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Deutsche Politik: Früher Fels in der europäischen Brandung, heute nur noch Wackelpudding?

Gastautor: Robert Halver
05.06.2019, 11:28  |  2219   |   |   

Deutsche Politik: Früher Fels in der europäischen Brandung, heute nur noch Wackelpudding?

Geopolitisch laufen immer weniger Heimatfilme, aber immer mehr Thriller. So betreibt nach den USA jetzt auch China Neandertaler-Diplomatie. Im Machtkampf um die Pole Position vor allem im Pazifik schenken sich beide nichts. Mit baldiger Friedensnobelpreis-verdächtiger Konfliktbeilegung ist nicht zu rechnen, da u.a. ein erneut antretender Donald Trump bis zur Präsidentschaftswahl im November 2020 ein Interesse daran hat, das Feindbild China weiter zu bedienen.

Im Extremfall könnte die Welt in einen US- und chinesisch dominierten Teil zerfallen und ein Blockdenken wie damals zwischen NATO und Warschauer Pakt beginnen. Hierbei droht Europa zwischen die Fronten zu geraten. Denn auf die frühere freundliche Unterstützung Amerikas kann Brüssel so wenig hoffen wie das Schaf auf Gnade beim bösen Wolf. 

Wäre die Große Koalition börsennotiert, würde sie vom Kurszettel verschwinden

Europa sollte sich nicht zwischen Amerika und China entscheiden, sondern seinen eigenen, einen dritten, Weg gehen. Aber wo soll diese Entschlossenheit herkommen, wenn schon die Politik im bedeutendsten EU-Land, Deutschland, offensichtlich von vielen Wählern so „schwach wie eine Flasche leer“ eingeschätzt wird. Tatsächlich ist die Große Koalition nur noch eine FrüGroKo, eine Früher Große Koalition. Die SPD ist so demoralisiert, dass mit Blick auf die drohenden Wahlverluste bei den im Herbst anstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen niemand das nächste Opferlamm im Verschleißbetrieb sein will. Und dabei hatte doch Franz Müntefering 2002 den Parteivorsitz als „das schönste Amt neben Papst“ bezeichnet.

Bis auf weiteres soll jetzt ein Trio Infernale die SPD kommissarisch führen, wobei alle drei jedoch jede langfristige Verantwortung ablehnen. Lauwarm kann man vielleicht einen Kaninchenzuchtverein führen, aber keine bereits abgekühlte Regierungspartei. Wenn sich kein Politiker heiß zur SPD bekennt, warum sollten es dann die Wähler tun?

Keine andere Partei hat Deutschland nach dem II. Weltkrieg so dominiert wie die CDU. Insofern nagen Wahlergebnisse unter 30 Prozent auch an ihrer Ehre. Allerdings ist dieser politische Gewichtsverlust auch selbstverursacht. Während Frau Merkel noch kocht, will Frau Kramp-Karrenbauer zügig ran an den Herd, um bis zur nächsten Wahl einen Amtsbonus als Küchenchefin aufzubauen. Doch profilieren sich auch andere durch ordnungsgemäßes Putzen des politischen Gemüses für den höheren Küchendienst. Aber viele Köche verderben den Brei. Adenauer, Erhard und Kohl wussten, warum sie in Partei und Regierung den Kochlöffel geschwungen haben. Wähler wollen wissen, ob es Fisch oder Fleisch gibt.

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Kommentare

Wer hat das schon wieder eingefädelt. Ist da etwa die Fam. Merkel involviert; so nach dem Motto, wenn die nächste "nicht CDU Regierung" meint, so frei Schnauze losregieren zu wollen, dann machen wir denen mal kräftig Druck über die relevanten Massenmedien, damit`s denen nicht zu wohl ergeht. Die bezopfte Schwedin zeigts, was alles möglich ist in Fremdlenkung hier noch der Opposition. Eine evtl. grün geführte neue Regierung wird dann zusammen mit dieser Meinungsmanipulatorin das Ding nach vorne treiben, das wenigstens D Klimaneutral wird.
Es gewinnen immer die Politiker, die die Kontrolle über die Medien haben.
Jetzt kauft ein amerikanischer Investor den Axel Springer Verlag. Mal abwarten, wie danach die Regierungsarbeit in der "Bild" und dem "Spiegel" bewertet werden.
Wie immer eine grossartige Zusammenfassung der verfahrenen Situation in D.
Die SPD hat ja wohl voll in der GroKo auf die falschen Themen gesetzt, die vor allem die aufmüpfigen jungen Hoffnungsträger der deutschen Nation (so langsam wird dies wieder In) komplett verdrängen. Verbesserungen bei der Rente (was interessierts die Jungen; ist noch so weit in der klimatisch unerträglichen Zukunft). Und überhaupt steht da mal ne kräftige Kürzung an für die alten Klimasünder. Arbeiten und in die Sozialkassen einzahlen- baaah, nicht mit uns. Die SPD könnte das "Mindesteinkommen ohne Arbeit" von €1500.- einführen; interessiert nicht
Alles was die jungen noch interessiert, das ihr Handy weiterhin alles anzeigt, was sie so lieben und das es i D nicht unerträglich heiss wird, weil dann die Freibäder überquellen mit diesen Rentnern, die es daheim nicht mehr aushalten. Dafür ist aber D alleine verantwortlich.
Sozialthemen und Regulierungen in der Arbeitswelt interessieren in dieser Altersklasse niemanden. Man braucht nur ein eigenes Hypethema, mit dem man dann bei seinen Followern imponieren kann.
Wenn die internationalen Grossverschmutzer lustig weiter machen mit immer höherem CO2 Ausstoss, dann können wir da eh nichts machen; aber D muss immer die absolute Vorreiterrolle spielen auf Befehl einer bezopften Schwedin. So sieht heutzutage Fremdbestimmung aus.

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