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Nichts aus der Geschichte gelernt: Von der Wiederkehr des Sozialismus

Gastautor: Rainer Zitelmann
22.02.2019, 11:01  |  3053   |   |   

Von den deutschen Sozialdemokraten über Jeremy Corbyns Labour-Party bis zu den Demokraten in den USA: Weltweit feiert der Sozialismus ein Comeback. Dazu fällt mir Hegel ein: "Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dies, dass Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben."

Im August 2015 schrieb der britische Labour-Chef und bekennende Sozialist Jeremy Corbyn auf seiner Website: "In a sense history is being played out to its fullest extent in Venezuela, where the Bolivarian revolution is in full swing and is providing inspiration across a whole continent…and Venezuela is seriously conquering poverty by emphatically rejecting the Neo Liberal policies of the world's financial institutions. Success for radical policies in Venezuela is being achieved by providing for the poorest, liberating resources, but above all by popular education and involvement."

Inzwischen wissen wir, wie das Experiment des "Sozialismus im 21. Jahrhundert" endete. Es endete so, wie ausnahmslos alle sozialistischen Experimente in den vergangenen 100 Jahren - in einem Desaster. Viele Menschen haben dies heute, 30 Jahre nach dem Zusammenbruch des Sozialismus, vergessen. In vielen westlichen Ländern ist "Kapitalismus" heute ein "dirty word", während vom Sozialismus eine neue Attraktivität ausgeht. Das trifft sogar für die USA zu, wo sich bei den Demokraten jene Politiker durchsetzen, die drastische Steuern für Reiche (70 Prozent) fordern und eine scharfe antikapitalistische Rhetorik pflegen.

Kapitalismuskritiker beklagen vor allem eine zunehmende Ungleichheit. Sie ignorieren, dass noch niemals in der Geschichte in so kurzer Zeit so viele Menschen der Armut entronnen sind, wie in den vergangenen 30 Jahren. Ein Beispiel ist China: Dort lebten 1981 noch 88 Prozent der Menschen in extremer Armut, heute sind es nur noch 1 Prozent. Dieser extreme Rückgang der Armut hatte eine einzige Ursache: Der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft wurde (obwohl immer noch sehr stark) sukzessive zurückgedrängt. Die Chinesen erlaubten das Privateigentum und gaben dem Markt wesentlich mehr Raum. Dabei ist die Ungleichheit gestiegen. In keinem Land der Welt kommen jeden Monat so viele Milliardäre neu hinzu, wie in China. Dies zeigt jedoch, dass der "Nullsummenglauben", dem Kapitalismuskritiker anhängen, falsch ist, wonach die Reichen auf Kosten der Armen reich werden.

Die kapitalistische Globalisierung hat weltweit zu einem Rückgang der Armut geführt, nicht nur in China: Südkorea war in den 60er-Jahren noch eines der ärmsten Länder der Welt - Nordkorea ist immer noch arm, immer wieder gibt es Hungersnöte. Aber Südkorea ist den kapitalistischen Weg gegangen und hat heute eine blühende Wirtschaft.

Anders ist es in Venezuela. Das Land war noch 1970 eines der 20 reichsten Länder der Welt. Dann ging es bergab: Seit Mitte der 70er Jahren wurde die Wirtschaft durch zunehmende Regulierungen des Arbeitsmarktes immer mehr geschwächt. 1999 kam Hugo Chavéz an die Macht und Venezuela galt vielen linken Intellektuellen und Politikern in westlichen Ländern als Vorbild im Kampf gegen Armut und Kapitalismus. Ein Vergleich der Entwicklung von Chile und Venezuela in den vergangenen Jahrzehnten zeigt die Überlegenheit des Kapitalismus: Chile ist das kapitalistischste Land in Lateinamerika. Dort hat sich die Lage der Menschen zunehmend verbessert. In Venezuela haben 20 Jahre sozialistischer Experimente zu Hunger und Armut geführt, Millionen Menschen haben das Land inzwischen verlassen.

