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CNBC-Interview Sozialromantik oder echte Überzeugung? Larry Fink plädiert für bewussteren Kapitalismus

18.04.2019, 09:48  |  2378   |   |   

In den USA haben die Finanzschwergewichte eine neue Debatte über Kapitalismus angestoßen. Jüngst schrieb JPMorgan Chase-CEO Jamie Dimon in seiner Jahresnotiz an die Aktionäre: "Der Sozialismus erzeugt unweigerlich Stagnation, Korruption und oft noch schlimmeres". Nun äußert sich erneut BlackRock-CEO Larry Fink.  

Im "CNBC"-Interview vom 16. April 2019: "BlackRock CEO Larry Fink: There's a need for more conscious..." sagt Fink: "Es braucht einen bewussteren Kapitalismus. Es braucht einem integrativen Kapitalismus". Zu dieser Einschätzung kommt Fink vor dem Hintergrund der eigenen Beobachtung, dass "die Gesellschaft zunehmend darüber frustriert [ist], dass die Regierung immer weniger für sie tut", so Fink. In erster Linie beziehen sich Finks Ausführungen auf die USA. Gleichzeitig dürfte seine globale Perspektive bei dieser Einschätzung auch eine Rolle spielen. 

Gegenüber dem "Handelsblatt" sagte Fink: "Der Kapitalismus ist zu weit gegangen". Und erneut lautet seine Parole: "Unternehmen müssen mehr für die Gesellschaft tun". Fink sagt abermals, dass Unternehmen die Forderung nach einer Verbesserung der Gesellschaft gegenüber der Gewinnerzielung beachten müssen. Die "Handelsblatt"-Journalisten bezeichnen es als "Sinnsuche der Wirtschaft".

Bereits im Januar veröffentlichte "Forbes" eine Kolumne unter dem Titel: "Larry Fink, Tucker Carlson, David Brooks and the Call for a Capitalist Reformation". Die zentrale Frage ist: Kann der amerikanische Kapitalismus überleben? Fink und Co. diagnostizieren folgendes Problem: Ein angeschlagenes Wirtschaftssystem, das nicht den Bedürfnissen der überwiegenden Mehrheit der Menschen entspricht. 

Hintergrund für den "Forbes"-Bericht war: Larry Fink hatte im Januar 2019 gerade seinen Brief an CEOs mit dem Titel "Purpose & Profit" veröffentlicht, in dem er konstatierte, dass, wenn sowohl börsennotierte als auch private Unternehmen nicht nachweisen können, dass sie einen positiven sozialen Wert schaffen, sie an Bedeutung verlieren und womöglich auch die Unterstützung durch BlackRock. Das waren große Worte des größten institutionellen Vermögensverwalters der Welt. Ein Beobachter nannte es "einen Wendepunkt an der Wall Street, der alle möglichen Fragen über die Natur des Kapitalismus aufwirft".

Und auch im "CNBC"-Interview spricht Fink davon, dass die derzeitige Gesellschaft einen großen Wandel durchlebt. Dies wirkt sich auch auf die Unternehmen aus. Fink ist der Auffassung, dass die jungen Millennials sich dafür interessieren, wie und nach welchen Leitmotiven Unternehmen handeln. Und ein Unternehmen, dass die besten Talente möchte, müsse sehr bewusst und gesellschaftlich nachhaltig agieren. So gibt es z. B. bei BlackRock weltweit einen Frauenanteil von 50 Prozent und eine absolute Gender-Neutralität, so Fink. 

Larry Fink will zweifellos ein guter Kapitalist und ein guter Wirtschaftsbürger sein. Es fehlt jedoch an Glaubwürdigkeit, wenn einer der bestbezahltesten CEOs über edlere Ziele als Gewinnmaximierung spricht. Auf der anderen Seite kann es Fink sich leisten, über Kapitalismus zu philosophieren, denn damit gibt er seinen Kunden ein gutes Gefühl. BlackRock ist mit 6,2 Billionen US-Dollar, die im Oktober 2018 verwaltet wurden, der größte Asset Manager der Welt. 

Quellen:

CNBC

Forbes 

Handelsblatt

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