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Marktkommentar: Jens Wilhelm (Union Investment): Ausblick 2019 - Märkte in spätzyklischem Umfeld
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Marktkommentar Jens Wilhelm (Union Investment): Ausblick 2019 - Märkte in spätzyklischem Umfeld

Nachrichtenquelle: Asset Standard
03.12.2018, 12:55  |  736   |   |   

In vielen Bereichen haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Diese Umbrüche werden die Kapitalmärkte 2019 prägen.

Das Börsenjahr 2019 wird maßgeblich durch die spätzyklische Konjunkturphase geprägt. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich. Wir erwarten zwar keine Rezession, aber es wird volatiler an den Börsen“, sagt Jens Wilhelm, Vorstand bei Union Investment.

Frankfurt am Main, 29. November 2018

Ein wesentlicher Treiber für die Börsen im Jahr 2019 wird nach Einschätzung von Jens Wilhelm, Vorstand bei Union Investment und zuständig für Portfoliomanagement sowie Immobilien, die Frage nach der Tragfähigkeit des US-Konjunkturzyklus sein: „Die Weltwirtschaft wächst zwar auch nächstes Jahr, aber wir befinden uns in einer späten Zyklusphase. In den USA, der Leitökonomie der Weltwirtschaft, erleben wir den zweitlängsten Aufschwung der letzten 70 Jahre.“ Damit wird eine wirtschaftliche Verlangsamung wahrscheinlicher, was sich auf die Stimmung an den Kapitalmärkten auswirken dürfte.

Mit einem Abrutschen der amerikanischen Wirtschaft in eine Rezession rechnet Wilhelm jedoch nicht, unter anderem aufgrund der Sonderkonjunktur durch die Trump’sche Steuerreform. Wilhelms Fazit: „Das US-Wachstum dürfte 2019 rund 2,5 Prozent erreichen. Der Zyklus ist damit zwar reif, aber noch nicht zu Ende.“

Europas Wachstum schwächt sich ab

Auch in anderen Regionen wird das wirtschaftliche Umfeld anspruchsvoller. Das gilt nach Einschätzung Wilhelms auch für Europa. „Das Wachstumsgefälle zu den USA bleibt 2019 bestehen“, prognostiziert er. Vor diesem Hintergrund rechnet Wilhelm im kommenden Jahr noch mit einer Zunahme des europäischen wie des deutschen Brutto-Inlandsprodukts (BIP) um jeweils 1,7 Prozent. Das Wachstum in Deutschland bleibt solide, kann aber nicht ganz an die starken Werte der Vorjahre anknüpfen. Grund hierfür ist nach Einschätzung Wilhelms unter anderem die Sondersituation der deutschen Autoindustrie im Lichte der Diesel-Diskussion. Zudem leidet der Außenhandel unter dem aufkommenden Protektionismus. „Die Gewinner der Globalisierung sind die Verlierer des Protektionismus. Dazu zählt am Ende auch Deutschland“, fasst er zusammen.

Erschwert wird die Lage zusätzlich durch die politischen Unsicherheiten in Europa. „Beim Brexit ist die Lage weiter mit Risiken behaftet“, meint Wilhelm. Die Einigung zwischen der EU und der britischen Regierung benötigt noch eine Zustimmung des britischen Parlaments. „Die Widersprüche der britischen Verhandlungsposition müssen innenpolitisch in Westminster aufgelöst werden.“ Damit ist die Frage nach einem Abkommen weiter offen. „Je länger dieser Zustand der Unsicherheit anhält, desto größer ist der wirtschaftliche Schaden – besonders für die Briten“, analysiert Wilhelm.

Beim Thema Italien geht der Vorstand nicht von einer Beruhigung, aber auch von keiner Eskalation aus. „Der Streit wird weitergehen“, analysiert Wilhelm. Im Vorfeld der Europawahlen rechnet er nicht mit einem Kompromiss zwischen der populistischen Regierungskoalition und der EU-Kommission beim Konflikt um das italienische Haushaltsdefizit. Allerdings sieht er das Thema bereits zu einem gewissen Teil in den Kursen italienischer Anlagen reflektiert. Hinzu kommt, dass Italien nicht vor unmittelbaren fiskalischen Probleme steht. „Politisch bleibt die Lage schwierig. Wir raten zur Vorsicht bei italienischen Staatsanleihen“, sagt Wilhelm. Damit dürften europäische Anlagen insgesamt auf absehbare Zeit mit politischen Risikoprämien belastet bleiben.


Fed hält einen wichtigen Schlüssel für Börsenjahr 2019 in der Hand

Die Notenbanken sieht Wilhelm vor schwierigen Herausforderungen. Demnach möchte die US-Zentralbank ihren Kurs in einem fragiler gewordenen

Wachstumsumfeld straffen. „Es besteht die Gefahr, dass US-Konjunktur und Geldpolitik im Jahresverlauf auf einen Konfrontationskurs einschwenken“, warnt Wilhelm. Seiner Auffassung nach dürfte die Kapitalmärkte im Jahresverlauf zunehmend diese Frage bewegen. „Damit hält die Fed einen wichtigen Schlüssel für das Börsenjahr 2019 in der Hand“, meint er.

Angesichts der Mischung aus rückläufiger Wachstumsdynamik und gewachsenen politischen Risiken rechnet Wilhelm aber nur mit einer moderaten Straffung der Geldpolitik. „Der Inflationsdruck ist nach wie vor relativ schwach, sowohl in den USA als auch in Europa“, erklärt der Vorstand. „Wir rechnen in den USA mit vier Zinsschritten in den kommenden zwölf Monaten“, sagt Wilhelm. In Europa wird die Europäische Zentralbank (EZB) erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 ihre Zinspolitik ändern. „Zuerst wird die EZB die Zinsen beim Einlagesatz ändern und den Negativzins in Richtung der Nullmarke verschieben“, meint Wilhelm. Mit einer Anhebung der Leitzinsen rechnet er nicht vor Ende 2019. „Die Geldpolitik bleibt moderat-restriktiv.“

Renten: Zinsen in schwachem Aufwärtstrend

Für sichere Rentenpapiere wie US-amerikanische Treasuries oder deutsche Bundesanleihen stehen die Vorzeichen auf weiter steigenden Renditen. „Wir sehen die Zinsen sicherer Häfen weiter in einem schwachen Aufwärtstrend“, erläutert Wilhelm. Konkret rechnet er für zehnjährige US-Staatsanleihen mit einer Rendite von 3,4 Prozent in der Spitze, bevor der Wert bis zum Jahresende 2019 wieder nachgeben dürfte. Bei laufzeitengleichen deutschen Titeln sollte die Rendite bis Ende 2019 auf 0,8 Prozent ansteigen. Das sind keine großen Sprünge, aber sie zeigen eine klare Tendenz. Bei Anleihen mit Renditeaufschlag, sogenannten Spread-Produkten, setzt sich die Trendumkehr nach seiner Meinung fort: „Die Zeit rückläufiger Spreads ist vorbei.“ Als Gründe verweist er auf die veränderte Geldpolitik, wachsende Opportunitätskosten im Zuge anziehender Zinsen sowie höhere Risiken.

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