkerung wird noch längere Zeit unter den erschwerten Bedingungen leiden.   

Quellen:

Tagesschau

Wiener Zeitung

ntv

Tagesschau

Welt

Wertpapier
Gold


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