Antikapitalisten argumentieren, sie wollten kein Regime wie in Venezuela, Kuba oder gar Nordkorea, sondern einen "demokratischen Sozialismus". Doch der "demokratische Sozialismus", von dem linke Demokraten in den USA oder die Anhänger von Jeremy Corbyn in Großbritannien träumen, ist ebenfalls gescheitert - nur haben die Menschen das vergessen. Verwirklicht war der "demokratische Sozialismus" in Großbritannien und Schweden in den 70er Jahren: Dort herrschten extrem hohe Steuern für Reiche und der Staat regulierte die Wirtschaft. In beiden Ländern, in Großbritannien und in Schweden, endete dieses Experiment mit dem "demokratischen Sozialismus" im wirtschaftlichen Desaster. Erst nach kapitalistischen Reformen kehrten Großbritannien und Schweden wieder zurück auf den Weg zu Wohlstand und Wachstum. Schweden ist heute längst kein sozialistisches Land mehr: Im "Index der wirtschaftlichen Freiheit" der Heritage-Foundation gehört Schweden heute zu den 20 kapitalistischsten Ländern der Welt.

Obwohl der Ausgang aller sozialistischen Experimente immer wieder in die gleiche Richtung gewiesen hat, scheint die Lernfähigkeit der Menschen begrenzt. Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel meinte in seinen Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte: "Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dies, dass Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben."

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Kommentare

Die DDR ist bekanntlich auch an dem imperialistischen Embargo zugrunde gegangen. Niemand wollte eine Wende und schon gar keine Wiedervereinigung. Bei den mikrigen Demonstrationen waren allein eingeschleuste BRD-Bürger zugange. Es gibt nur einen legitimen deutschen Präsidenten, das ist Egon Krenz. Eigentlich ja Erich Honecker, aber den hat ja bekanntlich die CIA ermordet.
WikiLeaks @wikileaks

Page 136 of former FBI Acting Director Andrew McCabe's book, recounting a 2017 Oval Office meeting: "Then the president talked about Venezuela. That’s the country we should be going to war with, he said. They have all that oil and they’re right on our back door."

https://twitter.com/wikileaks/status/1097689266526846976
Venezuela war vor der Wahl von Chavez tatsaechlich im Chaos, viel mehr als heute.

Das Wirtschaft des Landes war auch nie wirklich sozialistisch, sondern ist auch heute noch, verglichen z.B. mit China, wesentlich weniger planwirtschaftlich ausgelegt. Im Vergleich zum den US Deep State oder Deutschland gibt es in Venezuela auch starke Oppositionsmedien.

Der UN Sonderbeauftragte hat das Land bereist und analysiert: sein Fazit (von den westlichen Oligarchen und Staatsmedien komplett verschwiegen):

Ursache der Krise sind die voelkerrechtswidrigen Sanktionen und die Sabotage von aussen und innen.


Wer die schwedische oder deutsche Sozialdemokratie mit dem DDR- oder dem China-Sozialismus und den amerikanischen Demokraten in einen Topf wirft hat offensichtlich einige Wissensdefizite.
Nationalsozialismus ein Albtraum...


und Kapitalismus ….Nationalkapitalismus :D könnte das Ende dieser Welt bedeuten....

Der Wettbewerb mit immerwährendem Wachstum, einer wachsenden Zahl von Menschen, einer hirnrissigen Ausbeutung endlicher Ressourcen und von Menschen ,bei gleichzeitiger Verschwendung
und Vernichtung von 1/ 3 der erzeugten Waren und Lebensmittel ….Zersörung des Ökosystems,
der Lebensgrundlagen....
Ein Verbrauch der gemessen am Lebensstil der Amerikaner 4 Erden benötigen würde ??
oder dem der Europäer anderthalb….

JAAA das ist der Gral , das grosse Ziel damit wir vielleicht ein paar ´ tausende Millionäre und ein paar hundert Milliärdäre mehr auf dem Planeten haben ??? und was ist mit der anderen Häflte der
Menschheit ?? Abschieben ....?? Kriege...??


Quando

Eine Schlingplanze die sich jeden Tag verdoppelt, bedeckt die Hälfte eines Sees .
Frage : wie lange dauert noch bis der See umkippt, wenn der See halb voll ist ??

Disclaimer

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