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Egbert Prior Bayer plagt das „Wertvernichtungsmittel“

Gastautor: Egbert Prior
06.05.2019, 11:53  |  6316   |   |   

Am 10. April 2015 markierte die Aktie mit 144 Euro ein Allzeithoch. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 100 Milliarden war der Traditionskonzern das wertvollste deutsche Unternehmen. Im Mai 2016 kommt es zum Sündenfall. Bayer legt ein offizielles Übernahmeangebot für Monsanto vor. Inzwischen ist der Kurs auf nur noch 59 Euro zusammengeklappt. Börsenwert nur noch 55 Milliarden. Über Nacht hat sich der US-Agrarchemiekonzern praktisch in Luft aufgelöst. Bayer blätterte für Monsanto 66 Milliarden Dollar auf den Tresen – die teuerste Übernahme, die je ein deutsches Unternehmen gestemmt hat. Momentan ist noch keine Bodenbildung des Kurses zu erkennen. Stolperstein ist das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Die Leverkusener werden von einer Klagewelle überrollt. Anwender werfen Monsanto vor, daß Glyphosat krebserregend sei. Die Zahl der Klagen ist inzwischen auf mehr als 13.400 angeschwollen. Es gibt erstinstanzliche Urteile, die zwei krebserkrankten Klägern in Summe 159 Millionen Schadensersatz zugesprochen haben. Diese Beträge zugrunde gelegt, beliefe sich der von Bayer zu zahlende Schadensersatz auf rund 500 Milliarden. Solche Beträge könnte das DAX-Unternehmen nie und nimmer aufbringen. Das gesamte Eigenkapital des Konzerns beläuft sich auf 46 Milliarden. Freilich geht der Vorstand gegen die Forderungen juristisch vor. Am Ende dürfte es auf einen Vergleich hinauslaufen. Unter Analysten werden Summen von 20 Milliarden herumgereicht. Mit Pea-nuts dürfte es nicht getan sein, Bayer ist in der Existenz bedroht! Auch könnte Glyphosat verboten werden. Das wäre ebenfalls eine schlechte Nachricht für Bayer. Schließlich gehört das Herbizid inzwischen zu den wichtigsten Ertragsbringern im Konzern. Die vergangene Woche vorgelegten Quartalszahlen übertrafen die Analystenerwartungen. Dank der Monsanto-Übernahme legten Konzernumsatz und operatives Ergebnis jeweils um über 40% zu. Die Tage von Werner Baumann als Bayer-Chef dürften gezählt sein. Als Hauptverantwortlicher für das Desaster ist er wohl kaum der richtige Mann dafür, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. 55% der Aktionäre auf der HV verweigerten seine Entlastung. Das hatte es bei einem amtierenden DAX-Vorstand noch nie gegeben. Fazit: Bayer hat sich selbst zerlegt, eine Trendumkehr ist noch nicht in Sicht.

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